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Rot sehen

Bunter Glaube

Der Eyecatcher unter den liturgischen Farben lässt niemanden kalt: Rot steht für die Liebe, die bis zum Tod geht.
Von Daniel SEPER

miteinander 3-4/2026

miteinander-Magazin 1-2/26

STOPP! Die Farbe Rot ist im Straßenverkehr nicht zu übersehen, sei es auf der Ampel oder am Stoppschild. Wegen ihrer Signalwirkung wird sie bewusst eingesetzt, um aufmerksam zu machen und auf Gefahren hinzuweisen. Gleichzeitig steht sie für Liebe und Leidenschaft – auf den ersten Blick ein Gegensatz. Rot lässt niemanden kalt: Es polarisiert, entweder man liebt oder hasst die Farbe. Sie steht aber auch für Wärme. Rot ist der Eyecatcher unter den Farben schlechthin.


Blut und Feuer
Ein ähnlich weites Bedeutungsspektrum tut sich im religiösen Bereich auf: Auch hier steht Rot für Gefahr und im übertragenen Sinn für die Sünde. So wurde in der Kunst aus der verbotenen Frucht im Paradies auch der verlockend rote Apfel. Und das Essen davon ließ Adam und Eva vor Scham erröten. Im Neuen Testament begegnet uns die Farbe wieder, steht aber genau für das Gegenteil, die Überwindung der Sünde durch das Blut, das Christus am Kreuz vergossen hat. Und dann noch einmal, als sich die Jünger nach Ostern versammelten und der Heilige Geist in Form von Feuerzungen auf sie herabkam. Hier steht Rot nicht für die Gefahr, die mit dem Feuer sonst einhergeht, sondern für Begeisterung und Kraft, die Christen zum mutigen Zeugnis

befähigen soll.
Der christliche Gottesdienst greift die vielfältigen Facetten der Farbe Rot auf und führt sie zusammen. Wenn daher Rot als liturgische Farbe vorgesehen ist, kann dies ganz unterschiedliche Feste anzeigen. Am Palmsonntag und am Karfreitag verweist Rot auf die Passion Jesu, auf sein Leiden. Als Farbe des Blutes macht sie auch auf die Feste der Märtyrer und Apostel aufmerksam, die mit ihrem Blut für den Glauben Zeugnis abgelegt haben. Am Ende der österlichen Festzeit, zu Pfingsten, verwandelt sich das Rot des Blutes zum leuchtenden Feuerrot, das für den Heiligen Geist steht. Nach dem Tod nun die pure Lebenskraft. Zugleich verbindet Rot auch diese ganz unterschiedlichen Anlässe, nämlich als Farbe der Liebe, die hier sowohl vor Ostern als auch zu Pfingsten ihren ganz eigenen Ausdruck findet.


Macht und Reichtum
Vom orange angehauchten Scharlachrot bis zum dunklen Weinrot erstrecken sich die Farbnuancen. Allen gemeinsam ist, dass sie für Kostbarkeit und Schönheit stehen. In der Alchimie durchwandert Materie verschiedene farblich bestimmte Phasen, die mit der Schwärzung beginnen, über die Weißung und Gelbfärbung reichen und zur Rotfärbung, der letzten und höchsten Stufe alchimistischer Kunst vor dem Ziel, der im sogenannten Stein der Weisen gesehen wird, führen. Der teure, von den Purpurschnecken gewonnene Farbstoff steht für Macht und Reichtum – je mehr von ihm eingesetzt wurde, desto teurer und kräftiger das Rot. Bei Kardinälen soll die rote Farbe aber nicht nur die Würde ihres Amtes unterstreichen, sondern auch auf ihre Bereitschaft hinweisen, für den christlichen Glauben bis zum Vergießen des eigenen Blutes einzustehen.


Auch den Päpsten schaut man neuerdings vermehrt auf ihre Farbakzente. Franziskus wurde für seine orthopädische Schuhe in Schwarz ob seiner Bescheidenheit gelobt und sein Vorgänger Benedikt XVI. für seine roten Lederschuhe Eitelkeit vorgeworfen. Dabei übersieht man die Symbolik. Päpstliche Schuhe waren nämlich traditionell rot – in Erinnerung an den Märtyrer-Tod des Apostels Petrus. Leo XIV. setzt auf Kontinuität zu seinen beiden Vorgängern: Er trägt elegante Schuhe in Schwarz.

 


miteinander-Magazin 1-2/26

Dr. Daniel Seper
ist Professor für Religionspädagogik an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich und Redaktionsmitglied des miteinander-Magazins.

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