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Wenn Glaube teuer zu stehen kommt

Religionsfreiheit als Grundrecht

Religionsfreiheit zählt zu den grundlegendsten Rechten überhaupt, gerät heute jedoch immer mehr unter Druck – das ist auch in Europa erkennbar. Von Johannes PERNSTEINER

 

miteinander 5-6/2022

Wenn Glaube teuer zu stehen kommt

Wie viel ist Ihnen die Möglichkeit wert, in die Kirche zu gehen, den Glauben selbst zu wählen und ihn vor anderen zu bekennen – ohne dafür benachteiligt zu werden oder sogar Ihr Leben zu riskieren? Menschen, die infolge eines Glaubensübertritts aus muslimischen Ländern nach Europa geflohen sind, haben sich diese Frage schon intensiv gestellt.

 

In Österreich erwacht erst allmählich das Bewusstsein, dass Religionsfreiheit ein zentrales Grund- und Menschenrecht ist. Und zwar eines der sensibelsten und am häufigsten verletzten. Diskriminierung und Verfolgung aufgrund der Religion gibt es zunächst als Extremvariante: Der IS-Terror in Irak und Syrien gehört ebenso in diese Kategorie wie die Massenmorde der Boko Haram in Nigeria, Afghanistans Taliban-Schreckensregime oder auch die Kirchenanschläge in Sri Lanka. In China müssen gläubige Menschen mit Totalüberwachung und Repression bis hin zu Umerziehung rechnen, in Indien regiert der Hindu-Nationalismus, der Gewalt gegen Minderheiten duldet.

Zwei Drittel der Menschheit lebt in Ländern mit schweren Verletzungen der Religionsfreiheit, berichten Hilfswerke wie „Open Doors“ oder „Kirche in Not“.

 

Zunehmende Intoleranz

Weit weniger bekannt ist, dass die Religionsfreiheit auch in Europa in Gefahr ist. Vandalismus und Brandstiftungen in Kirchen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Daneben gibt es aber auch weit subtilere Einschränkungen der Meinungs-, Religions-, Gewissens- und Vertragsfreiheit. Zunehmend tun Menschen aufgrund gesellschaftlichen, kulturellen oder gesetzlichen Drucks Dinge, die sie mit dem, was sie als wahr erkannt haben, nicht vereinbaren können.

Als Beispiele dafür nennt das in Wien beheimatete „Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians in Europe“ Selbstzensur christlicher Studierender, verpflichtende Mitwirkung an Abtreibung oder Sterbehilfe für Ärzte und Hebammen bereits ab ihrer Ausbildung sowie Vorwürfe angeblicher Hassrede gegen Christen, die sich zu Ehe und Familie äußern. Auch Verstöße gegen Elternrechte bei der Sexualerziehung, Sperren manch christlicher Positionen auf Facebook, YouTube & Co oder die ungerechte Behandlung von Konvertiten durch Behörden sind hier anzuführen.

 

Mut und Einsatz gefordert

Die gute Nachricht: Zu mehr Respekt, Offenheit, Dialog und somit Religionsfreiheit kann jeder beitragen. Gläubige Menschen etwa, indem sie Vorurteile gegenüber denen mit anderen moralischen Werten bewusst meiden, gegen Diskriminierung auftreten und die Teilnahme an Debatten nicht scheuen. Glaubensgemeinschaften, indem sie für Betroffene beten und sich solidarisch zeigen. Behörden, indem sie sich mehr Religions-Kompetenz aneignen, um durch bessere Gesetze und Verwaltung Diskriminierung entgegenzuwirken.

Nicht zuletzt kommt es auch auf das Informieren und Berichten über das Phänomen an. „Wir hoffen, dass die Welt aufwacht und ihre Gleichgültigkeit ablegt. Nicht wahrgenommen zu werden, ist für uns das Schwierigste“, ist ein Stehsatz, den man von so gut wie allen Opfern religiöser Diskriminierung und Verfolgung zu hören bekommt.

 


 

Religionsfreiheit
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Artikel 18 (1948): „Jeder Mensch hat
Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst
die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die
Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit
anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und
Vollziehung von Riten zu bekunden.“ Religionsfreiheit garantieren auch Österreichs
Verfassung und der Staatsvertrag sowie die Grundrechtscharta der EU, die 2013
Leitlinien zur Förderung und zum Schutz der Religions- und Glaubensfreiheit
beschloss und 2016 einen Sonderbeauftragten für dieses Thema ernannte.
Katholische Kirche Konzilsdekret „Dignitatis humanae“ (1965): Jedem Menschen
stehe aufgrund der eigenen Menschenwürde religiöse Freiheit zu. Niemand dürfe
in religiösen Dingen zum Handeln gegen sein Gewissen gezwungen oder daran
gehindert werden.

 

▶ Opendoors.at und ▶ Kircheinnot.at

 

Mag. Johannes Pernsteiner

Mag. Johannes Pernsteiner
ist Journalist und Redakteur der Katholischen Nachrichtenund Presseagentur Kathpress.

 

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