Mag. Lukas Cioni
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miteinander 7-8/2026

Altes Gemäuer, steile Wendeltreppe, bleiverglaste Schießschartenfenster – der Aufstieg zur Kuppel der Kuffner-Sternwarte ähnelt einer Kirchturmbesteigung. Zu Recht, denn im Observatorium am Weg von Wien-Ottakring zum Wilhelminenberg geht es seit bald 150 Jahren um eine gute Sicht zum Himmel. Jeden Mittwoch, Donnerstag und Sonntag ab 20 Uhr ist „Offene Sternwarte“. An diesem Abend bleibt die Kuppel für den miteinander- Reporter und andere Besucher aber zu: Wind und die Bewölkung sind zu stark, nur Abendstern Venus blinzelt kurz zwischen den Wolken durch, gibt eine Ahnung vom Sternenfirmament. Es gibt nicht viel, was uns seit Anbeginn menschlichen Lebens begleitet: Wasser zu trinken gehört dazu, ebenso der Blick in den Himmel. Im Unterschied zur Sonne, die strahlt wie am ersten Tag, ist der Nachthimmel heute jedoch ein anderer. Die Nächte werden immer heller, Beobachtungen der Himmelskörper immer schwieriger, weil die Sterne im Licht der Städte ertrinken.
5900 Sterne unsichtbar
„Wer verstehen will, was Lichtverschmutzung bedeutet, braucht einen ähnlich wachen Blick auf seine Umgebung wie jemand, der den Klimawandel nicht nur glaubt, sondern begreifen will“, erklärt Markus Reithofer, Vorstandsmitglied des Vereins Kuffner-Sternwarte. Lichtverschmutzte Himmel sind für ihn „ein klassischer Fall stark verteilter Verantwortung“: Viele Personen und Institutionen verursachen jeweils kleine Beiträge, deren primäre Wirkung – Licht ins Dunkel zu bringen – positiv bewertet wird, während der kumulierte Schaden zwar groß, aber ähnlich wie Kohlendioxid beim Klima nicht sofort spürbar ist. Dass ausgerechnet Astronominnen und Astronomen dieses Problem zuerst benannten, liegt für ihn an der Natur ihrer Arbeit: „Wenn man von 6000 Sternen nur mehr 100 sieht, ist Feuer am Dach.“ Der Nachthimmel gerät dabei nicht nur von unten, durch die Beleuchtung auf der Erde, sondern auch von oben unter Druck: Knapp 15.000 Satelliten kreisen mittlerweile im niedrigen Orbit um die Erde und es werden jedes Jahr mehr. Schon jetzt ist es nicht mehr möglich, den Sternenhimmel zu fotografieren, ohne darauf Spuren von Satelliten zu sehen.

Stromverschwendung: Lichtflut
Dass Verbesserungen zumindest am Boden
möglich sind, zeigt die Stadt Wien: In den vergangenen Jahren wurde die Straßenbeleuchtung auf Energie sparende LEDLeuchten umgerüstet, die ihr Licht nicht mehr nach oben strahlen. Die Wiener Straßenbeleuchtung trägt deshalb nicht mehr zur Aufhellung des Himmels bei. Großer Handlungsbedarf besteht allerdings bei privaten Lichtquellen. Allein in Wien werden jährlich 150 Millionen Euro an Stromkosten verschwendet, weil Lichtquellen unnötig zum Himmel strahlen. Gerade weil die Ursachen dafür so kleinteilig sind, lasse sich das Problem nicht „mit einem Schlag“ beseitigen, sagt Reithofer. Entscheidend sei, den bedrohten Nachthimmel in der breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen. Die Public Science Initiative „Wie viele Sterne sehen wir noch?“ des Vereins Kuffner-Sternwarte feiert heuer ihr 25-Jahr-Jubiläum. Mit einer einfachen Himmelsbeobachtung können im Rahmen dieser weltweiten Kampagne Bürgerinnen und Bürger die aktuellen Sichtbedingungen erfassen. Je mehr Menschen an möglichst vielen Orten mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Daten und desto größer wird der Beitrag zu natürlicheren und gesünderen Nächten.
▶ www.kuffner-sternwarte.at
▶ www.sternhell.at