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Fremde Heimat

von Chefredakteur Henning Klingen

Fremde Heimat

 

Seit 15 Jahren lebe ich nun in Österreich. Und noch immer sind Erdäpfel bei mir Kartoffel und Paradeiser Tomaten. Das Herz schlägt niederrheinisch, Erinnerungen, Freundschaften und Familie lenken meine Gedanken weiterhin häufig weg von hier – und auch mein Blick auf Österreich bleibt wohl immer ein Blick „von außen“. Bin ich damit schon ein Integrationsverweigerer? Nein, ich würde eher sagen: Ich ringe mit Heimat – mit der vergangenen wie mit der gegenwärtigen. Sie ist mir oft mehr Erinnerung, der Geschmack von Kindheit und Sorglosigkeit, vom klar umrissenen Planquadrat jugendlicher Bewegungsfreiheit zu Rad und zu Fuß. Wenn ich heute in Österreich neue Heimat gefunden habe, bedeutet das immer auch, sie ein stückweit für mich zu er-finden. Immer bleibt das Neue ein wenig fremd, nur Näherungswert.

 

Ein weiteres Schlaglicht: Zu den schwierigsten Aufgaben im redaktionellen Alltag zählt es, ein passendes Bild für das Cover einer Zeitschrift – etwa das „miteinander“ – zu finden. Es soll neugierig machen, das Thema bereits verraten und im Idealfall eine kleine Irritation oder Brechung beinhalten. Wenn man dazu in professionellen Bildergalerien nach dem Stichwort „Heimat“ sucht, wird man rasch fündig – und staunt: Seitenweise werden Fotos von Häusern am Land angeboten. Heimat, verkitscht nicht zur Bergidylle, sondern zum Traum vom Eigenheim. Dazwischen lächelnde Zwei-Kind-Familien. Klein ist er geworden, unser zu Bildern geronnener Traum von Heimat. Und wohl auch entsprechend anfällig für den (politischen) Missbrauch.

 

Und zuletzt: Religion. Es gehört zum Standard-Repertoire kirchlicher Sonntagsreden, Religion in den Kontext von Heimat zu stellen. Nicht selten verbandelt mit dem unseligen Begriff einer (von einigen wohl mehr herbeigesehnten denn tatsächlich vorhandenen) „Leitkultur“. Doch bietet Religion Heimat? Taugt sie – konkret: das Christentum in seiner jeweiligen volkskulturellen Ausprägung – als Bollwerk gegen die kalten Zeitläufte, die uns Heimat zwischen den Fingern zerrinnen lassen? Ich zweifle. Denn theologisch ist gerade das Christentum die Religion der Heimatlosigkeit: das Wüstenvolk auf permanenter Wanderschaft – Heimat einzig als Vision vom Land, in dem Milch und Honig fließen. Rastlos, ständig herausgefordert, Heimat neu zu finden und zu erfinden – dabei jedoch stets im Bewusstsein, dass Heimat nicht von Haben kommt, sondern von einer Vision, die – einem Wort Ernst Blochs zufolge – jedem in die Kindheit scheint, wo aber noch niemand war …

 

 

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