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Hort und Sehnsuchtsort

Von Chefredakteur Henning Klingen

Es gibt wohl nichts Anstrengenderes als Kinder. Man schläft kaum mehr durch, sie fordern ständige Aufmerksamkeit, Müßiggang wird zum Fremdwort – und von Kinderlosen wird man im besten Fall belächelt, wenn man mit bekleckerter Kleidung ins Büro kommt. Warum also überhaupt Kinder? Warum Familie? Tatsächlich ist wohl kaum ein Thema so aufgeladen mit Hoffnungen, Erwartungen, aber auch mit erlebten Enttäuschungen und Frustrationen wie die Familie. Die Politik weitet den Familienbegriff unter dem Druck des Gleichstellungsgrundsatzes bis zur Unkenntlichkeit aus; der Wirtschaft sind Familien eine Last, da sie Arbeitskraft häuslich binden und damit Kosten verursachen – und selbst die Kirche scheint in Fragen der Familie weitgehend ihre Stimme verloren zu haben.

So demonstriert der Weg einer familienpastoralen Neuausrichtung vor allem eines: die Uneinigkeit bis in die theologische Spitze hinein. Im Prozess der "Familiensynode" (siehe Seiten 6, 7) reiben sich "konservative" und "liberale" Kräfte auf: Während die einen bei jeder Handreichung für getrennte Ehepaare gleich eine Abkehr von der Unauflöslichkeit der Ehe fürchten, hoffen die anderen auf eine tiefgreifende Schubumkehr in der kirchlichen Lehre insgesamt.

Beobachtet man diese Diskussionen einmal aus der Distanz einer weitgehend religiös unmusikalischen Öffentlichkeit, so wird das ganze Drama der innerkirchlichen Debatte deutlich: Sie wird von der Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr verstanden oder – noch schlimmer – als irrelevant abgetan. Will Kirche ihre Sprachfähigkeit in Fragen der Familie wieder gewinnen, muss sie demütig ganz "unten" neu ansetzen: Bei den Fragen, die Menschen heute umtreiben, wenn sie das Abenteuer Familie wagen – auch ganz ohne den hehren Anspruch, "christliche" Familie zu sein. Denn in die Krise gerät nicht Familie als Institution, sondern immer nur Individuen – Väter, Mütter, Kinder. Weil sie überfordert sind vom Alltag, der oftmals so banal und unpathetisch ist wie Windel-Wechseln. Weil der Spagat aus hohen Erwartungen und beruflicher Belastung sie zu zerreißen droht.

Ihnen muss Kirche den Rücken stärken – ohne gleich maßregelnd Verfehlungen zu kritisieren. Wohlwollend die Arme öffnend, orientiert am Idealbild, aber barmherzig in der Grundhaltung. Denn Familie ist dort, wo Kinder sind. Kinder machen Paare zu Familien, wandeln Freiheit in Geborgenheit, geben der rastlosen Seele Heimat. Beziehungen mögen vergehen, Ehen scheitern – Eltern bleibt man ein Leben lang. Und Kind auch. Kurz: Das Leben wird intensiver, dichter und geschmackvoller durch Kinder. Das gilt es kirchlich neu in den Blick zu nehmen – und vorurteilslos wertzuschätzen.

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