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Biblisch-biologische Landwirte

Ökologisch wirtschaften ist heute in. Biobäurinnen und Biobauern können sich dabei auf die Bibel berufen: Denn die Kriterien für biologische Land- wirtschaft haben biblische Menschen von ihrer Erschaffung an quasi im Blut. Von Elisabeth BIRNBAUM

                                                                                                                          miteinander 10-11/2020    

 

Biblische Biobauern gibt es von Anfang an. Da ist allen voran einmal Gott. Er legt einen paradiesischen Garten an und schult einen Arbeiter ein: Adam. Vorgesehen im paradiesischen Urzustand ist lediglich die Nutzung (und der Verzehr) von Pflanzen. Da auch die Tiere als Pflanzenfresser gedacht waren, benötigt der biblische Urzeit-Biobauer auch kein tierisches Futter für seine Haustiere und kann sich auf die Produktion von veganer Nahrung beschränken.

 

Ein Herz für Tiere

Das ändert sich zwar nach der Sintflut – ab hier dürfen Menschen Fleisch essen –, aber auch das nur unter Auflagen. Nur bestimmte, „reine“ Tiere dürfen getötet werden – und auch dies nur unter strengen Auflagen und nur zum Verzehr (vgl. Lev 11). Ein guter Biobauer weiß nämlich, dass Tiere auch eine Seele haben. Adam erkennt sie als gleichwertig an, er sucht unter ihnen sogar einen Lebensgefährten und bezeichnet sie mit Namen. Nur die Frau übertrifft Tiere noch an „Ebenbürtigkeit“ (Gen 2).

 

Tiere dürfen wie die Menschen am Sabbat ruhen (Ex 20,10f.). Artgerechte Tierhaltung war also auch nach der Sintflut, als Fleischkonsum erlaubt wurde, ein Muss – allein schon, um im Land leben bleiben zu können. Nicht Fridays, sondern Saturdays for future gewissermaßen. Ruhe wurde übrigens auch dem Land zugestanden: Schon damals wusste man um die Notwendigkeit, ein Land auch einmal brachliegen zu lassen. Die biblischen Biobauern waren angehalten, alle sieben Jahre ein solches Ruhejahr für das Land einzuhalten (vgl. Lev 25,4f.).

 

Biodiversität und Artenschutz

Gott als Biobauer weiß auch um die Notwendigkeit von Biodiversität. So stellt er einen Baum, von dem es nur ein Exemplar gibt, unter Artenschutz: den Baum der Erkenntnis. Seine Früchte dürfen nicht genossen werden. Vergehen dagegen ahndet er streng (Vgl. Gen 2–3). Genauso geht er mit Wildtieren um. Auch wenn diese Tiere dem Menschen gefährlich werden könnten, werden sie von Gott in ihrem gewohnten Lebensraum gelassen und nicht zur Jagd oder gar zur Ausrottung freigegeben. „Unreine“, nicht zum Verzehr geeignete Tiere sollten tot nicht einmal berührt werden (vgl. Lev 11). Damit scheidet auch jede Nutzung ihrer Felle etc. aus.

 

Das Wichtigste für jeden biblischen Biobauern aber sind die Ehrfurcht und die Dankbarkeit für die Gaben. Letztlich verdankt sich alles Gott. Und was Biobauern in der Bibel sehr gut wissen: Wenn es ihrem Land und ihren Tieren gut gehen soll, dann ist vor allem ihr eigenes Verhalten entscheidend. Nicht so sehr ihre Anbaumethoden als vielmehr ihre Gottesbeziehung bringt Wohl oder Wehe über das Land. Die zahlreichen Heils- und Unheilsprophetien belegen: Gottes (ökologische und soziale) Regeln einzuhalten bedeutet, auch dem Land gutzutun (vgl. z. B. Hos 14). Insofern ist Biobauer bzw. Biobäuerin kein Beruf im engeren Sinn, sondern eine gemeinsame Anstrengung aller, einer globalen Krise entgegenzuwirken und die Erde zu schützen.


Zur Person

Dr. Elisabeth Birnbaum ist promovierte Alttestamentlerin und seit 2017 Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerkes.

►www.bibelwerk.at

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