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In geheimer Mission

Geheimdienstmitarbeiterinnen und -mitarbeiter leben gefährlich: Sie müssen Informationen beschaffen, Gefahren abwenden und Feinde ausschalten. Das galt bereits in der Bibel …

Von Elisabeth BIRNBAUM

                                                                                                                             miteinander 5-6/2020 

Woman in Indiana Jones style hat, London Fog overcoat and leather gloves.

 

Die bekanntesten biblischen Geheimdienstler sind die zwölf Kundschafter, die Mose ins verheißene Land Kanaan sendet, um Informationen über die wirtschaftliche und militärische Stärke der Bewohner einzuholen. Sie sind allesamt angesehene Männer ihres Stammes, aber keine geschulten Kundschafter. An ihnen zeigt sich denn auch, was passiert, wenn Einfluss die Ausbildung ersetzt. Denn die Kundschafter kommen nicht nur mit köstlichen Früchten, sondern auch mit beängstigenden Schauergeschichten zurück: Von Riesen erzählen sie und von einem Land, „das seine Bewohner auffrisst“ (Num 13,32). Statt sachlich die Volksführung zu informieren, versetzen sie das Volk in Angst und Schrecken und gefährden damit das Unternehmen „Verheißenes Land“ nachhaltig.

 

Undercover agieren

 

Die zwei von Josua ausgewählten Kundschafter sind nicht unbedingt besser geeignet. Sie werden „undercover“ nach Jericho geschickt, um die Gegebenheiten dort zu beobachten und die Inbesitznahme der Stadt vorzubereiten (Jos 2). Sie wählen ihren Stützpunkt für ihre Operation scheinbar geschickt und übernachten unauffällig bei einer Dirne. Ihre Geheimhaltungsstrategie dürfte aber wohl nicht die beste gewesen sein, denn der König von Jericho erfährt bereits wenig später sowohl ihre Identität als auch ihr Vorhaben und ihren derzeitigen Aufenthaltsort. Nur weil Rahab die Fremden vor ihrem eigenen König versteckt und für sie lügt, bleiben sie unbehelligt.

 

Weitaus geschickter agieren zwei biblische Frauen: Zum einen findet Delila als Agentin der Philister heraus, worin das Geheimnis von Simsons übergroßer Kraft besteht (Ri 16). Ihr Motiv ist Geldgier, Ihre Waffen sind Sex und beständige emotionale Erpressung. Simson wird ihr tägliches Insistieren „zum Sterben leid“ und verrät sein Geheimnis – mit bösen Folgen.

 

Vorbild für James Bond

 

Zum anderen ist da Judit, die sicher erfolgreichste biblische Geheimdienstmitarbeiterin, die zeigt, wie ein größenwahnsinniger Beherrscher der Welt besiegt werden kann (vgl. Jdt 11–13). Sie gibt sich als Überläuferin aus und erkennt sofort die Schwachstelle ihres Gegners Holofernes: sein aufgeblähtes Ego, das jeden Realitätssinn verloren hat. Ein paar klug gesetzte Worte hier, ein wenig Unterwürfigkeit da und ein wenig Schmeicheln dort reichen aus: Nicht im Traum denkt Holofernes daran, dass ihn eine Frau überlisten könnte. Er verrät ihr seine Kriegspläne, lässt sich von ihr beraten und betrinkt sich in Vorfreude auf seine beabsichtigte Vergewaltigung so sehr, dass er auf seinem Bett einschläft. Judit muss nur noch mit dem praktischerweise am Bettpfosten hängenden Schwert zuschlagen. Die Gefahr für Betulia und die Welt ist gebannt.

 

Die Gerüchte, dass irgendwann einmal James Bond von einer Frau verkörpert werden könnte, halten sich hartnäckig. Wenn dem einmal so sein sollte: In Judit fänden die Drehbuchschreiber ein perfektes Vorbild.


Zur Person

Dr. Elisabeth Birnbaum ist promovierte Alttestamentlerin und seit 2017 Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerkes.

►www.bibelwerk.at

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