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Aus dem neuen »miteinander«

Zu wem gehörst du?

Gastbeitrag von Magdalena Collinet

Gerade junge Menschen tun sich oft schwer, sich zu Jesus oder zur Kirche mit all ihren Fehlern zugehörig zu fühlen. Dennoch leben sie ihren Glauben mit kritischer Leidenschaft. Weihnachten ist ein Moment, leichteren Herzens Ja zu sagen. Und Hoffnung schenkt der synodale Prozess.

Von Magdalena COLLINET

miteinander 11-12/2026

happy female friends hugging and celebrating Christmas

Diese Frage – im Dialekt und in leicht abgewandelter Form: „Wem ghörsch du?“ – hört man als Kind im Dorf oft bei Festen, Veranstaltungen oder Zusammenkünften der Dorfgemeinschaft. Gefragt wird dabei nach der Familie, dem Namen der Eltern oder vielleicht auch dem Hofnamen. Durch die Antwort kann der Mensch zugeordnet und womöglich auch in eine Schublade gesteckt werden. Doch dahinter steckt auch das Bedürfnis nach Zugehörigkeit – jeder Mensch gehört zu irgendjemandem, hat Menschen zur Seite, die mit ihm oder ihr durchs Leben gehen, oder etwa nicht?

Wenn Weihnachten näherrückt, werden ähnliche Fragen gestellt: Zu wem fährst du zu Weihnachten? Mit wem verbringst du die Feiertage? Zu „wem ghörsch du“ dazu? Menschen, die keine Familie (mehr) haben oder keinen Kontakt zu ihr, tun sich mit dem Antworten schwer. Ja und eigentlich – ganz eigentlich – sollten Christinnen und Christen doch antworten: Ich gehöre zu Jesus. Vor allem zu Weihnachten. Aber das klingt dann doch wieder sehr fromm und dann weiß ja auch wieder niemand, was das eigentlich bedeuten soll, oder etwa doch?

 

Weihnachtliches Bekenntnis

Wann ist für dich Weihnachten? Zu Weihnachten wird es für mich persönlich leichter, zu sagen, ja, ich gehöre zu Jesus und zur katholischen Kirche. Das hat nichts mit Kekserlduft und Weihrauch zu tun, sondern mit der biblischen Erzählung, mit dem Kind in Betlehem. Dass Gott im kleinen und unscheinbaren Kind geboren wird, ist doch jedes Jahr wieder überwältigend. Grundsätzlich wird es aber immer schwieriger, laut auszusprechen, dass man katholisch ist. Als junger, liberaler Mensch und dann auch noch als Frau, die von sich selbst behauptet, feministisch zu sein, ist es noch schwieriger. Wie kannst du zu dieser Kirche gehören (wollen), wo es da doch so viele Missstände gibt?

Das Redaktionsteam des theologischen Blogs „y-nachten.de“ – allen voran Antonia Lelle, Christoph Naglmeier-Rembeck und Franca Spies – hat 2022 ein Buch herausgegeben, das genau diese Spannung thematisiert: „Weihnachten kann erst werden, wenn …“ Wenn Machtmissbrauch und Klerikalismus nicht unter den Teppich gekehrt werden, wenn Menschen jeder geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung als gleichwürdig und gottgewollt behandelt werden, wenn Frauen ihrer Berufung innerhalb der Institution Kirche frei folgen dürfen … Ein kritischer Blick auf die Kirchen-Macht darf nicht verstummen, während mit den Engeln Jubellieder gesungen werden.

 

Ringen um kirchliche Zugehörigkeit

Wer die Weihnachtsgeschichte ernst nimmt, kann nicht umhin, sich für Menschen einzusetzen, die an Gewalt leiden, auf der Flucht sind, unter menschenunwürdigen Bedingungen leben (und Leben gebären). So der Appell in der Einleitung des Buches.

Der Blog „y-nachten.de“ möchte der „jungen, wilden“ Theologie im deutschsprachigen Raum einen Platz bieten, ihre Ideen, Gedanken und Visionen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Beiträge sind kritisch und divers, feministisch und theologisch, jung und zukunftsorientiert. Auch hier taucht immer wieder die Frage auf: Gehöre ich/gehören wir eigentlich noch dazu? Wollen wir noch dazugehören zu dieser Institution? Nicht immer folgt ein klares „Ja“ auf diese Frage.

Ist die Kirche wie eine Familie, die wir nur zu Weihnachten besuchen? Für einige (junge) Menschen ist das vielleicht so, und wenn dem so ist, ist es ihr gutes Recht. Als getaufte Christinnen und Christen sind wir schließlich nicht verpflichtet, ein Kirchengebäude oder einen Gottesdienst zu besuchen. Durch die Taufe sind wir aufgenommen in die Kirche als Glaubensgemeinschaft und als Institution – mit all ihren Fehlern. Und manchmal macht es uns diese Gemeinschaft nicht leicht! Es sind so unterschiedliche Menschen, die ihr angehören. Wenn junge Menschen in Österreich und Deutschland Reformen in der katholischen Kirche wünschen, dann wird ihnen oft erklärt, dass wir „alle mitnehmen müssen“ und nicht unseren westeuropäischen Maßstab anlegen dürfen.

"Ein kritischer Blick

auf die Kirchen-Macht darf nicht verstummen,

während mit den Engeln Jubellieder gesungen werden."

Kein Jubel ohne Fehlerkorrektur

Bei den Ergebnissen der ersten Phase des weltweiten synodalen Prozesses (2021–2024) wurde jedoch unter anderem sichtbar, dass die sogenannte „Frauenfrage“ überall ein Thema ist – nicht nur in Österreich und Deutschland. Weitere gemeinsame Kritikpunkte an der Institution sind der Klerikalismus und damit verbunden die Verteilung von Macht in der katholischen Kirche und die Strukturen von Missbrauch und Gewalt. Die Kritik, die im Rahmen des synodalen Prozesses geäußert wurde, ist nur eine Seite der Medaille. Es gab und gibt auch viel Lob und Dankbarkeit für den von Papst Franziskus eingeschlagenen Weg. Aber wir können nicht jubilierend (Stichwort: Engel singen Jubellieder) in die Zukunft gehen, ohne die Fehler der Vergangenheit und Gegenwart anzusprechen und nach Lösungen für Streitigkeiten zu suchen. Menschen, die kritisieren, sind nicht illoyal, sondern geben sich nicht gern mit scheinbar unveränderbaren Gegebenheiten zufrieden. Auch Kritik gehört dazu.

Die Menschen, bei denen ich mich zugehörig fühle, kennen mich und halten auch meine Kritik aus – und Jesus ist einer dieser Menschen.


 

Zugehörig fühlen

Magdalena Collinet

ist Leiterin des Frauenreferats der Diözese Innsbruck, Theologische Referentin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) und ehrenamtlich Redaktionsmitglied beim Theologie-Blog y-nachten. Derzeit ist sie in Elternkarenz.

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