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Corona-Heldin der Pflege

Porträt einer Krankenpflegerin

Irgendwie hat sie geahnt, welche Lebensgefahr auf ihre 36 Heimbewohner und das Pflegeteam zurollt. Am Höhepunkt der Corona-Welle erwischt es die Wiener Krankenpflegerin Timea Bektas dann selbst. Diagnose: Corona-positiv. Von Norbert OBERNDORFER.

Die Wiener Krankenpflegerin und Wohnbereichsleiterin Timea Bektas erlebte eine herausfordernde berufliche und private Zeit am Limit.

 

„Ich bin irgendwie nie fertig und gerade voll hungrig“, sagt Timea Bektas, als sie sich auf einer Parkbank im Garten des Wiener Pflegewohnhauses niederlässt. Es ist 10 Uhr vormittags, ein Frühstück hat die 41-Jährige noch nicht gehabt, denn zum Verschnaufen bleibt heute wieder einmal wenig Zeit: Dienstübergabe, Visiten, dazwischen viele Telefonate und Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Bewohnern. Ein normaler Arbeitstag für die Wohnbereichsleiterin und diplomierte Krankenpflegerin – nur halt mit Mundschutz, Handschuhen und dem nötigen Babyelefanten-Abstand.

 

Als das Corona-Virus im März Österreich erreichte, herrschte für Bektas und ihr Team Alarmstimmung: Die gebürtige Ungarin, die seit 17 Jahren mit ihrem Mann und Sohn in Wien lebt, reagierte blitzschnell. „Corona macht keinen Bogen um Österreich, das wussten wir.“ Sie brachte ihren achtjährigen Sohn zu ihren Eltern nach Ungarn und fuhr noch am selben Tag zurück nach Wien. „Ich wusste ja nicht, wie die Krankheit sich verhält. Es war dennoch eine schwere Entscheidung.“ Falls sie selbst an COVID-19 erkrankte, sollte ihr Sohn gut umsorgt sein. Erst acht Wochen später sah sie ihren Achtjährigen wieder …

 

Belastende Schutzmaßnahmen

 

Bektas Dienstzeiten explodierten in den darauffolgenden Wochen. Sie arbeitete sieben Tage die Woche 12 bis 14 Stunden pro Tag, vermied jegliche sozialen Kontakte und hielt sich penibel an alle Hygiene-Maßnahmen. Zum Schutz ihrer Hausbewohner und ihres Teams schickte sie sogar ihren Mann ins Wohnzimmer auf die Couch. „Ich habe alles getan, dass ich niemanden anstecke – immer Maske und Schutzkleidung getragen und bin mit dem Auto in die Arbeit gefahren.“ Auf vielfaches Unverständnis stieß dann das Besuchsverbot für Angehörige. Die Pflegerin bekam wütende Anrufe, die ehrenamtlichen Helfer brachen weg, Fußpflegerin und Frisörin blieben aus. Auch die Ärzte visitierten nur mehr per Video. Die Bewohner mussten zu ihrem Schutz bis auf Ausnahmen im Zimmer bleiben.

 

„Frühstück im Bett – manche haben sich darüber auch sehr gefreut“, erzählt Bektas rückblickend mit einem Lächeln im Gesicht. Aber das Fehlen der sozialen Kontakte und der aufkeimende Lagerkoller waren mit der Zeit deutlich zu spüren. Mit Videotelefonie und Online-Kommunikation hat die Pflegerin versucht, soziale Kontakte für ihre Bewohnerinnen aufrechtzuerhalten. Hier hat die Digitalisierung eindeutig ihre positive Seite gezeigt, ist Bektas überzeugt.

 

Fürsorge trotz Corona

 

Dann, Ende April, die harte Diagnose: COVID-19 positiv. Sie konnte es zunächst gar nicht glauben: „Ich hatte keine Symptome, keinen Husten, Halsweh oder Fieber.“ Bis heute ist ihr nicht klar, wo und wie sie sich angesteckt hat. Auch Mitarbeiter und viele Heimbewohnerinnen auf ihrer Station waren damals infiziert. Die meisten hatten einen milden Verlauf. Es gab nur wenige Todesfälle – der Älteste: ein 103-Jähriger mit schweren Vorerkrankungen.

 

Nach zwei Wochen in Quarantäne kommt sie wieder zurück an ihren Arbeitsplatz. „Natürlich habe ich Angst gehabt. Wie ein Feuerwehrmann nicht einfach wegläuft, wenn einmal Feuer ausbricht, so wusste auch ich: Ich muss hierbleiben und die Stellung halten. Ich muss den Menschen helfen, wir haben ja auch eine Sorgepflicht.“ Ihr Job ist ihre Berufung. „Absolut, das hier ist mein Platz. Auch wenn die Situation schwierig ist, ich würde das wieder machen.“

 

Einen Fehler habe sie aber gemacht, sagt Bektas rückblickend: „Ich hätte mir früher Hilfe holen sollen – eine zweite Stationsleiterin für die ganze Organisation. Es war eine extreme Belastung.“ Jetzt wolle sie erst einmal nichts mehr von Corona und Co hören und sehen. Im Fall einer zweiten Welle hofft Timea Bektas, dass sie dann gegen das Virus immun ist. Zum Schutz ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.

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