Mag. Lukas Cioni
Redaktionsleiter / Chef vom Dienst
miteinander-Magazin
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miteinander 7-8/2026

Welche Personen haben Sie in Ihrem Glauben inspiriert?
Geprägt wurde ich durch mein Elternhaus, in dem ganz selbstverständlich der katholische
Glaube gelebt wurde – er war Teil unserer familiären DNA. In unserer Pfarre wurde er zu etwas, das ansteckte: getragen von einem Pfarrer, der die Aufbruchsstimmung des Konzils in die Herzen der Menschen übersetzte. Das Jahr folgte dem Rhythmus der kirchlichen Feste. Der Glaube trug durch Höhen und Tiefen, durch Fragen und Brüche. Und er blieb nicht privat: Er wurde sozial und politisch wirksam. So wuchsen Initiativen für Friedensarbeit, für Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung – Themen, die mir bis heute ein Herzensanliegen sind.
Ein prägender Moment in meinem Leben war, …
… als wir unsere Kinder zur Welt brachten – die Erfahrung, dass sich das Leben seinen Weg bahnt und etwas unverfügbar Neues entsteht. Ich sehe in allem Lebendigen ein Wunder: unbegreiflich und kostbar. Deshalb sind mir ein achtsamer Umgang mit der Schöpfung und der Respekt vor allen Lebewesen so wichtig. Meine vegane Lebensweise ist der Ausdruck dafür: Leben zu schützen, nicht auszubeuten und die Verbundenheit allen Lebens zu wahren.
Woraus schöpfen Sie Kraft?
Aus dem Vertrauen, dass sich das Leben – bei allem Unwägbaren und Leidvollen – in eine tiefere Ordnung fügt. Licht und Schatten, Freude und Schmerz gehören zusammen. Aus der christlichen Tradition erwächst mir eine leise Gewissheit, dass das Leben im Letzten gut sein wird. Trost und Weite erfahre ich oft dort, wo ich loslassen kann.
Was bereichert Sie in Ihrer Tätigkeit im Sekten- und Weltanschauungsbereich
sowie als Psychotherapeutin?
In beiden Arbeitsfeldern zeigt sich dieselbe Grundbewegung: der Versuch, das eigene Leben zu verstehen und ihm Bedeutung zu geben. In der Psychotherapie wird diese Suche besonders sichtbar – dort, wo Sprache fehlt, wo Konflikte oder Ängste den Alltag bestimmen. Theologische und psychologische Perspektiven helfen, menschliches Erleben in größere Zusammenhänge
zu stellen und darin Muster und Sinn zu erkennen. Ermutigend ist, wenn in Gesprächen
Momente entstehen, in denen etwas in der Tiefe in Bewegung gerät.
Was wünschen Sie sich von der Kirche?
Dass sie sich stets an der Botschaft Jesu misst und wach für Veränderungen bleibt. Und dieser Weg beginnt bei uns selbst. Ich wünsche mir eine Kirche, die Menschen in ihren Lebenswirklichkeiten begegnet, zuhört und lernbereit im Dialog bleibt. Die sich gegen jede Form von Machtmissbrauch und Diskriminierung stellt und die strukturelle Benachteiligung von Frauen beendet. Eine Kirche, die das Leben schützt – in Verantwortung für diese Erde und kommende Generationen.
Wie wichtig ist Ihnen Humor?
Gerade auch in Psychotherapien gibt es immer wieder gemeinsames Lachen. Humor ist für mich etwas Fantastisches – er schafft Distanz, ohne zu verleugnen, und öffnet einen Raum von Leichtigkeit, selbst im Schweren.
Wer ist Eva-Maria Melk-Schmolly?
Begeisterungsfähig und in Bewegung – im Denken wie im Leben. Mit mir selbst bin ich sehr konsequent und ich versuche, einen kleinen Beitrag zu einer guten und gerechten Welt zu leisten. Mit der politischen Denkerin Hannah Arendt gesprochen: „Anfangen – immer wieder.“

Dr. Eva-Maria Melk-Schmolly
ist Theologin, Psychoanalytikerin, Psychotherapeutin und an der Fachstelle für Sekten- und Weltanschauungsfragen der katholischen Kirche Vorarlberg tätig.