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Gemeinsam Brücken bauen

das Grazer Friedensbüro

Seit über 30 Jahren ist das Grazer Friedensbüro eine über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Einrichtung im Einsatz für ein besseres, friedvolles Miteinander. Ein Lokalaugenschein. Von Christopher ERBEN

miteinander 7-8/2026

miteinander 7-8/26

Laute Stimmen, hektisches Treiben – bis auf den letzten Platz ist der Saal in einem Grazer Stadtbezirk gefüllt. Moderiert wird die Stadtteilversammlung vom Friedensbüro Graz. Eine Initiative, die sich für ein besseres Zusammenleben einsetzt. „Mehrere solche Veranstaltungen finden jedes Jahr statt, um Konflikte zu lösen, bevor sie eskalieren“, sagt Geschäftsführerin Jutta Willfurth.
 

Buntes Programm

Das Friedensbüro richtet sich an Menschen, denen gewaltfreies Zusammenleben auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene wichtig ist. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Schulung von Pädagoginnen und Pädagogen sowie Mitarbeitenden der öffentlichen Verwaltung und jungen Menschen. „Wir haben drei große Standbeine: Gewaltprävention in Schulen, Konfliktlösung in Nachbarschaften in Mehrparteienhäusern sowie mobile Stadteilarbeit.“ Gewaltfreiheit, Toleranz, Solidarität und Gerechtigkeit sind die Grundlagen, auf die das Friedensbüro seit seiner Gründung vor über 37 Jahren baut, so Willfurth. „Das Friedensbüro ist eine Einrichtung der Stadt Graz, in der die politischen Parteien, die evangelische und die katholische Kirche, Menschenrechts-, Entwicklungs- und Friedensorganisationen und andere vertreten sind.“


Am Ort des Geschehens

„Unser Kernauftrag ist es, Menschen zu schulen, damit sie wissen, wie man mit Konflikten umgeht und sie ausverhandelt“, erklärt Willfurth die konkrete Arbeit. Das geschehe etwa bei Bürgerversammlungen, bei denen es oft heiß hergehe. Deeskalation laute daher ein wichtiges Zauberwort. Der Bedarf an individueller Konfliktlösung steige aber nicht, die Zahl der gemeldeten Nachbarschaftskonflikte bleibe gleich, beruhigt sie. Das aus neun Mitarbeitenden – die nur selten in der Zentrale anzutreffen sind, weil sie den Menschen vor Ort begegnen sollen – bestehende Büro arbeitet in verschiedenen Projekten. „Unsere Stadtbewohner erwarten sich die Lösung eines Konflikts vor Ort – sowohl in einer Siedlung am Stadtrand oder in der Innenstadt.“ Gutes nachbarschaftliches Zusammenleben sei für sie daher das Wichtigste in einer Gemeinschaft. Das setze aber ein gutes Verhältnis untereinander voraus, um Themen direkt anzusprechen und zu diskutieren. „Mit Gelassenheit und Humor arbeiten wir mit ihnen zusammen“, betont die 57-Jährige, die das Büro seit 1999 leitet.


Kirchen als Werteträger
Nicht nur in den Stadtteilen, sondern auch in Schulen der Landeshauptstadt ist das Friedensbüro aktiv. Im Jahr 2024 gab es dort jede Menge Workshops – etwa zu den Themen Schlagfertigkeit und Zivilcourage, Mobbing-Prävention und Achtsamkeit. Auch im Volksgarten in Graz, in dem offen mit Drogen gehandelt wird, ist das Friedensbüro vor Ort. „Bei der Stadtteilarbeit im Volksgarten arbeitet wir eng mit der evangelischen Kirche zusammen, um die Situation zu deeskalieren“, sagt die Grazerin. Dabei Kompetenzen zu vermitteln und Brücken zu bauen, sei das Um und Auf. Die Werte der Religionen seien dabei unverzichtbar. Die Veranstaltung ist nun zu Ende. Die Bewohner strömen wieder aus dem Saal. Jutta Willfurth ist zufrieden. „Ja, wir haben heute wieder Brücken gebaut – gemeinsam mit den Grazerinnen und Grazern.“

 


miteinander 7-8/26

Jutta Willfurth
ist Geschäftsführerin des Grazer Friedensbüros.

www.friedensbuero-graz.at/

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