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Chancen und Risiken auf dem Weg zur Weltbischofssynode

Wie kann der synodale Prozess, den Papst Franziskus angestoßen hat, gelingen und Früchte bringen? Überlegungen einer Pastoraltheologin. Von Klara CSISZAR.

miteinander 3-4/2022

Chancen am Weg zur Weltbischofssynode

Papst Franziskus – so könnte man augenzwinkernd sagen – gibt einfach keine Ruhe: Die gesamte Weltkirche soll sich auf die Weltbischofssynode 2023 vorbereiten. In den Ortskirchen und dann auf kontinentaler Ebene werden synodale Prozesse gestartet. Das Volk Gottes soll gemeinsam hinschauen, was um uns herum los ist, welche Fragen uns das Leben konkret stellt, welche wir gemeinsam beantworten und verantworten können und welche nicht. Das Gesehene und Wahrgenommene wird gesammelt und nach Rom geschickt. Der synodale Prozess soll als Chance begriffen werden, hineinzuhorchen in die konkrete Wirklichkeit. Hineinzuhorchen in das, was uns umgibt, ohne gleich all die langweilig gewordenen kirchlichen Probleme, die wir seit Jahrzehnten nicht gelöst haben, schon wieder aufzulisten. Denn eine Kirche, die sich um sich selbst dreht, wird krank – das hat Papst Franziskus immer wieder betont, ganz explizit vor seiner Wahl im Vorkonklave.

 

Hörbare Enttäuschung

 

Im Gespräch mit Kollegen und Kolleginnen aus der pastoralen Praxis ist die Enttäuschung, die Demotivation, die Hoffnungslosigkeit auch bzw. trotz dieses hehren Vorhabens nicht zu überhören. Oft entsteht der Eindruck, dass nicht nur die Institution Kirche, sondern mit ihr auch ihre Leute in einem existenziellen Vakuum stecken. Die Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl hat sich in den letzten Jahrzehnten als die Therapieform bewährt, die Menschen aus einem solchen existenziellen Vakuum hinausbegleitet. Sie könnte auch der Kirche einiges bieten, wenn sie den Weg hinaus aus der Schwermut sucht. Das gerade synodale Prozesse sich dafür anbieten, mag sicherlich kein Zufall sein, denn die Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl entstand aus einer Denktradition, die auch Papst Franziskus vertraut ist, nämlich aus der Existenzphilosophie und Phänomenologie heraus. Welche Methodologie des Hinausgehens böte sich an, angesichts des offiziellen Handbuchs der Synode und des Vorbereitungsdokuments, und wie kann jede und jeder von uns dazu beitragen, dass unsere Kirche eine Zukunft hat?

„Nicht erst Franziskus hat darauf hingewiesen: Wo Kirche ihre missionarische Sendung in die Welt verfehlt, wo sie sich in der Welt nur mehr einrichtet, da gerät sie in Schräglage."

Schräglage der Kirche

 

Der synodale Prozess hat drei orientierende Schlüsselbegriffe: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung. Sendung setzt Gemeinschaft und Teilhabe voraus und sie deutet immer auf das Wozu der Kirche hin. Eine Vergewisserung, dass sich Kirche noch auf diesem Weg befindet – also dem Weg, Gemeinschaft als Teilhabe vieler an der Mission bzw. Sendung zu verstehen –, mag etwas hölzern klingen, aber nicht erst Franziskus hat darauf hingewiesen: Wo Kirche ihre missionarische Sendung in die Welt verfehlt, wo sie sich in der Welt nur mehr einrichtet, da gerät sie in Schräglage, ja, da gibt sie sich auf. Wo sie nur mehr um Selbsterhalt kreist, generiert sie bei allen Beteiligten Frust.

Der synodale Prozess hingegen möchte die Gemeinschaft wachrütteln, auf dass sie sich der Frage nach dem Wozu der Kirche stellt und eintaucht in das Geheimnis Gottes. In diesem Eintauchen kann der Plan Gottes für uns und für diese Welt erfahrbar werden und somit auch unsere Sendung als Kirche zu den Menschen. Die Kirche kann sich aus der Schräglage aufrichten, indem sie sich immer wieder neu an dieser ihrer Sendung ausrichtet.   

 

Freiräume und Schicksalhaftes

 

Jede und jeder von uns lebt mit der Last des Schicksalhaften im eigenen Leben. Ähnlich trifft dies auch auf die Kirche zu: Im schicksalhaften Bereich sammeln sich ihre Vorgeschichte, das durch sie und ihr selbst Geschehene und alle äußeren Umstände, die sie nicht ändern kann. Alles, was die Gemeinschaft beim besten Willen nicht ändern kann, befindet sich im schicksalhaften Bereich ihres Lebens. Wahlmöglichkeit oder sogar ein Wahlzwang für jeden Einzelnen von uns gibt es aber in unseren Freiräumen. In diesem Raum erblicken wir die Fragen, die uns das Leben stellt, wo unser Gesolltes liegt, wo unsere Handlung- oder Haltungsmöglichkeiten liegen.

Die Synode bietet sich an, unseren schicksalhaften Bereich als Gemeinde, als Mitarbeiter und Mitarbeiterin zu erkunden und frei dazu Stellung zu nehmen im Sinne eines guten Miteinanders. Das Gebot der Stunde ist es, mehr Zeit in unserem Freiraum zu verbringen, hineinzuhorchen in das konkrete Hier und Jetzt: Wo liegt unsere Verantwortung angesichts unserer Sendung? Wo sind die Kleingemachten, die Schutzsuchenden, die, die den nächsten Schritt im Leben nicht sehen? Wer sind sie und was können wir für sie tun? Diese Fragen können in jeder Gemeinde beantwortet werden, wenn wir uns nicht im schicksalhaften Bereich verlieren, sondern hellhörig und hellsichtig in der Gegenwart bleiben.

 

Gestalten und gestalten lassen

 

Auf allen Ebenen haben haben wir es mit einem großen, gravierenden Vertrauensverlust in unserer Gesellschaft zu tun. Dieser Verlust an Vertrauen führt dazu, dass Autoritäten infrage gestellt werden: Jeder weiß besser, was der andere zu tun hat, meint sich gut auszukennen im Leben und in den Verantwortlichkeitsbereichen des anderen. Der Laie meint besser zu wissen, was der Priester zu tun hat, und der Priester meint besser zu wissen, wo die Verantwortlichkeiten des Laien liegen. Und was ein Bischof zu tun hat – das wissen alle. Am Ende des Tages sind die Laien, die Priester und auch die Bischöfe frustriert, weil ihre eigenen Verantwortlichkeiten stets eingefordert oder zugleich infrage gestellt werden.

Der synodale Prozess lädt alle dazu ein, vertrauensfördernde Haltungen wie Demut, Offenheit und Zuhören anzunehmen und Vorurteile, Klischees, Klerikalismus und Selbstgenügsamkeit zu bekämpfen. In einem guten Miteinander auf die Zukunft hin sind alle berufen und aufgerufen, Hoffnungsträger zu sein, indem sie verantwortungsvoll und mutig an die Arbeit gehen; wie in einem Orchester, in dem jeder Beteiligte sein eigenes Instrument spielt – in Rücksicht, Respekt und Vertrauen allen anderen gegenüber.

 

Linzer Pastoraltheologin

Dr. Klara Csiszar

ist Professorin für Pastoraltheologie an der Katholischen Privat-Universität Linz.

 

Zuletzt erschienen:

Das Angesicht der Erde erneuern. Die kirchliche Entwicklung in Rumänien nach dem Kommunismus. Matthias Grünewald-Verlag, 2018.

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