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Von Veilchen und Flieder

Neue Serie: Bunter Glaube

Freud und Leid liegen oft nah beieinander. Das zeigt auch die Farbe Violett mit ihrer ambivalenten Bedeutung.

Von Daniel SEPER

miteinander 11-12/2025

miteinander-Magazin 7-8/25

Auch wenn man es heute kaum mehr merkt: Der Advent ist eine Fastenzeit. So wie die Große Fastenzeit auf Ostern vorbereitet, wollen auch die Wochen vor Weihnachten auf das Fest der Menschwerdung Christi hinführen. Früher noch stärker als Bußzeit begangen, wurde im Advent wie in der 40-tägigen Quadragesima vor Ostern gefastet. Wenn der Advent heute mehr als vor-weihnachtliche Zeit verstanden wird und mit entsprechenden Märkten und Feiern Weihnachten vielerorts schon vor-gefeiert wird, geht diese ursprüngliche Prägung in der allgemeinen Wahrnehmung heute verloren. Mit dem Christtag haben dann viele schon genug vom Feiern, obwohl die eigentliche Festzeit erst beginnt. Verzichtet wird heute nur mehr auf das Halleluja in der Messe. Die Verbindung von Advent- und Fastenzeit zeigt sich jedoch noch in einem kleinen, aber feinen Detail, nämlich der liturgischen Farbe dieser Zeiten.


Ankunft und Wiederkunft
Beide geprägte Zeiten, die ihren Sinn von den Hochfesten, zu denen sie hinführen, erlangen, verbindet die Farbe Violett. Sie steht in der katholischen Kirche nicht nur für Erwartung, sondern eben auch für Besinnung, Umkehr und Buße. Diese Ambivalenz zwischen Freude und Reue prägt den Advent, der nicht nur auf die Feier der Ankunft des lieblichen Jesus-Kindes im Stall von Bethlehem vorbereitet, sondern ebenso auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten. Die liturgische Farbe Violett wird außerdem bei Buß- und Trauergottesdiensten sowie bei der Beichte getragen, bei Messen für Verstorbene und beim Begräbnis sowie zu Allerseelen. Hier hat Violett weitgehend die Farbe Schwarz verdrängt, die in der Kirche traditionell für Trauer und Tod stand, im profanen Bereich aber auch vornehme Festlichkeit ausdrückt.


Bischöfliches Violett
Apropos vornehm. Die Färbung der Kleidung zeigt in der katholischen Kirche seit alters her den Rang von Würdenträgern an. Erkennt man den Papst noch relativ einfach an seiner weißen Soutane, so unterscheiden sich Kardinäle von Bischöfen durch ihr unterschiedlich gefärbtes Scheitelkäppchen. Der Insider weiß so, dass rot gekleidete Geistliche im Kardinalsstand sind, während Bischöfe an ihrer violetten Kleidung identifiziert werden können. Unterscheidet die kirchliche Hierarchie hier klar, ist es in Bezug auf deren Farbe nicht mehr so eindeutig. Wenn nämlich Kardinäle als Purpurträger bezeichnet werden, sind – farblich gesehen – die Grenzen zum Bischof fließend. Der schon vor Jahrtausenden aus einem Sekret der Purpurschnecke gewonnene kostbare Farbstoff reicht von gesättigtem Rotviolett bis zu prächtigem Violettrot. Die Bezeichnung „Purpurträger“ lässt sich auf den Purpurmantel zurückführen, den der Papst früher seinen höchsten Würdenträgern verliehen hat. Dieser erinnert nicht nur an die Würde des Kaisers, sondern gleichzeitig an den Mantel, der Jesus zum Hohn vor seiner Kreuzigung umgelegt wurde.


Übergang
Die Farbe Violett selbst entzieht sich eindeutiger Zuordnung. Wird sie allgemein oft synonym mit Lila verwendet, handelt es sich genau genommen um zwei unterschiedliche Farben. Die Veilchenfarbe Violett (von lat. viola) ist als Teil des Lichtspektrums eine sogenannte echte Farbe, während die Fliederfarbe Lila (von frz. lilas) durch die Mischung von Rot und Blau entsteht. In der Liturgie wird da nicht so genau unterschieden und Violett als Farbe des Übergangs vom dunklen Blau zum hellen Rot gedeutet, die für Verwandlung und Neubeginn nach Advent und Fastenzeit, aber auch nach diesem Leben steht.

 


miteinander-Magazin 7-8/25

Dr. Daniel Seper
ist Professor für Religionspädagogik an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich und Redaktionsmitglied des miteinander-Magazins.

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