Kontakt

Ihr Ansprechpartner:

Redaktionsleiter "miteinander"

Mag. Lukas Cioni

Stephansplatz 6

1010 Wien

Tel.: +43 1 516 11-1500

 

Sie haben eine neue Adresse? Schreiben Sie uns hier oder rufen uns unter DW 1504 an.

 

Redaktion & Impressum

Themen & Schwerpunkte

Balanceakt Leidenschaft

Der ehemalige Gesundheitsminister und Autor Rudi Anschober über Beruf und Leidenschaft.

Stressbedingte Überbelastung und Burn-out: Die Leistungsgesellschaft fordert Menschen. Ein Interview mit dem ehemaligen Gesundheitsminister Rudolf Anschober über berufliches Engagement, persönliche Kraftquellen und die richtige Balance. Das Interview führte Lukas CIONI.

miteinander 7-8/2022

Rudolf Anschober

Was bedeutet Ihnen Leidenschaft?

Nicht zu leiden, sondern mit viel Begeisterung und Überzeugungskraft die eigene Werthaltung zu vertreten.

 

Sisyphusarbeit Politik – wann hat ein Politiker Feierabend?Die Zeit hängt wesentlich von der Funktion und vom Politikstil ab. Die Tätigkeit ist zeitintensiv, man muss sie mögen und
leben. Die Arbeit selbst ist eine wunderschöne, vor allem für Menschen mit einem konkreten Veränderungswillen. Ich habe immer Wert auf den Dialog mit Interessierten gelegt – das bedarf Zeit, aber so ist es bei vielen Berufen, in denen es um Werthaltungen geht.

Jeder Mensch braucht andere Kraftquellen des Ausgleichs. Die zu finden, ist ein
wichtiger Schlüssel für ein erfülltes Leben.

Was hat dazu geführt, dass Sie Ihre Überbelastung ernst genommen haben?

Wenn man einmal länger als vier Stunde schlafen könnte und dies aber einfach nicht mehr kann. Ich denke, viele Menschen kennen Lebensmomente, in denen sie ausgepowert und kraftlos sind. Ich hätte eine andere Arbeit mit etwas Energieeinsparung durchführen können, aber das ist in Zeiten der größten Gesundheitskrise seit hundert Jahren einfach nicht möglich. Dazu kamen Alarmsignale der Gesundheit: ein Tinnitus, hoher Blutdruck und hohe Zuckerwerte.

 

Wie wollen Sie zukünftig leidenschaftlich für etwas brennen, ohne zeitgleich zu verglühen?

Meine verschiedenen Lebensfreuden mehrin den Mittelpunkt rücken. Genau das mache ich derzeit. Mir Zeit nehmen für Freunde, Partnerin oder körperliche Bewegung. Meine Partnerschaft gibt mir Kraft, außerdem die Natur, aber ganz stark auch die wunderbaren Rückmeldungen vieler Menschen. Mein Motor ist das Wissen über Fehlentwicklungen unserer Gesellschaft.

 

Was raten Sie Personen, die sich zwischen Leidenschaft und Beruf(ung) entscheiden müssen?

Möglichst rasch zu erkennen, was einem guttut, welche Kraftquellen man braucht und was man für die eigene Balance tun kann. Spiritualität kann sicher ein wichtiger Teil derselben sein.

 

Auf Social Media zeigen Sie sich naturverbunden und tierlieb. Inwiefern helfen Tiere
als Katalysator bei Stress?

Jeder Mensch braucht andere Kraftquelle des Ausgleichs. Die zu finden, ist ein wichtiger Schlüssel für ein erfülltes Leben. Für mich sind es Natur und Tiere. Zu Hause leben daher zwei Katzen – Jeanny und Toni. Mein großartige Hund Agur ist Mitte April gestorben. Danke für fast 13 wunderbare Jahre, Vertrauen, Freude und Liebe.

Rudolf Anschober und Hund Agur

 

Schlagwort „Digital Detox“ – wann schalten Sie ihr Smartphone aus?

Als Gesundheitsminister in der Pandemie muss man durchgängig erreichbar sein, auch das habe ich mittlerweile verändert. Jetzt lege ich das Smartphone vor dem Abendessen zur Seite und nehme es erst nach dem Aufstehen vom Esstisch wieder zur Hand.

 

Unlängst ist Ihr Buch „Pandemia“ erschienen. Was hat Sie dazu veranlasst?Mein Ziel war es, mich mit der Pandemie reflektierend auseinanderzusetzen. Dies habe ich für den Dialog mit Betroffenen genutzt und um die Auswirkungen der Entscheidungen besser zu verstehen. Das Buch ist eine Mischung meiner Arbeit und andererseits der Erlebnisse von Menschen. Ich möchte ihre Gefühle und ihr Erleben hinter den Zahlen sichtbar machen – von Personen des Gesundheitssystems, Covid-Erkrankten, Hinterbliebenen und Genesenen.

 


Rudi Anschober
war „Grünen“-Politiker und von Jänner 2020 bis April 2021 Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.

 

Rudolf Anschober

Rudolf Ascnhober: Pandemia, 24 €, Hansa-Literaturverlag: 2022. 

 

CANISIUSWERK
Zentrum für geistliche Berufe

Stephansplatz 6
1010 Wien

Telefon: +43 1 516 11 1500
E-Mail: office@canisius.at
Darstellung: