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Im Wohnwagon

Die Tiny-House-Bewegung will hohen Wohnstandard auf engstem Raum mit dem Gefühl von Freiheit und Müßiggang verbinden. Kann das funktionieren?

Von Marianne WENZL

 

 

miteinander 7-8/2021

 

Durch den persönlichen Rückzug in den Lockdowns dieser Pandemie fand so mancher zurück zu einer Beschaulichkeit, für die er früher keine Zeit hatte. Eine undogmatische, lustvolle Reduktion, die den Dingen Wert gibt auf Basis von echten Bedürfnissen, nicht von persönlichen Eitelkeiten. Ein Rückzug, eine Art Müßiggang, der einer Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und Sinnsuche folgt. Überlegungen anstellen, was einem wirklich wichtig ist. Es gibt sie schon, die Menschen und Betriebe, die bereits länger das tun, was sie schon immer tun wollten. Dazu gehört das österreichische Start-Up „WW Wohnwagon“.

 

Lieblingsplätze auf kleinstem Raum

„Was brauchst du eigentlich für ein gutes Leben?“ steht auf der zweiten Seite des Werbeprospekts des Unternehmens. Diese Frage regt zum Nachdenken an. Vor einem Jahr stand die Sommer-Ausgabe des miteinander unter dem Titel „Vom guten Leben“. GEA-Gründer Heini Staudinger sagte damals im Interview auf die Frage, was ein einfaches, gutes Leben ausmache: „Ich denke, ein Dach über dem Kopf, im Winter soll es warm sein, etwas zum Anziehen, interessante Kontakte zu Menschen, that´s it.“

 

Würde sich da ein Wohnwagon mit einem Wohnraum von 18–42 m2 anbieten? Ein Dach über dem Kopf gibt es inklusive einer Solar- und Wasseraufbereitungsanlage. Verschiedene Heizmodelle zur Auswahl werden angeboten. Stauraum vom Keller bis zum Dach gibt es auch. Interessante Kontakte finden sich ganz sicher. Alle Kriterien von Heini Staudinger werden erfüllt. Aber heißt weniger Wohnraum auch weniger Arbeit und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben?

 

Das Unternehmen „WW Wohnwagon“ verspricht handgefertigten Wohnraum für den individuellen Menschen aus gesunden Baustoffen wie Holz, Lehm und Schafwolle zur nachhaltigen Nutzung. Der Lebensraum Natur direkt vor der Tür rundet dieses Paket ab. Geschäftsführerin Theresa Steininger betont: „Es geht darum, auf kleinem Raum und in komprimierter Form all die Lieblingsplätze zu bieten, die das Wohnen eigentlich so toll machen. Gleichzeitig möchten wir mehr Freiheit und Naturnähe ermöglichen als beim klassischen Wohnbau.“

 

Endlich Zeit haben

Was, wenn die eigene Lebensphilosophie mit den Werten des Start-Ups WW Wohnwagon in Einklang kommt? Die Pastoralassistentin Hermi Scharinger hat sich mit der Idee des Tiny-House-Konzepts, dem Leben in einem Minihaus, bereits vor 25 Jahren angefreundet. Jetzt ist es so weit. Sie möchte sich von ihrem Haus trennen und in einen Wohnwagon ziehen. Auf einem passenden Grundstück neben einem kleinen Teich wird sie den vor wenigen Monaten bestellten Wohnwagon aufstellen.

 

Es klingt wie eine Befreiung von Dingen im Leben, die sie schon lange mitträgt, wenn sie erzählt, warum sie sich zu diesem Umzug entschlossen hat. Überflüssiges hat im neuen Domizil ohnehin nicht Platz. Sie überlegt genau, was sie in den Wohnwagon mitnehmen kann. Das Loslassen und Verabschieden von den Dingen hat jetzt schon begonnen. Bücher werden weitergegeben und die Freude auf einen Rückzugsort, der „Tankstelle“ werden soll, ist groß. „Endlich Zeit haben.“

 

Hermi erzählt, dass sie früher keine Zeit zum Überlegen hatte, ob sie etwas anderes wollte, und keine Chance bekam, Änderungen einzuleiten. Eine bewusste Auszeit nutzte sie und fand für sich einen Weg. Wichtig ist ihr, für die Begleitung von Menschen im beruflichen wie im privaten Kontext Zeit zu haben. Ganz bei dem zu sein, dem sie sich gerade widmet. Nicht im Außen etwas suchen.

 

Mit Tiny Houses, also bewusst kleinen Wohnformen wie jener der Wohnwaggons, scheint also eine Form des Lebens und Wohnens gefunden, die uns Zeiträume schafft, die wir doch für den Müßiggang nutzen könnten. Ein autarkes Leben, eine unabhängige Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme, erfordert gewiss auch die Bereitschaft, sich von Gewohntem zu lösen. Ob diese aufregend andere Lebensweise tatsächlich dazu führt, endlich Zeit für Dinge zu haben, die man schon immer tun wollte, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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