Wofür lebst du?
Matthias Unterkofler
Für Musik, die die Herzen der Menschen berührt. Für die Mernschen, die diese zum Erlebnis werden lassen. Für die...
Wofür lebst du?
Matthias Unterkofler

Für Musik, die die Herzen der Menschen berührt. Für die Mernschen, die diese zum Erlebnis werden lassen. Für die Menschen an meiner Seite, von denen ich die Kraft dazu bekomme. Matthias Unterkofler, Leitung Grazer Kapellknaber

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel
Von Chefredakteur Henning Klingen
Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

 

Vor fast fünf Jahren habe ich in einem Editorial schon einmal von meinem Großvater berichtet. Damals war er Anfang 90. Sein Leben war rhythmisiert von der Arbeit im Garten, vom Wechsel der Jahreszeiten, den Urlauben mit uns Enkeln, den Skat-Runden und häufiger werdenden Arztbesuchen. Vor zwei Jahren ist mein Großvater gestorben – mit 97 Jahren. Anm.: Dann kann etwas nicht stimmen ...

 

Warum erzähle ich Ihnen das zu Beginn einer Ausgabe zum Thema Zeit? Weil meine Großeltern ein biblisches Alter erreicht haben, meine Großmutter noch immer lebt, gewiss. Aber auch, weil die Besuche bei Ihnen, das Betreten Ihres Universums einem Akt des Aufstands gegen die verrinnende Zeit glichen: Denn meine Großeltern schienen nicht zu altern. Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen. Und selbst im Sterben rang mein Großvater dem Leben noch Tage, Stunden ab. Der Tod, so schien es, war für ihn nie eine Option. Er wählte stets das Leben – und die Zeit meinte es tatsächlich gut mit ihm, sie hat sich an ihn verschenkt.  

Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen.

 

Mich beeindruckt dieser Aufstand gegen die Zeit nach wie vor sehr. Denn es steckt nicht nur viel geerdete Lebenskraft darin, sondern auch ein ganz und gar unsentimentales Gottvertrauen: Gott wird das Seine dazu tun, es zum Guten wenden, wenn wir nur unseren Teil in der uns geschenkten Zeit vollbringen. Im Kleinen – der Familie, dem Garten, der Ehe – ebenso wie im Großen. Widerstand und Ergebung – auch hier gehen sie Hand in Hand.

 

Und noch etwas lehrten mich die Besuche bei meinen Großeltern: die Zeit als Geschenk zu begreifen, das man nicht ungenutzt verstreichen lassen darf, sondern welches man dankbar annimmt. Entsprechend blieb mir oft mein Klagen über einen vollen Terminkalender, über den gefühlten Zeitmangel im Hals stecken, sobald ich die Türschwelle zu meinen Großeltern überschritt. Beschämt darüber, dass ich offensichtlich noch nicht begriffen hatte, wie man sich der Zeit angemessen und stets mit einer Prise Humor widersetzt, wie man ihr Sinn und durch alle Irrungen und Wirrungen hindurch Leben abtrotzt.

Und so möchte ich – ganz Niederrheiner wie meine Großeltern – Ihnen mit ein paar Zeilen des niederrheinischen Dichters und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch einen zeitsatten Advent und ein frohes Weihnachtsfest im Horizont der uns geschenkten Zeit wünschen:

 

Ich bin vergnügt erlöst befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.


Henning Klingen

 

Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl
Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl

Was ist schon endgültig?

 

Wieder einmal sinniere ich in meinem „Seitenschiff“ so vor mich hin: Was ist eigentlich im menschlichen Dasein endgültig? Eigentlich nur der Tod, mit dem jedes Leben auf Erden einmal endet. Daran können auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, Entdeckungen etc. etwas ändern. Sonst sind dem menschlichen Forschungsdrang keine Grenzen gesetzt. Ohne diesen würde sich unser Leben noch in der Steinzeit abspielen.

Wir sind dankbar für die Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin, der Technik. Nur die Kirche tut sich – meist aus Machtgründen – bei neuen Sichtweisen immer schwer. Strafmaßnahmen sollen diese ver- oder behindern. Beispiele dafür gibt es genug – vom Mittelalter bis heute. Nur die Methoden änderten sich. Galileo Galilei drohte man noch mit der Inquisition und Hans Küng entzog man die kirchliche Lehrbefugnis.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich aber auch die Kirche für neue Sichtweisen geöffnet. Sie hat begonnen, sich mit den geänderten Lebensumständen der Menschen und deren gesellschaftlichem Umfeld auseinanderzusetzen. Neu zu überdenken erscheinen etwa das Amtsverständnis und die Stellung der Frau in der Kirche. Vieles ist noch immer ungelöst bzw. es zeichnen sich sogar wieder Rückschritte ab. Durch Nachdenk- und Redeverbot wird man aber die notwendigen Änderungen nicht verhindern können. Es ist nur zu hoffen, dass deren Akzeptanz durch die Kirche nicht so lange dauert wie die Rehabilitation von Galileo Galilei. Sie erfolgte 1992 nach fast 400 Jahren.

 

 

Prof. Ingeborg Schödl

 

Themen & Schwerpunkte

Heimat zwischen Fiktion und Politik

Heimat ist ein fragiler Begriff – stets in Gefahr, politisch instrumentalisiert zu werden. In den vergangenen drei Jahren hat der Begriff nicht zuletzt unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise eine besorgniserregende Konjunktur erlebt.

 

Es scheint, als wäre es ruhiger geworden rund um das Wort „Heimat“. Der Präsidentschaftswahlkampf 2016 war sicher ein vorläufiger Höhepunkt der Karriere des Heimatbegriffs. Mit dem Slogan „Deine Heimat – dein Präsident“ versuchte der rechtspopulistische Kandidat Norbert Hofer im Zuge seiner Kampagne seinem linksliberalen Gegenüber, Alexander Van der Bellen, ein zentrales Element dessen eigener Kampagne streitig zu machen. Was blieb von dieser Begriffskonjunktur?

 

Politische Akteure glaubten in der Folge, im politischen Diskurs nicht mehr ohne die Aufladung des Wortes „Heimat“ auszukommen. Hier erlebten wir alles: von beliebigen Herleitungen über Verteidigungsreflexe hin zur kruden Heimatverbundenheit eines Landesrates im Zuge des Kärntner Wahlkampfes 2018 – von den parteipolitischen Bierzelten ganz zu schweigen.

 

Dirndl und Tracht zu tragen ist wieder "in", man steht zu seiner Heimat. Nicht alle sind jedoch mit dieser Entwicklung einverstanden und fürchten um das politisch instrumentalisierte, emotional aufgeladene Wort "Heimat".

 

 Bedrohte Gefühlsidylle

 

Die Fluchtbewegung des Jahres 2015 war der Auslöser dieses Heimatreflexes. Doch vorangestellt sei noch einmal zur Erinnerung das beeindruckende soziale Engagement der Zivilgesellschaft, die nicht nach der Herkunft fragte, sondern zutiefst menschlich agierte, während sich die Politik in ihrem nicht nachvollziehbaren Erstaunen erst ein Bild der Lage verschaffen musste. Als sich die politischen Rädchen zu drehen begannen, waren sie sofort da: die Schützer der Heimat. Das Wort „Bedrohung“ wurde dem Wort „Heimat“ vorangestellt und so zum Kapital politischer Argumentation.

 

Aber was wurde und wird da eigentlich bedroht? Es ist die Fiktion einer Kontinuität des Eigenen oder einfach die simple Behauptung, dass wir unsere Werte und Traditionen – eben unsere Identität – bewahrt und so aus einer gedachten, immerwährenden Vergangenheit in die Gegenwart gebracht hätten. Dieser Fiktion ist ein „normierter gesellschaftlicher Gefühlshaushalt“, wie es Joachim Riedl in seiner Betrachtung des Bundespräsidentschaftswahlkampfes in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ genannt hat, zur Seite gestellt. Dieser potenzielle gesellschaftliche Gefühlshaushalt ist der Marktplatz politischer Bewirtschaftung schlechthin. Heimat hat viele Definitionen, aber vor allem ist sie eben ein Gefühl – und Emotionen sind leicht abzuholen und zu manipulieren.

 

Angst als Kapital

 

Die bedrohte Heimat braucht ein bedrohendes Gegenüber. Und denkt man an die zahllosen Flüchtlinge des Jahres 2015, so war dieses Gegenüber schnell gefunden. Das „Fremde und das Eigene“ ist ein Begriff der kritischen Kulturwissenschaften und bezeichnet die Ausschließungspotenziale gesellschaftlicher Diskurse und Aktivitäten: Die „Fremden“ waren nun in großer Zahl da, und es bedurfte nur weniger Schlagworte, um die Ängste um „das Eigene“ zu schüren. Ist diese Stimmung einmal erzeugt, ist es ein Leichtes, jegliches Ereignis dem pauschal „Fremden“ zuzuschreiben. Die Perfidität dieser Dynamik liegt darin, dass jene, die am politischen Marktplatz Angst als Kapital generieren, die politische Heilsversprechung, die in unterschiedlichsten Sprachbildern von Sicherheit daherkommt, gleichzeitig mitliefern.

 

Das heilsame kleine Wort „Heimat“ steht schon längst im Hintergrund und ist nur noch die Folie für ein kollektives Bedrohungsszenario. Diejenigen, die das „Eigene“ dem „Fremden“ gegenüberstellen und mit Ausgrenzungspolitik Stimmen gewinnen, sind die Profiteure einer simplen Gefühlslage. Andere versuchen in deren Sog Produkte abzusetzen. Ein österreichischer Onlineshop wirbt mit dem Slogan „So geht Heimatmode“. Die graumelierten Zipper-Jacken im Promotion-Video sind links auf Brusthöhe mit einem gestickten Emblem ausgestattet – einer Kornblume.

 


 

 

 

 

 

Matthias Beitl

 

 

 

Dr. Matthias Beitl ist seit 2013 Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien.

 

 

 

Webtipp: www.volkskundemuseum.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Juli/August 2018

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