Mag. Lukas Cioni
Redaktionsleiter / Chef vom Dienst
miteinander-Magazin
Stephansplatz 6
1010 Wien
Tel.: +43 1 516 11-1500
Sie haben eine neue Adresse? Schreiben Sie uns hier oder rufen uns unter DW 1504 an.
miteinander 11-12/2026
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich gerne die Spannungsfelder und scheinbaren Widersprüche in meinem Leben auflösen. Ich liebe Struktur, Planung und Disziplin, mein Alltag ist jedoch geprägt von ständiger Veränderung, ungeplanten Momenten und kreativem Chaos. Ich bevorzuge die Zurückgezogenheit und Stille, als Künstlerin bin ich dagegen herausgefordert, mein Innerstes nach außen zu tragen. Mein jüngstes Programm heißt „Die Stille hörbar machen“. Die Musik, die ich in meinem Inneren höre, ist aber oft laut, roh und wild.
Die Liste der Gegensätze lässt sich problemlos erweitern: Mit 20 studierte ich Geschichte und Politikwissenschaft und arbeitete zehn Jahre im Bereich Sicherheitspolitik. Dann entschied ich mich, meiner künstlerischen Spur zu folgen. Seither bin ich als freischaffende Musikerin unterwegs. Auch meine geistliche Biografie ist von vielen Stationen geprägt: evangelikal aufgewachsen, charismatisch geprägt, von Theologen unterschiedlichster Richtungen umgeben, im Herzen immer die Sehnsucht der urchristlichen Gemeinschaft tragend. Vor zwei Jahren wurde ich katholisch.
Weichen neu gestellt
Das hört sich vermutlich nach einem inkonsequenten Lebenswandel an. Für mich hat es sich lange so angefühlt. Inzwischen verstehe ich, dass die Widersprüche und Spannungsfelder, die das Leben mit sich bringt, nicht Folgen von Fehlentscheidungen sind, sondern als Wegweiser dienen, die mich immer näher zu meinem wahren Ich führen.
Wenn wir uns in einer Lebenssituation wiederfinden, die keinen Sinn mehr ergibt und alles plötzlich widersprüchlich scheint, dann stellen sich unweigerlich die Fragen: Was will ich? Was brauche ich? Was kann ich? Als Musikerin, Künstlerin und Coach begleiten mich diese Fragen schon ein Leben lang. Nach einem Totalzusammenbruch vor einigen Jahren war ich herausgefordert, die Weichen neu zu stellen. Die Entdeckungen, die ich dabei machte, waren bahnbrechend für mich.
"Musik und geschriebene Worte
sind Ausdrucksformen meiner Seele, die sich seit der Kindheit durchziehen.
Sie haben nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine spirituelle, therapeutische
und geschichtliche Komponente."
Sehnsucht nach Gott
Ich erkannte allmählich: Musik und geschriebene Worte sind Ausdrucksformen meiner Seele, die sich seit der Kindheit durchziehen. Sie haben nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine spirituelle, therapeutische und geschichtliche Komponente. Sie vereinen meine verschiedenen Anteile zu einem einzigartigen Bild. Ich bin Musikerin, Coach, Gott-Suchende und Historikerin in einer Person.
Mein Künstlername Keila (Sounds & Words of Keila) steht für „Zitadelle“ (Festung, hebräisch), Hüterin der Schlüssel (irisch) und die, die Menschen zusammenbringt (Brasilien). Alles, was ich tue, zielt auf Gemeinschaft ab. Meine Vergangenheit in den Politikwissenschaften und meine Sehnsucht, Gott zu begegnen, sind nicht zusammenhangslos. Als Christinnen und Christen sind wir heute mehr denn je herausgefordert, Mystik und Politik zu vereinen, unsere Verantwortung in der Welt wahrzunehmen und Hoffnungsträgerinnen und -träger zu sein.

Lajescha Dubler
ist Schweizer Künstlerin und als Musikerin, Produzentin und Coach im In- und Ausland tätig.