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Aus der Welt gefallen

Von Chefredakteur Henning Klingen

Mit der Barmherzigkeit ist es so eine Sache. Wer nickt nicht eifrig und zustimmend, wenn man sie einfordert? Aber wenn es konkret wird, weiß kaum jemand etwas mit dem Begriff anzufangen. Wann ist man barmherzig? Wenn man bei Verfehlungen ein Auge zudrückt? Oder – groß gedacht – wenn man als Land Barrieren für Flüchtlinge abbaut? Hat das überhaupt was mit Barmherzigkeit zu tun – oder vielleicht doch eher etwas mit Gerechtigkeit und Rechten, Menschen-Rechten?

Ebenso aus der Welt gefallen klingen die verwandten Worte Gnade und Güte. Dabei kreisen sie um das gleiche Phänomen, nämlich das Mysterium Gottes, der nicht nur gleichsam statisch im Stile der griechischen Philosophie als der Ewige, Unveränderliche gedacht wird, sondern als Gott, der sich auf den Menschen und dessen Geschichte einlässt, der veränderlich, dynamisch und letzten Endes für uns ansprechbar ist. Denn nur dann ergeben Barmherzigkeit, Güte und Gnade Sinn: Wenn Gott diese Welt nicht egal ist, wenn man ihn im Gebet anrufen kann, auf dass er sich dieser Welt erbarme. Und so meint Barmherzigkeit keineswegs eine spirituelle Hängematte, in der man sich gemütlich zurücklegen kann, im Gegenteil: Wer von der Barmherzigkeit Gottes spricht, darf von gelebter Barmherzigkeit, vom Tun des Gerechten nicht schweigen. Denn barmherzig handelt, wer sich seines Nächsten erbarmt, das heißt, wer sich seiner annimmt, ihn ganz annimmt. Barmherzigkeit hat daher nichts mit Gefühlsduselei zu tun, sondern viel damit, dass ich meinen Nächsten ernst nehme in seinen Sorgen, Ängsten und Nöten. So erinnert der Begriff Barmherzigkeit uns letztlich daran, dass Gerechtigkeit allein nicht genug ist.

Nichts anderes meint im Übrigen auch Papst Franziskus in seiner Bulle zur Ankündigung des kommenden „Jahres der Barmherzigkeit“, wenn er schreibt, dass Liebe „nie ein abstrakter Begriff“ bleiben dürfe, sondern sich im Handeln bewähren müsse. Doch Franziskus wäre nicht Franziskus, wenn er bei der individuell gelebten Barmherzigkeit stehen bliebe. Nein, er auferlegt der Kirche zugleich, in ihrem pastoralen, also seelsorglichen Handeln Barmherzigkeit walten zu lassen, ja, zärtlich in ihrem Umgang mit den Gläubigen zu sein.

Aussagen, die nicht zuletzt die Hoffnungen und Fantasien jener anstacheln, die von der kommenden Familiensynode geradezu umwälzende Ergebnisse – etwa im Blick auf den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene – erwarten und die daher den Synodenvätern zurufen wollen: „Seid barmherzig!“

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