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miteinander 7-8/2026

Josef S. kennt keine Welt ohne Handy. Der 14-Jährige verbringt täglich zwei bis drei Stunden am Smartphone, scrollt durch Instagram-Videos und chattet mit Freunden. „Mir ist aufgefallen, dass meine Aufmerksamkeitsspanne kürzer geworden ist“, sagt er.
Beim „Handyexperiment“ machte er aus Neugier mit: „Ich wollte einmal erleben, wie es früher war.“ 21 Tage lang auf das Smartphone zu verzichten, sei ihm nicht besonders schwergefallen. „Computer gespielt habe ich weiterhin, vielleicht ein bisschen mehr als vorher“, schmunzelt er. Viel Zeit fürs Handy habe er ohnehin nicht: Er treffe Freunde im Park oder Einkaufszentrum, spiele in einer Band und passe mit seinem besten Freund auf dessen jüngere Geschwister auf. Warum andere Jugendliche das Experiment abbrachen? „Wenn man neun Stunden am Smartphone ist, fällt es schon schwerer, darauf zu verzichten.“

„Entschleunigend, nicht immer erreichbar“
Seine Mutter Angela S., Deutsch- und Englischlehrerin an einem Gymnasium, nahm mit ihrer Klasse teil. Ihre 16-jährigen Schülerinnen und Schüler sahen das Experiment als Challenge. „Am meisten vermissten sie das Smartphone, wenn Langeweile aufkam, etwa beim Warten auf den Bus oder den Zug.“ Insgesamt fiel der Verzicht leichter als erwartet. Einige konnten sich besser auf Schularbeiten konzentrieren und verbesserten ihre Noten, viele waren stolz, durchgehalten zu haben.
Sie selbst habe nicht komplett, sondern vor allem auf Social Media verzichtet. „Den Zeitfresser Instagram habe ich vorerst nicht wieder installiert.“ Entschleunigend sei gewesen, nicht immer sofort erreichbar zu sein und ihre Privatnachrichten nur zweimal täglich zu lesen. Nach dem Experiment sei sie jedoch schnell wieder in alte Muster gefallen. Ganz verzichten könne sie nicht: Sie brauche das Smartphone für ihren Alltag, Beruf und Familienorganisation.

Nicht zum Handy greifen
„Ich bin ein News- und Info-Junkie“, sagt Raimund S. Der Deutsch- und Religionslehrer machte aus Vorbildwirkung und zur Selbstreflexion mit. „Abends auf der Couch habe ich das Handy bei mir liegen und da fallen mir zahlreiche Dinge ein, die ich schnell nachsehen will.“ Als hilfreich habe sich erwiesen, eine räumliche Distanz zum Smartphone aufzubauen und es auf lautlos zu stellen. Die größte Herausforderung: Geduld. „Nicht bei jedem Impuls sofort zum Handy zu greifen. Da unterscheide ich mich wohl nicht sehr von den Jugendlichen.“

An seiner Schule ist der Umgang mit dem Smartphone nicht geregelt. „In den Pausen ist es oft still, weil alle auf ihre Displays schauen. Während des Experiments änderte sich das merklich: „Schülerinnen und Schüler spielten Karten, plauderten miteinander oder lösten den Rubik’s Cube.“ Sie waren weniger abgelenkt und schliefen laut eigenen Angaben besser, weil sie abends im Bett nicht stundenlang scrollten.
Eine smartphonefreie Schule fände er ideal, auch wenn die Umsetzung schwierig sei. „Seit dem Handyexperiment fällt mir auf, dass der Umgang mit dem Smartphone auch eine Generationenfrage ist. Jüngere Kolleginnen und Kollegen sitzen in der Pause ebenfalls mit dem Handy im Lehrerzimmer. Unliebsamen Kontakten kann man so aus dem Weg gehen – es ist eine Form der Weltwahrnehmung.“
So unverzichtbar das Smartphone im Berufsalltag ist – als „treuen Begleiter“ will er es nicht bezeichnen. „Das ist für mich eine Person.“

Smartphone-Detox
Mehr als 72.000 Schüler*innen nahmen diesen Frühling am „Dok-1-Handyexperiment“ teil. Eine Gruppe verzichtete 21 Tage ganz auf das Smartphone, eine weitere reduzierte Social Media, eine Kontrollgruppe änderte nichts.
Wissenschaftliche Ergebnisse: Jedes fünfte Kind hatte weniger Schlafstörungen, Depressive Symptome gingen zurück, Ein- und Durchschlafstörungen haben sich um mehr als 20 Prozent verringert. Das psychische Wohlbefinden stiegt. Ein Drittel brach den Versuch ab.
Rund vier Stunden verbringen 14-Jährige in Österreich täglich am Handy. Eine US-amerikanische Studie zeigt: Ab dieser Dauer steigt das Risiko für Depressionen um 61 Prozent, für Angststörungen um 45 Prozent. Der präfontale Kortex, zuständig für Impulskontrolle, ist erst mit etwa 30 Jahren ausgereift. Deshalb fällt es Jugendlichen besonders schwer, Reizen wie Social Media zu widerstehen.