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Auf der Suche nach der Ordens-DNA

Sr. Christine Rod über die Zukunftsfähigkeit der Orden

Viele Ordensgemeinschaften stellen sich die Frage nach ihrer Zukunftsfähigkeit. Antworten darauf finden sie in einem Prozess, der den gesellschaftlichen Kontext ernst nimmt und bisweilen auch schmerzhaft sein kann. Von Sandra LOBNIG.

 

Das, was einen Orden ausmacht – Schwester Christine Rod, Missionarin Christi und neue Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, nennt es „Ordens-DNA“ .

 

„Die Ordens-DNA ist das, worauf ein Orden angelegt ist, worauf er gegründet wurde, was in ihn eingeschrieben ist.“ Als Theologin und Organisationsentwicklerin, die viele Jahre im Wiener Kardinal König Haus in der Ordensentwicklung tätig war, kennt Schwester Christine Rod die Schwierigkeiten vieler Gemeinschaften, die ihnen eigene „DNA“ durch die Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten zu bewahren und immer wieder neu zu interpretieren. Als Beispiel nennt sie die vielen Ordensgemeinschaften, die im 19. Jahrhundert gegründet wurden und sich die Linderung des sozialen Elends – die Pflege von Kranken, die Sorge um Waisenkinder oder erzieherische Tätigkeiten – zur Aufgabe gemacht haben. „Das alles hat in unseren Wohlfahrtsstaaten jemand anderer übernommen, die Aufgabe ist also erfüllt. Viele Orden fragen sich nun: ,Was jetzt?‘“

 

 Verlernt, auf den Kontext zu reagieren

 

Die Frage nach der „Ordens-DNA“ sei eine Frage, die nicht losgelöst von Zeit und Raum, sondern stets angesichts des jeweiligen gesellschaftlichen und kirchlichen Kontextes zu stellen ist, betont Schwester Christine Rod. Manche Orden, vor allem jene, die lange keine Nachwuchssorgen hatten, hätten verlernt, auf den Kontext zu reagieren – und genau das sei ihnen zum Verhängnis geworden. „In Regionen, wie zum Beispiel in Südtirol oder im Mühlviertel, war es lange selbstverständlich, dass jemand aus der Familie ins Kloster geht. Doch gerade dort, wo Ordensgemeinschaften besonders erfolgreich waren, wurde das Phänomen der Säkularisierung zu spät erkannt.“

 

Auftrag: Gottes heilende Gegenwart bringen

 

Wie die Übersetzung dessen, was einen Orden ausmacht, in die Gegenwart gelingen kann, macht Schwester Christine Rod am Beispiel einer Ordensgemeinschaft deutlich, die sich ursprünglich der Hauskrankenpflege verschrieben hatte und diesen Auftrag auch im Namen trug. „Die jungen Schwestern, die nachgekommen sind, hatten nichts mehr mit Krankenpflege zu tun, auch der Name hat nicht mehr gepasst. Es gab einen jahrelangen Prozess, in dem sich die Schwestern gefragt haben: ‚Wenn wir keine Krankenschwestern sind, was sind wir dann?‘ Die Antwort, die die Ordensfrauen gefunden haben: Unser Auftrag ist es, Gottes heilende Gegenwart zu sein und zu bringen.“ Heute wirkt der Orden unter anderem an einer KZ-Gedenkstätte, empfängt dort auch die Nachkommen ehemaliger Aufseher und macht die Erfahrung: Wir sind da, um zuzuhören, und darin geschieht etwas von Gottes Heil in der Gegenwart.

 

Miteinander von Alt und Jung

 

Die Zukunftsfähigkeit einer Ordensgemeinschaft hänge darüber hinaus stark vom Miteinander ihrer älteren und jüngeren Mitglieder ab. „Es muss jemanden geben, der gut einschätzen kann, was es da braucht. Damit beispielsweise keine junge Ordensschwester unter nur älteren lebt“, sagt Schwester Christine Rod. „Manchmal ist das Problem, dass die älteren die jüngeren Ordensleute gar nicht wahrnehmen, weil sie selbst so viele sind.“ Der Nachwuchs in einer Gemeinschaft sei nicht dazu da, die alten Mitglieder zu pflegen, dafür könne und solle Hilfe von außen zugekauft werden. „Wichtig ist, dass die Alten alt und die Jungen jung sein dürfen. Altersgemäß und zeitgemäß – darum geht’s in der Ordensentwicklung.“

 

Sich auf das Wesentliche konzentrieren

 

Die Entwicklungsprozesse, durch die Gemeinschaften auf ihrem Weg in die Zukunft zuweilen gehen müssen, können durchaus schmerzhaft sein – sowohl für die Gemeinschaft als Ganze als auch für das Individuum. „Bedeutungsverlust ist immer eine Kränkung“, sagt Schwester Christine Rod. Die persönliche Lebensbilanz des einzelnen Ordensmitgliedes könne dadurch frustrierend ausfallen. „Viele denken sich: ‚Ich habe mich vierzig Jahre lang abgemüht und jetzt das!‘ Wenn ein Orden zum Beispiel Häuser schließt, heißt das auch, dass Menschen innerhalb und außerhalb des Ordens enttäuscht werden.“ Doch für viele Orden sei es notwendig, zu reduzieren, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. „Das ermöglicht die Chance von neuen Schwerpunktsetzungen, um präsent, relevant und wirksam zu bleiben“, sagt Rod. Dadurch könnten Orden mit ihrem Dienst einen spürbaren Unterschied machen und weiterhin im Namen Gottes mithelfen, dass die Welt menschlicher und gerechter wird. „Und da sind die Mittel und Wege heute vielleicht andere als früher.“

 


Zur Person

Sr. Christine Rod MC wurde 1959 in Niederösterreich geboren. Sie studierte in Wien Theologie und Germanistik. Von 1985 an stand sie im pastoralen Dienst der Erzdiözese Wien. Im Jahr 2000 trat Rod in die Gemeinschaft der Missionarinnen Christi (MC) ein. Von 2003 bis 2013 leitete sie den Bereich Ordensentwicklung im Kardinal König Haus. 2013 übernahm sie für sechs Jahre die Regionalleitung der Missionarinnen Christi für Deutschland und Österreich. Nach einem Sabbatjahr in Israel kehrte sie als neue Generalsekretärin der Ordenskonferenz zurück nach Österreich.

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