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Das Leben gibt´s nicht ohne Regen

Die Österreichische Musikerin Ina Regen im Gespräch über Verletzlichkeit

Ina Regen ist eine der bekanntesten Sängerinnen Österreichs. Mit dem Erfolg stellen sich ihr auch die großen Fragen neu: Wer bin ich? Wer kann ich sein? Was will ich tun? Ein miteinander-Gespräch über Verletzlichkeit. Von Lisa HUBER.

miteinander 3-4/2022

Musikerin Ina Regen

 

Frau Regen, Ihre Musik erzählt vom Leben, von tiefen Sehnsüchten und großen Ängsten. Erzählt sie auch von Ihnen?

 

Mitte 20 stellte ich fest, dass ich mich im Kreis drehe. Ich suchte etwas, das mir fehlte. Es waren schicksalhafte Jahre, in denen viel von meinem Leben weggebrochen ist: eine lange Beziehung beendet, ein wichtiger Mensch verstorben, berufliches Glück aufgelöst. Wenn du das Gefühl hast, dass alles in Trümmern liegt, und du weißt, du musst von vorne anfangen, dann kannst du es gleich so aufbauen, wie du es für richtig hältst. So schmerzhaft es war, so schön waren sie auch, diese Krisenjahre.

 

Liegt in diesen Trümmern, in dieser Krise der Beginn der Künstlerin Ina Regen?

 

Ja, dass ich einen Künstlernamen wollte, das hing eng mit dem Gefühl der Weichenstellung, des Neuanfangs zusammen. Ich wollte was Neues machen, auch musikalisch. Warum ausgerechnet Regen, wurde ich dann oft gefragt, wo ich doch so viel Leichtigkeit in meiner Ausstrahlung habe. Ja, aber die Musik, die ich machen wollte, hat viel Tiefe, die will genau die Verletzlichkeit und den Schmerz integrieren. Meine Mission ist Katharsis: Das Leben gibt’s nicht ohne Regen.

 

In Ihren Liedern kommen unterschiedliche Dimensionen des Menschseins zu Wort. Eben auch Freude und Schmerz. Sehen Sie das als Auftrag?

 

Verletzlichkeit, Authentizität, Wahrhaftigkeit: Das sind Worte, die versuchen, etwas Wichtiges zu beschreiben. Verletzlichkeit, das ist vielleicht mein Lieblingsthema. Es geht nämlich um das Menschsein: Und das ist der Grund, warum ich auf die Bühne gehe. Es ist ein Versuch, zu begreifen, was unbegreiflich ist: Und da ist es egal, ob in der Musik, in der bildenden Kunst, im Schauspiel – wir alle suchen nach dem Wahrhaften, nach dem Echten, nach der Sicherheit. Das Publikum hat ein feines Gespür dafür, ob etwas stimmt oder nicht, ob es wahr ist oder nicht. Das ist der Berührungspunkt mit Verletzlichkeit: Zeigt mir jemand aufrichtig, wer er ist?

 

Was hat Sie zu dieser Musik inspiriert, wo doch die Popmusik ganz andere Parameter anlegt?

 

Ich beobachte, dass in der Gesellschaft die Sehnsucht nach Menschen mit Haltung groß ist. „Si gråd machen fir was“ – das findet man in der Kunst nicht mehr. Ich habe das in meiner Zeit des Erwachsenwerdens vermisst: Popmusik war nur Entertainment. Und wenn ich heute für Gleichberechtigung eintrete, meine Prominenz, mein Wort, mein Handeln dafür zur Verfügung stelle, dann mag das nicht jeder. Wenn mich jemand in den sozialen Medien angreift, dann distanziere ich mich; da habe ich eine Grenze gezogen. Ich möchte im Gespräch bleiben, doch viele Menschen in den sozialen Medien sind nicht mehr berührbar.

 

Das ist wohl eine der größten Herausforderungen: berührbar bleiben und sich zugleich schützen. Wie gelingt Ihnen das?

 

Wer im Leben zu lange eine Ritterrüstung trägt, weil er meint, sich zu schützen, der trennt sich vom Leben. Man kann natürlich versuchen, sich nicht zu verletzen, aber je länger man die Ritterrüstung trägt, desto schwerer wird sie. Berührbar zu bleiben, authentisch zu sein, hat eben auch damit zu tun, in der eigenen Verletzlichkeit zu leben. Und das ist wirklich eine binäre Entscheidung, das bedeutet entweder Liebe zu suchen und die Schmerzen in Kauf zu nehmen oder als lonely stranger übrig zu bleiben. Es gibt für mich kein Dazwischen. Natürlich muss man auch Entscheidungen treffen, sich abgrenzen: Auf dem Weg zur Verletzlichkeit musste ich eine Grenze finden, wie weit ich damit gehe.

 

Wollen Sie mit Ihren Liedern gesellschaftlich etwas verändern und so zu einer Kultur der Verletzlichkeit beitragen?

 

Während ich in der ersten CD die Frage nach dem Glück in die Mitte stellte, habe ich jetzt im neuen Album „rot“ die Frage nach dem Menschsein behandelt. Was bedeutet es für mich, Mensch zu sein? Welchen Menschen habe ich aus mir gemacht? Ich versuche vorzuleben, dass jeder den Weg selbst gehen muss. Das braucht eine Investition: Wir müssen bessere Menschen sein, als wir von Natur aus sind. Und das ist eine Anstrengung.

 

Ina Regen 'rot'

Informationen zu Live-Terminen und dem neuen Album "rot" finden Sie unter:

inaregen.at

 

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