Mag. Lukas Cioni
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miteinander-Magazin
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Ist das Christentum politisch? Sollen sich Christinnen und Christen auf Grundlage des Glaubens in die Politik einmischen? Ja – und ja! Warum ist es dann ein Problem, wenn Politiker sagen, sie wollen den Staat den Regeln der (katholischen) Kirche unterwerfen, wie etwa in Ungarn oder den USA? Die politische Sphäre funktioniert anders als die religiöse.
Im Politischen zählen Aushandlung, die Macht des Kompromisses und das Zusammenspiel unterschiedlicher Meinungen (zumindest in einer Demokratie). Gruppen mit verschiedenen ideologischen Hintergründen treten in einen Aushandlungsprozess, für ein konkretes Ziel (etwa Steuergerechtigkeit, Bildungssystem, Bauprojekte). In der religiösen Sphäre leitet uns die Idee einer besseren Welt mit einem Ewigkeitsanspruch, die den vollen Einsatz des ganzen Menschen verlangt. Auf dem Weg zum Ziel (Himmel, Wiedergeburt, Nirwana) gibt es keine Kompromisse. Wenn man dieses Denken auf die Politik überträgt, ist es keine Demokratie mehr, sondern in ihrem Absolutheitsanspruch mit Zugriff auf den Menschen eine Diktatur.
Politik, die sich auf das Christentum beruft, kippt in starre Ideologie mit klarem Freund-Feind-Schema. Damit wird Religion politisch instrumentalisiert. Es ist richtig und wichtig, dass die religiösen Institutionen – wie Kirche als Organisation oder religiöse Gemeinschaften – Einfluss auf die Politik nehmen. Aber immer anerkennend, dass Politik anders funktioniert als Religion.

Dr. Katharina Renner
ist Theologin und Soziologin. Sie arbeitet bei der Caritas der Erzdiözese Wien und ist zudem Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Österreich (www.kaoe.at). Ab sofort schreibt sie an dieser Stelle als unsere neue miteinander-Kolumnistin anstelle von Ingeborg Schödl.