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Gott und der Welt trotzen

Von Chefredakteur Henning Klingen

"Alles wird gut" – mit diesem Zuspruch pflegt man für gewöhnlich verängstigte Kinder zu beruhigen, ihnen Mut zuzusprechen. Manchmal vielleicht gar wider besseres Wissen. Gänzlich banalisiert wurde die Floskel, als die deutsche Moderatorin Nina Ruge ihr Boulevardmagazin "Leute heute" mit eben diesen Worten beendete. In der Welt der Stars und Sternchen mag es zutreffen, dass alles gut wird. Aber im "normalen" Leben? Da gehört schon eine gehörige Portion, nunja, eben Gottvertrauen dazu, diesen Optimismus zu teilen. Ein Blick auf die aktuelle Meldungslage erzählt nämlich eine andere Geschichte: Unkalkulierbare Terrorakte fordern nicht unschuldige Opfer, sie rütteln auch am Urvertrauen des Menschen. Wo Schrecken und Angst herrschen, fällt Vertrauen schwer.

Gewiss, Gottvertrauen meint kein blindes, kein fatalistisches Vertrauen. Wer auf Gott hofft, auf ihn vertraut, der baut sein Haus nicht auf Sand. Schließlich stellt er sich in einen breiten Strom an Erfahrungen. Durch Generationen geronnene, kristalline Hoffnung. Solche erfahrungssatte Hoffnung ist jedoch nicht situationsblind. Bestes Bespiel dafür ist der an dieser Stelle schon häufiger zitierte Dietrich Bonhoeffer. Wenn er in aussichtsloser Lage der Nazi-Haft zu seinem Lobpreis "Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag" anhebt, so ist dies kein Ausdruck der Schicksalsergebenheit, sondern des Trotzes. Die Welt soll schön, von guten Mächten wunderbar geborgen, voller Hoffnung sein – gerade weil sie dies nicht ist!

Anders gesagt: Wer auf Gott vertraut, ist ver-rückt. Auf Gott vertrauen – auch biblisch – die Ent-rückten. So wie Hiob. Ihm wird alles genommen. Und doch hält er an Gott fest. Nicht aus Dummheit, nicht aus Naivität. Sondern aus Widerstand. Aus Trotz gegen die Welt und letztlich gar gegen Gott selbst. Wenn Gott ihn schon verlässt, so wird er es nicht sein, der Gott verlässt. Der biblische Ruf lautet daher: Trotzen wir Gott, trotzen wir der Welt Vertrauen ab!

Was gibt neues Vertrauen, wenn eben dieses zerrüttet ist? Tatsächlich kann man tiefes Vertrauen nicht "erarbeiten". Man muss es sich schenken lassen. Vom anderen, von anderen. Eltern wissen darum. Ihre Kinder vertrauen ihnen. Blind. Sie vertrauen darauf, dass die Welt "gut" ist, dass das Leben "gut" ist. Urvertrauen und Gottvertrauen –hier fallen sie untrennbar ineinander. Und da ist es dann vielleicht auch gerechtfertigt, die eigenen Kinder mit einem schlichten "Alles wird gut" zu trösten.

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