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Um Gottes willen!

Letzter Teil der Serie: Entscheide und wähle

 

Die Architektur einer guten Entscheidung kennt eine dreifache Aufmerksamkeit: auf die eigenen Stärken und Grenzen, die eigenen Ziele und Werte und auf die konkrete Wirklichkeit. Von Sr. Melanie WOLFERS SDS

                                                                                                                       miteinander 11-12/2021

 

Ich stehe vor einer Entscheidung und weiß einfach nicht, was im Sinne Gottes ist. Wie kann ich den Willen Gottes erkennen?“ Diese Frage hat mir vor einiger Zeit eine junge Erwachsene gestellt. Viele verbinden mit der Rede vom „Willen Gottes“ die Vorstellung, Gott habe für jede Person ein fertiges Lebensmanuskript entworfen, das man nun möglichst wortgetreu nachsprechen solle. Aber diese Vorstellung entspricht nicht dem biblischen Gottesbild. Denn der Gott Jesu Christi will einen freien Menschen, der verantwortlich entscheiden kann.

 

Um eine Entscheidung verantwortet treffen zu können, braucht es eine dreifache Aufmerksamkeit: auf die eigenen Stärken und Grenzen; auf die eigenen Ziele, Wünsche und Werte; und auf die konkrete Wirklichkeit mit ihren Anforderungen und Möglichkeiten. Diese drei Aspekte behalten in einem vom Glauben getragenen Entscheidungsprozess natürlich ihre Gültigkeit. Ja, aus Sicht der jüdisch-christlichen Tradition haben die drei Pole einer tragfähigen Entscheidung eine zentrale Bedeutung. Denn in ihnen bringt sich Gott zu Gehör.


Thesenhaft auf den Punkt gebracht: Respektieren wir die Koordinaten unseres Daseins – unsere Begabungen und Grenzen –, dann achten wir zugleich das Leben selbst. Biblisch gesprochen: Respektieren wir uns selbst, dann achten wir zugleich den Schöpfer, der ein Freund des Lebens ist und ein Leben in Fülle für alle will (vgl. Joh 10,10ff.). Nach dem Willen Gottes fragen, heißt also, nach dem eigenen Können zu fragen.


Auf die Sehnsucht achten


Auf die zweite „Erkenntnisquelle“ weist die Mystikerin Teresa von Ávila pointiert hin: „Wer nicht weiß, was er will, weiß auch nicht, was Gott von ihm will.“ Welch eine kühne Aussage! Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Sehnsucht des Menschen. In der Sehnsucht drückt sich eine göttliche Kraft aus – der Heilige Geist –, die jeden Menschen beseelt. Wie ein Kompass zeigt sie den Weg zum erfüllten Leben an. Nach dem Willen Gottes fragen, heißt also, nach der eigenen Sehnsucht zu fragen. Nach dem, was ich wirklich will.


Und schließlich gilt es, die konkreten, „zufälligen“ Ereignissen und Begegnungen im Alltag in den Blick zu nehmen. Denn das ganz normale menschliche Leben ist das bevorzugte Gelände, in dem sich Gottes Spuren finden lassen. Ob in der Schönheit der Natur, bei einer Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit, in der Not eines Menschen, in einem Wort der Bibel … – in all dem tritt ein göttlicher Anspruch entgegen. Nach dem Willen Gottes fragen, heißt also, nach dem zu fragen, was jetzt dran ist.


Das Betrachten der Person Jesu und das Hören der kirchlichen Traditionen kann das Gespür schärfen für das, was hier und jetzt mehr der Gerechtigkeit und Liebe entspricht. Und darin – in Gerechtigkeit und Liebe – liegen aus Glaubenssicht die entscheidenden Kriterien! Geht einer Person in ihrem Abwägen und Beten auf, was in ihrer speziellen Situation die passendere Entscheidung ist, dann kann und soll sie sich auf ihre innere Stimme verlassen. Auf ihr Gewissen.

 

 


Buchtipp

Sr. Melanie Wolfers, Entscheide dich und lebe! Von der Kunst,

eine kluge Wahl zu treffen, bene! Verlag 2. Auflage 2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Melanie Wolfers

ist Philosophin und Theologin und eine der bekanntesten christlichen Autorinnen im deutschsprachigen Bereich. Seit Neuestem
veröffentlicht sie den Podcast GANZ
SCHÖN MUTIG, zu finden überall, wo es
Podcasts gibt und auf ihrer Homepage.

 

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