Mag. Lukas Cioni
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miteinander-Magazin
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miteinander 7-8/2026

Nach dem Abschluss meines Theologie- und Physikstudiums in Wien hatte ich lange überlegt, wie es weitergehen soll. Ich wusste, dass ich eine Entscheidung treffen musste, aber nicht, welche. Zeitgleich spürte ich eine innere Ruhe, Freude und den Mut zu einem neuen Schritt: Ja, das mit dem Klosterleben versuche ich – und wenn es nicht meins ist, werde ich es merken.
Gott in Gemeinschaft suchen
Schon zuvor hatte mich die Frage nach einer geistlichen Berufung beschäftigt. Im Glauben in der Familie aufgewachsen, war ich viele Jahre Ministrant, das Gebet vor dem Essen und die Messe am Sonntag gehörten bei uns zu Hause einfach dazu – ebenso wie kritische Fragen. Von klein auf kannte ich die Benediktiner-Mönche aus unserer Pfarre St. Bonifaz, denn das Kloster lag nicht weit entfernt. Meinen Zivildienst absolvierte ich nach dem Gymnasium bei den Missionsbenediktinern von Münsterschwarzach, wo ich das Klosterleben zum ersten Mal von innen kennenlernen durfte.
Mich beschäftigten einige Fragen: Gott in die Mitte meines Lebens stellen? Allein und in Gemeinschaft Gott suchen? Ja, das hat mich fasziniert – und bis heute nicht mehr losgelassen – und doch wollte ich zuerst studieren und meine Berufung genau prüfen. Im Februar 2013 war ich dann zum ersten Mal in Kremsmünster zu Exerzitien, gehalten vom heutige Abt Bernhard Eckerstorfer.
"Mein Leben als Mönch und Priester ist bunt,
vielleicht nicht immer einfach,
aber stets erfüllend."
Im Herbst 2017 habe ich schließlich im Kloster um Aufnahme gebeten – ich bin also gekommen, um zu bleiben. Schritt für Schritt folgten die Etappen des Kennenlernens – zuerst im dreimonatigen Postulat, dann im Zuge des einjährigen Noviziats. Darauf folge dann das erste Versprechen auf drei Jahre in der zeitlichen Profess in der Benediktinerhochschule Sant’Anselmo in Rom, welche der weiteren Prüfung und Ausbildung diente.
Ankommen, um aufzubrechen
Am 18. August 2022, dem Fest unseres Klosterpatrons Agapitus von Palestrina, war es dann so weit. Ich durfte in der Klosterkirche die feierliche Profess ablegen, mich also auf Lebenszeit an die Gemeinschaft von Kremsmünster binden, wie schon Generationen von Mönchen vor mir – und das seit bald 1250 Jahren. „Nimm mich auf, O Herr, nach deinem Wort und ich werde leben“, singen wir bis heute bei der Profess dreimal auf Latein. Für mich bedeutete das ein Gefühl, angenommen zu sein. Zeitgleich bedeutete es, anzukommen, um wieder neu aufzubrechen.
Ich bin ins Kloster gegangen, um zu leben. Um auf dem Weg mit Gott das „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) zu erfahren – das er verheißt. Im Alltag äußert sich das sehr vielfältig: vom Studium alter Handschriften für meine Doktorarbeit über das Gebet und Miteinander in der Gemeinschaft, die Stille und die Anbetung, die Taufen und Messen in der Pfarre bis hin zu unserer Jugendarbeit beim beliebten Treffpunkt „Benedikt“. Mein Leben als Mönch und Priester ist bunt, vielleicht nicht immer einfach, aber stets erfüllend. Es ist ein Weg der Suche und des Vertrauens, weshalb ich auch folgenden Vers zur Primiz ausgewählt habe: „Führe und leite mich, o Herr, in deiner Treue, denn du bist der Gott meines Heiles, auf dich hoffe ich den ganzen Tag“ (Ps 25,5). So versuche ich meine Berufung zu leben und weiß stets: Gott geht mit mir.

P. Anselm Demattio OSB
hat Physik und katholische Theologie studiert und wurde 2023 von Bischof Manfred Scheuer in der Kaplaneikirche Kirchberg in Kremsmünster zum Priester geweiht. Neben seiner engagierten Tätigkeit als Pfarrseelsorger ist er aktuell im Doktorat.