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Angst essen Seele auf

von Chefredakteur Henning Klingen

In unserem Kleiderschrank versteckt sich ein Wolf. Zumindest abends, wenn es dunkel wird. Davon ist meine Tochter überzeugt. Kein gemeinsames Schrank-Öffnen, keine Beteuerung, dass darin nur Wäsche hängt, kann ihr in den Momenten die Angst nehmen. Denn Angst ist fast immer irrational – und eine gewaltige Kraft, die unser sonst so auf Sicherheit bedachtes Leben aus den Fugen geraten lässt. Angst essen Seele auf. Appelle, Erklärungen, Versprechen – all das bringt nichts, wenn sich einmal die Angst hineingefressen hat in unser Herz. Das gilt im Kinderzimmer, aber auch im öffentlichen Leben.

Tatsächlich scheint das zeitdiganostische Zentralmotiv der letzten Jahre – das Wort "Krise" – inzwischen ein Geschwisterchen bekommen zu haben – die Angst: Wir fürchten uns vor Arbeitslosigkeit, vor dem sozialen Abstieg, vor dem Krieg, manch einer fürchtet sich vor dem Fremden – sei es in Gestalt des Flüchtlings oder in Gestalt des Islam. Wo diese Angst keine Ausdrucksform findet, da sucht sie nicht selten ein Ventil in Form von Gewalt.

Es ist das Wesen dieser Angst, gegen Vernunft und Argumente immun zu sein. Ich kann mir noch so oft sagen, dass Darth Vader eine Fantasiegestalt in einem absurden Science-Fiction-Film ist – wenn düstere Musik und seine tiefschwarze Maske zusammenkommen, schaudert’s mich jedes Mal. Solche Urängste schlummern in uns allen – und sie haben auch ihr Gutes, denn sie raten zur Vorsicht, zur Flucht statt zu einem vielleicht aussichtslosen Kampf. Letztlich kann Angst somit auch der doppelte Boden der Vernunft sein: die Stimme der Vernunft jenseits unseres Verstandes.

Und die Bibel? Die Kirche? Der Papst? Sie alle appellieren in unterschiedlichen Schattierungen, mutig zu sein, nicht zu verzagen. Aber machen Appelle dieser Art Sinn, wenn die Angst sich bereits tief in unsere Herzen und Seelen gegraben hat? Ja, es macht Sinn. Denn die biblische Religion bleibt nicht beim bloßen Appell stehen. Sie weist einen Weg aus der Angst, der gleichsam ein Weg mitten ins Leben hinein ist: Es sind dies Nähe, Zärtlichkeit, Liebe.

"Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott", heißt es beim Propheten Jesaja. Angst wird nicht bagatellisiert, sie wird geteilt! "Ich bin mit dir" – ein revolutionäres Sozialprogramm gegen Angst und Aggression. Gewiss, das macht Angst nicht wett, aber es hilft, sie zu ertragen, sie gemeinsam zu schultern. Nichts anderes fordert meine Tochter ein, wenn wieder mal der Wolf an der Schranktür kratzt: "Papa, bleib bei mir."

 

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