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Interview mit Psychotherapeut Arnold Mettnitzer

Für Arnold Mettnitzer ist Zeit eine wertvolle Ressource im Leben, die gefüllt werden will. Im miteinander-Gespräch erzählt er, wie wichtig Glücksmomente sind, wie wir mit unserer Fantasie umgehen sollten und welche Bedeutung Freundschaften und Rituale haben. Das Interview führte Christopher ERBEN

miteinander 7-8/2026

miteinander 7-8/26

Wie wichtig sind Freundschaften, die uns durch alle sich stets verändernden Lebensumstände begleiten? Wie können sie uns Stabilität geben?

„Geld macht glücklich, wenn man rechtzeitig darauf schaut, dass man es hat, wenn man es braucht.“ Diesen Werbeslogan habe ich immer schon lieber auf Freundschaften als auf Geld angewendet. Allerdings funktionieren Freundschaften nicht wie Sparkassen, leben nicht vom Habenwollen, sondern vom Schenkenkönnen. Ohne die Fähigkeit, etwas schenkend zu investieren, können Freundschaften nicht existieren. Die schönste Liebeserklärung an einen Menschen besteht in der Zeit, die wir ohne Hintergedanken zu schenken bereit sind.

 

Glücksmomente schenken dem Leben Geschmack. Sollten wir achtsamer mit unserer Lebenszeit umgehen?
Um zu veranschaulichen, dass die Zeit unsere kostbarste Ressource ist, hat Hans-Curt Flemming in seinem Gedicht „Vorschlag für meine Grabinschrift“ gemeint, dort sollte stehen: „gelebt / hat er nur / die Zeit / die er sich / genommen hat.“ Zeit kann man sich aber aus unterschiedlichsten Motiven nehmen: So sind die „Glücksritter“ nicht selten deshalb so unglücklich, weil sie „um jeden Preis“ glücklich werden wollen, währendden „Glückspilzen“ das Leben deshalb gelingt, weil sie offen sind, gespannt darauf, was ihnen seine Majestät, das Leben, bereithält. Das allerdings setzt eine Klugheit des Herzens voraus, die darum weiß, dass Glück und Unglück nicht von Dauer sind, dass das eine kein Grund zum Übermut und das andere kein Anlass zur Verzweiflung ist.


Rituale geben vielen Struktur und Halt.  Welche zählen sie zu den wichtigsten, um ein zufriedenes Leben führen zu können?

Rituale ersparen mir mühsame Entscheidungen. Das fängt schon beim Aufwachen an und zieht sich bis zum Schlafengehen. Anstatt mich immer wieder quälend zu fragen, ob und wann ich mir die Zähne putzen soll, habe ich diese Tätigkeit ritualisiert. So ähnlich halte ich es auch damit, nicht zu Bett zu gehen, ohne vorher täglich sieben Kilometer (ca. 100 Minuten) zu Fuß gegangen zu sein oder mich mindestens 20 Minuten lang nutz- und zwecklos in die Stille begeben zu haben. Wer religiös begabt ist, mag ein solches Ritual vielleicht
Beten nennen.

 

Wie können unsere Überzeugungen uns als Kompass dienen, um uns zurechtzufinden?

Fantasie ist wichtiger als Wissen.“ All unser Wissen wird immer begrenzt sein, aber die in jedem Menschen vorhandene Fantasie ist und bleibt unser einziges Feld grenzenlosen Wachstums und somit ein verlässlicher Kompass im weiten Land unserer Seele. In den Kellergängen unseres Herzens lagert weit mehr, als wir uns vorzustellen vermögen; dorthin zu gelangen, ist jedem Menschen zuzumuten. Dort könnte er im besten Sinne des Wortes sein eigenes „Vermögen“ entdecken, das, was er vermag: Staunen nur kann er, wie viel Potenzial in ihm schlummert und darauf wartet, entdeckt zu werden.

 

Vorurteile lassen sich oft nicht vermeiden. Doch wie können wir ausihnen lernen, um sie abzubauen?
Nur wer nicht gründlich genug über die Fragen des Lebens nachgedacht hat, wird davon ausgehen und davon überzeugt sein, dass sich Vorurteile oft nicht vermeiden lassen. Vorurteile, die Oberministranten der Gedankenlosigkeit, fürchten nichts so sehr wie gründliches Nachdenken. Wer aber den Dingen auf den Grund gehen möchte, wird mit einer Gründlichkeit belohnt, die die Geister, die sich in unserer Welt tummeln, zu unterscheiden vermag.
 


miteinander 7-8/26

Dr. Arnold Mettnitzer
ist Theologe, Psychotherapeut, Buchautor und Vortragender. Nach der Priesterweihe im
Jahr 1978 war er von 1979 bis 2001 Seelsorger der Diözese Gurk, Kaplan in Spittal an
der Drau, Diözesanjugendseelsorger, Rektor des Bildungshauses in St. Georgen am Längsee
und Pfarrer in Klein St. Paul, Wieting und Kirchberg. Er verließ den Kirchendienst
und ließ sich zum Psychotherapeuten ausbilden. Seit 1996 arbeitet er u. a. als Psychotherapeut
in Wien. Im Jahr 2013 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen.

 

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Buchtipp
Arnold Mettnitzer: Die Veredelung der Zeit. Eine Liebeserklärung ans Älterwerden. Kneipp: 2024, ISBN: 978-3-7088-0853-6, € 22,00

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