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Nächstenliebe auf Distanz

Obdachlos in Corona-Zeiten. Die Essensausgabe der Pfarre Wien-Breitensee

 

Unermüdlich setzen sich Ehrenamtliche für bedürftige Menschen ein – auch und vor allem während der Corona-Pandemie. Doch der soziale Austausch kommt oft zu kurz.

Von Christopher ERBEN

miteinander 3-4/2021

 

Ein kalter Winternachmittag in Wien. Aus einem Kellerlokal im 14. Bezirk dringt der Geruch frisch gekochter Speisen. Die Essensausgabe der Pfarre Wien-Breitensee ist im vollen Gange. Mehrere Personen warten vor einer niedrigen Tür, tragen Masken, treten nacheinander ein. Martin ist einer von über 70 Gästen, die nicht erst seit dem Lockdown regelmäßig nach Breitensee kommen, erzählt Gerhard Koudela, der die Essensausgabe leitet. Im vergangenen Sommer zählte er an den Ausgabetagen Montag und Mittwoch jeweils über 75 Gäste. Ein trauriger Rekord.

 

Corona hat auch bei der Essensausgabe vieles verändert: Während die Bedürftigen früher fast zwei Stunden gemütlich an den Tischen beisammensitzen konnten, müssen sie heute vor dem Eingang warten und sich einzeln mit Mund-Nasen-Schutz und desinfizierten Händen ihr Essen holen. „Es bleiben nur wenige Minuten für ein Gespräch, weil die anderen draußen länger warten müssen“, sagt der Pfarrcaritas-Verantwortliche. „Wir sind aber nach wie vor einer der wenigen Orte, wo sich Menschen auch austauschen können“, ist er überzeugt. Die Dankbarkeit in den Augen der Gäste motiviere ihn jedes Mal aufs Neue. Das sei zwar mit viel Arbeitseinsatz verbunden, aber für ihn jedes Mal eine Genugtuung. „Ich kann jenen etwas gebe, die weniger haben als ich.“

 

Ohne Umarmung

 

„Das Jahr 2020 hat unser aller Leben verändert“, sagt Caritas-Präsident Michael Landau dazu im miteinander-Interview. „Es ist das Jahr, in dem wir aufhören mussten, uns die Hand zu geben und uns zu umarmen.“ Die Pfarren der Erzdiözese Wien leisten seit vielen Jahren in Wien und Niederösterreich vielfältige Hilfe in den unterschiedlichsten Bereichen. Ihre Bedeutung nahm dabei in den vergangenen Jahren konstant zu. Über 4.000 Ehrenamtliche seien in den Pfarren regelmäßig tätig – über 8.000 weitere Menschen engagieren sich punktuell für Menschen in Not.

 

Maria ist heute das erste Mal dabei. Sie wäscht gerade ab und schlichtet einen großen Topf in den Geschirrspüler. Eine klare Aufgabenteilung gebe es nicht – jeder macht alles. Berührungsängste habe sie keine. Nächstenliebe trotz Abstand sei zwar möglich, ideal sei das aber nicht. „Viele ältere Ehrenamtliche hatten Angst vor einer Ansteckung“, sagt Gerhard Koudela, obwohl es hier ungefährlicher sei als in der U-Bahn. Nach dem Lockdown halfen daher über 50 Ehrenamtliche zusätzlich aus, um bei der Essensausgabe mitzuarbeiten – darunter auch einige Schülerinnen und Schüler.

 

Über die Runden kommen

 

Die meisten der Gäste wissen, dass sie von einer Einrichtung einer Pfarrcaritas betreut werden. Sie besuchen auch die Kirche vor oder nach der Ausgabe; seltener seien sie aber in der Messe, erzählt Koudela. Dass die Essensausgabe von einer Pfarre organisiert werde, störe ihn keineswegs, berichtet Martin aus Wien-Favoriten. Er sei gläubig erzogen worden und besuche regelmäßig Gottesdienste, erzählt der 55-Jährige, der in Kurzarbeit ist und jetzt mit noch weniger Geld als bisher auskommen muss, um über die Runden zu kommen.

 

Es ist halb fünf. Der letzte Gast steigt die Stufen des Kellerlokals hinauf und geht mit einem Sackerl wieder hinauf. „Bis zum nächsten Mal“, verabschiedet sich die junge Frau und taucht im Dunkel der Straße unter. Gerhard Koudela und seine drei Helfer räumen rasch zusammen, wischen die Tische ab und bereiten sie für den nächsten Einsatz vor. Sie alle hoffen, dass sie bald wieder ihre Gäste im Kellerlokal begrüßen dürfen – „dann kommen wir uns endlich wieder näher.“

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