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Consulter Gottes

Die Propheten nehmen in der Bibel jene Position ein, die heute von Consultern innehaben: Sie beraten das „Unternehmen Gottesvolk“ und weisen auf Missstände hin.

Von Elisabeth BIRNBAUM

                                                                                                                            miteinander 1-2/2020

Shot of a call centre agent working in an office

 

Die Arbeit eines Consulters beinhaltet Unternehmensentwicklung und Personalmanagement. Consulter müssen dazu vor allem Einblick in den Zustand des Unternehmens haben und erkennen, wohin sich das Unternehmen aktuell entwickelt. Und sie müssen eine (meist konträr aussehende) Vision haben, wohin es sich stattdessen entwickeln sollte. Keine leichte Aufgabe.

 

Consulter gibt es auch in der Bibel. Dort werden sie meist „Propheten“ genannt. Sie stehen dem „Unternehmen Gottesvolk“ beratend zur Seite. Einblick und Visionen haben die biblischen Consulter genug: Sie kommunizieren beides auch sehr deutlich. Unbequeme Wahrheiten werden ebenso deutlich gesagt wie Wege aus dem Dilemma. Sehr oft müssen sie dabei dem Chef des Unternehmens sagen, dass er selbst das Problem ist.

 

Prophetische Einsprüche

 

Daniel zum Beispiel berät einen äußerst verantwortungslosen und willkürlich agierenden Unternehmenschef namens Belschazzar. Dessen Problem ist, dass er die Zeichen der Zeit nicht deuten kann, auch wenn sie ihm genau vor Augen stehen. Daniel muss ihm erst erklären, dass er als Leiter untragbar geworden ist, quasi gewogen und für zu leicht befunden (vgl. Dan 5,25).

 

Viele Consulter, wie zum Beispiel Jesaja, kommen zum Schluss, dass Ungerechtigkeit und Unterdrückung in einem Unternehmen langfristig kontraproduktiv sind. Aber wie bringt man das der Führungsriege bei? Jesaja verwendet wie viele andere biblische Consulter auch die Parabel als Mittel: Er verpackt seine Kritik ins Bild eines Weinbergs, in den viel investiert wurde und der trotzdem nur enttäuschenden Ertrag bringt (Jes 5). Aus Unternehmerperspektive lautet die einzig sinnvolle Reaktion darauf: das Projekt Weinberg abzubrechen. Und genau das, so die Pointe des Jesaja, droht der Führungsriege, die trotz ihrer horrenden Gehälter nur Korruption und Ausbeutung produzieren.

 

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So unbequem solche Wahrheiten sind, es lohnt sich auf die biblischen Consulter zu hören. König Ahab etwa hat 400 Berater um sich, die ihm alle die besten Prognosen für seine weiteren Vorhaben geben. Nur Micha sieht die bösen Folgen. Doch Ahab hält sich für klüger als sein Consulter – und bezahlt mit seinem Leben (vgl. 1 Kön 22).

 

Ein Unterschied zwischen modernen und biblischen Consultern besteht vor allem darin, dass Propheten ihren Rat ohne Bezahlung, ja sogar ohne angefragt worden zu sein, geben. Und obwohl das doch eine immense Geldersparnis bedeutet, rechnet man es ihnen nicht immer hoch an. Manche, wie Jeremia, werden sogar gemobbt und bedroht.

 

Der Hauptunterschied zwischen biblischen und heutigen Consultern aber ist, dass ihre Visionen nicht nur das Unternehmen im Blick haben, sondern das Große, das Gesamte. Denn ihre Fähigkeiten haben sie von ganz oben. Unermüdlich versuchen die biblischen Consulter deshalb ihre Klienten davon zu überzeugen, dass Unterdrückung, Ausbeutung oder Ungerechtigkeit für Unternehmen längerfristig zum Zusammenbruch führen.

 

Wie es stattdessen geht, sagen sie auch – und das ist durchaus kein Geheimwissen, im Gegenteil: Jede und jeder könnte sehr einfach das richtige Know-how lernen, denn es gibt dazu ein unübertroffenes Benutzerhandbuch namens Tora.

 


Zur Person

Dr. Elisabeth Birnbaum ist promovierte Alttestamentlerin und seit 2017 Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerkes.

►www.bibelwerk.at

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