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Aus dem neuen »miteinander«

Was wollen wir unseren Enkeln mitgeben

Getraude und Clemens Steindl zu Generationengerechtigkeit

Gertraude und Clemens Steindl waren erfolgreich in ihrem Berufsleben und zugleich gesellschaftlich engagiert in der „aktion leben“ und dem Katholischen Familienverband. Nun sind sie ebenso engagierte Großeltern, die darüber nachdenken, was das Band der Generationen eigentlich bedeutet und was sie ihren Enkeln mit auf den Weg geben wollen. Von Gertraude und Clemens STEINDL.

miteinander 9-10/2022

Hands of four generations close-up . Hands of mother, father and grandfather over the child's hand . Family value

Optimismus und Zivilcourage

Von Gertraude STEINDL.

 

Als unsere Tochter mit gerade mal 18 Jahren für uns völlig überraschend aus unserer Wohnung auszog, haderte ich mit diesem Ereignis: Hatten wir sie ausreichend auf das Leben „da draußen“ vorbereitet? Oder hatten wir nicht vieles, was uns wichtig war, mit ihr noch nicht ausreichend diskutiert? Andererseits hatten wir immer gewollt, dass sie selbstständig wird, nach ihrem Gewissen verantwortlich handeln würde und ihren eigenen Weg finden sollte. Ihr die Basis dafür zu geben, hatten wir 18 Jahre lang Zeit gehabt und versucht, diese auch entsprechend zu nutzen.

 

Jetzt, mit fünf noch sehr jungen Enkelkindern zwischen vier und zehn Jahren, stellen sich mir diese Fragen erneut: Was wollen wir unseren Enkelkindern mitgeben, wobei wollen wir sie besonders unterstützen, um ihnen ein gutes Leben in Zukunft ermöglichen? Die stärkste Basis für eine seelisch gesunde Entwicklung, für Wachstum und Reife sollte die Familie bilden: die, in die sie liebevoll hineingeboren wurden, in der sie in geschütztem Rahmen Liebe, Respekt, Achtung vor Mitmenschen und der Schöpfung lernen können, gute und weniger gute Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren können. Hier werden sie idealerweise liebevolles Verzeihen ebenso lernen wie Angst und Verzicht auszuhalten, Abschied zu nehmen und loszulassen.

"Ich wünsche unseren Enkelkindern einen optimistischen Blick auf die Zukunft, auch wenn alle Zeichen auf Sturm stehen."

Ich wünsche unseren Enkelkindern, dass sie ihre Freude an kleinen Dingen bewahren und dem Immer-Größer, Immer-Besser, Immer-Mehr kritisch gegenüberstehen und sich fragen, wohin das einmal führen soll. Ich wünsche unseren Enkelkindern einen optimistischen Blick auf die Zukunft, auch wenn alle Zeichen auf Sturm stehen. Und ich meine damit, nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken, sondern selbst aktiv die Zukunft mitzugestalten und sich zu engagieren für das, was man als wichtig und richtig erachtet: Das scheint mir das Gebot der Stunde. Natürlich werden sie nicht immer Erfolg haben. Aber es gibt nichts Trostvolleres beim Scheitern als die Gewissheit, seiner Überzeugung gefolgt zu sein, nicht geschwiegen und es wenigstens versucht zu haben.

 

Ich rate unseren Enkelkindern: Informiert euch so gut ihr könnt aus unterschiedlichen Quellen, traut nicht allein den Bildern, sondern lest Zeitungen und Bücher, misstraut dem „Mainstream“, hinterfragt alles, was man euch anzupreisen versucht, forscht nach der Absicht dahinter und bleibt lebenslang so wissbegierig, wie ihr es als kleine Kinder immer wart. Handelt nach eurem Gewissen, lasst euch die Zivilcourage nicht ausreden, begegnet euren Mitmenschen mit Offenheit und Empathie. Bei allem, was ihr tut, bedenkt auch das Ende, auch euer eigenes Ende. Denn vielleicht stellt ihr euch einmal die Frage, was ihr aus euren wunderbaren Talenten gemacht habt und ob ihr die Welt ein klein wenig besser verlassen könnt, als ihr sie vorgefunden habt.

 


Dr. Gertraude Steindl

Dr. Gertraude Steindl

war von 2000 bis 2007
Generalsekretärin und von 2010 bis 2019 Präsidentin von „aktion leben“.

 

Wir Zeit-Millionäre

Von Clemens STEINDL

 

Eine große Wandtafel mit vielen Fotos unserer fünf Enkelkinder hängt bei uns zu Hause in der Küche über dem Esstisch. Die Fotos werden immer wieder aktualisiert, sodass ein lebendiges Bilderbuch entsteht und wächst. So sind wir von unseren Enkelkindern immer umgeben, die nicht bei uns wohnen, aber doch des Öfteren zu uns kommen. Da herrscht immer ausgelassene Freude und wir Großeltern sind gefordert: zum Mitspielen, zum Vorlesen, zum Geschichten-Erfinden, beim gemeinsamen Essen, bei Spaziergängen und Ausflügen, beim Entdecken, was so alles in einem Garten lebt und gedeiht. Dass unser Garten ein „Naschgarten“ ist, versteht sich von selbst.

 

Für uns ist dieses Zusammensein immer etwas Besonderes und Schönes und wir sind immer wieder dankbar, dass wir Großeltern sein dürfen und die Kinder so ein Stück mit begleiten können. Die Älteste schließt gerade die 1. Klasse des Gymnasiums ab, der Jüngste geht in den Kindergarten. Da werden wir oft gebraucht, wenn die Eltern etwas ohne Kinder zu erledigen haben, um die Kinder abzuholen oder irgendwohin zu bringen und die „Größeren“ auch mal bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Offenbar haben wir als Großeltern mehr Geduld, als wir sie als Eltern hatten – so hat es unsere Kinder sehr überrascht, wie gern die Enkelkinder unter unserer Obhut Hausübungen machen.

"Jetzt erweist sich ein großer Vorzug des Großeltern- Daseins: Großeltern sind gelassener, geduldiger, nachsichtiger, ›zuhörender‹."

Jetzt erweist sich ein großer Vorzug des Großeltern-Daseins: Großeltern sind gelassener, geduldiger, nachsichtiger, „zuhörender“. Wenn wir mit den Enkelkindern zusammen sind, konzentrieren wir uns vollständig auf sie: Sie sind unser Mittelpunkt und fast alle anderen Beschäftigungen sind Nebensache bzw. müssen warten. Es sind gute Jahre, die wir erleben, weil wir im Vergleich zum Berufsleben inzwischen zu „Zeit-Millionären“ geworden sind. Und es ist eine glückliche Fügung, dass wir im Alter noch fit und verfügbar sind. Wir sehen uns keinesfalls als Elternersatz, aber als willkommene Abwechslung und Unterstützung.

 

Aus Erziehungstipps und ungefragten Ratschlägen halten wir uns heraus. Wir sehen natürlich manches anders als unsere Kinder. Das gilt aber auch spiegelbildlich: Auch die Jungen sehen vieles anders als wir Alten. Und das ist auch gut so! Meine Schwiegermutter hat sich seinerzeit an die Haarpracht unseres Teenager-Sohnes nicht gewöhnen können und immer wieder bei meiner Frau interveniert, dass sie ihn doch zum Friseur schicken sollte. Auf ihren Einwand, sie möge doch selbst mit ihm reden und ihn zu einem Haarschnitt bewegen, stellte sie klipp und klar fest: „Das ist nicht meine Aufgabe. Ich werde es mir doch nicht mit meinem Enkelkind verderben!“ Und so sehen wir es als unsere Aufgabe, die Talente, die Kreativität, die Offenheit, die Spontanität, den sprachlichen Erfindungsgeist unserer Enkel zu fördern. Letztlich bereichert das auch unser Leben.

 


Karl Richard Essmann

Dr. Clemens Steindl

war von 2008 bis 2011 Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs.

 

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