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Wer braucht Regierungschefs?

„Was für’n Ticker ist ein Politiker, ist er wirklich so vonnöten, wie er glaubt?“, hat Georg Kreisler einmal gefragt. Eine Frage, die auch die Bibel stellt – vor allem in Bezug auf Könige.

Von Elisabeth BIRNBAUM

                                                                                                                            miteinander 11-12/2020

Austrian Parliament in Vienna

 

Dass ein König „vonnöten ist“, wird etwa von der sogenannten Jotam-Fabel im Buch der Richter (vgl. Ri 9,7ff.) klar verneint. Sie fällt über die Fähigkeiten von solchen Regierungschefs denn auch ein äußerst abschätziges Urteil: Als sich die Bäume einen König wählen wollen, lehnen die nützlichsten, edelsten und meistgeschätzten Bäume (Olivenbaum, Feigenbaum und Weinstock) ab. Sie wollen ihre sinnvolle Tätigkeit nicht aufgeben, nur „um über den anderen Bäumen zu schwanken“. König, so wird unterstellt, wird nur derjenige, der sich selbst überschätzt, nichts Sinnvolles zu tun hat und mit leeren Versprechungen oder Drohungen agiert wie der Dornbusch, der als Einziger bereit ist, die Aufgabe zu übernehmen.

 

Im Zweifelsfall schuldig

Hat man sich doch dazu durchgerungen, einen König zu akzeptieren, heißt das nicht, dass die Königswürde eine dankbare Aufgabe ist. Denn – auch das ist ein Phänomen, das biblisch und außerbiblisch anzutreffen ist – geht alles gut, wird kaum gelobt, aber passt etwas nicht, wird sofort auf „die da oben“ geschimpft. So wird die Katastrophe des babylonischen Exils sofort den Königen zur Last gelegt. Und die biblischen Propheten werden nicht müde, das auch in aller Öffentlichkeit zu betonen.

 

Umgekehrt wird von ihnen wie bei weltlichen Politikerinnen und Politikern oft zu viel verlangt, manchmal gar Unmögliches: Sie sollen klüger sein als alle anderen Menschen, ihre Gerechtigkeit muss über jeden Zweifel erhaben sein, sie sollen für volle Staatskassen sorgen, um wichtige Bautätigkeiten ausführen zu können – und sie sollen erfolgreich Kriege führen, dem Land aber gleichzeitig Frieden verschaffen. Nur einem König gelingt das in Ansätzen: dem Sohn Davids, König Salomo (vgl. 1 Kön 1–11). Er gilt als weiser „als alle anderen Menschen“, er fällt im Streit zweier Frauen um ein Kind ein gerechtes Urteil, das Land hat unter ihm Ruhe und unter seiner Regierung und dank seines Reichtums wird der Tempel von Jerusalem gebaut. Auch international ist er ein „global player“: Seine Gäste kommen sogar aus Saba.

 

Kein Fehltritt erlaubt

Und doch versagt auch er in einem wesentlichen Punkt: Er versteht in all seiner Weisheit nicht, dass es letztlich auf etwas ganz anderes ankommt, nämlich darauf, sich ohne Ausnahmen und ohne Kompromisse an Gottes Gebote zu halten. Hier begeht Salomo seinen kolossalen Fehltritt: Er heiratet zu viele und zudem die falschen Frauen, die ihn seinem Gott abspenstig machen. Er, der Tempelbauer, baut nun fremden Göttern Kultstätten. Das hat fatale Folgen: Sein Fall führt zum Zerfall Israels in zwei konkurrierende Reiche.

 

Auch wenn biblische Politikerinnen und Politiker nicht wie ihre weltlichen Kollegen auf Umfragewerte schielen und Wahlkämpfe bestehen müssen: Der Preis dafür ist, dass sie nie Erste bzw. Erster sein können. So groß ihre Macht auch zu sein scheint – über ihnen herrscht der wahre König, Gott. Und ohne ihn geht gar nichts.

 


Zur Person

Dr. Elisabeth Birnbaum ist promovierte Alttestamentlerin und seit2017 Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerkes.

►www.bibelwerk.at

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