Wofür lebst du?
Rupert Santner
„Für Menschen, die ein Teil meines Weges werden. Für Gott, um mein Leben von Ihm sprechen zu lassen. Für das Schöne,...
Wofür lebst du?
Rupert Santner

„Für Menschen, die ein Teil meines Weges werden. Für Gott, um mein Leben von Ihm sprechen zu lassen. Für das Schöne, Wahre, Gute, das mein Herz immer wieder neu erfüllt.“ Rupert Santner, Priesterseminarist Salzburg

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Alt werden, jung bleiben

 

Was für ein Sommer! Abkühlung boten da nicht nur wohltemperierte Kirchen, sondern auch die „Salzburger Hochschulwochen“, die heuer mit dem Slogan „Smarte Sommerfrische“ warben. Auch wenn’s denkbar schwierig war: Gemeinsam mit fast 900 Teilnehmern versuchte ich auch heuer wieder, einen kühlen Kopf zu bewahren, zuzuhören und mitzudiskutieren. Ich erzähle Ihnen das, weil ich dabei zwei Phänomene beobachten konnte: zum einen zahlreiche gerade ältere Teilnehmer, die mit Hingabe diskutiert, kritisch nachgefragt, mitgedacht und damit im Geiste Jugendlichkeit bewiesen haben; zum anderen aber auch so manchen jugendlichen Teilnehmer, der sich gerade in religiösen Fragen und Debatten mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit kritischen Anfragen an den Glauben verweigert hat.

Auch wenn dies nur verstreute Beobachtungen sind, so setzt sich bei mir doch schon seit Längerem ein Verdacht fest: Kann es sein, dass junge Gläubige von der Kirche gerade nicht Agilität und kritischen Geist erwarten, sondern Beständigkeit und vermeintliche Gewissheiten suchen? Ein Eindruck, den ich im Übrigen auch von mancher Gemeinschaft habe, die mit Feuereifer von Neuevangelisierung, Wahrheit, Gott und Erlösung spricht, sich aber zugleich jenem Feuer der Aufklärung entzieht, durch das der Glaube meines Erachtens gehen muss, will er nicht nur oberflächliche Zustimmung erheischen, sondern zur tiefen Überzeugung werden.

Jugend, das meint doch immer auch Zukunftsdrang und Rebellion. Wird sich dies auch bei der „Jugendsynode“ zeigen, die in Kürze in Rom stattfindet? Ist das vielleicht gar die Faszination, die von Papst Franziskus ausgeht: seine Jugendlichkeit, die die geistige Regsamkeit manch kirchlicher Jugend überstrahlt? Wenn es zutreffen soll, dass die Kirche jung ist, dann wird sie dies wohl nicht dadurch, dass sie sich zur Eventfabrik umgestaltet. Das machen andere besser, professioneller. Nein, wenn Kirche jung sein will, dann muss sie im Geiste jung bleiben. Das jedoch ist keine Frage des biologischen Alters ...


Henning Klingen

 

Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff
Kolumne vonDr. Georg Plank
Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff

Kolumne vonDr. Georg Plank

 

Das Rebenprinzip

 

Wer im Herbst pralle Trauben bewundert, weiß, wie viel Arbeit das ganze Jahr über notwendig war, damit jetzt Früchte geerntet werden können. Zur jeweils rechten Zeit mussten die richtigen Maßnahmen erledigt werden, sonst wären viele Blätter gewachsen, aber wenige Lebensmittel. Oft übersehen wird, dass es auch lange Perioden des Nichtstuns, des Gewährenlassens und des aufmerksamen Beobachtens gibt, in denen das eigentliche Wachstum einfach passiert bzw. geschenkt wird.

 

Im Sinne von Joh 15,2 gilt es daher auch in den Weingärten unserer pastoralen Handlungsfelder, dem Vorbild des guten Winzers zu folgen. Er rückt die Reben, die Frucht tragen, in den Mittelpunkt. Er reinigt sie, damit sie mehr Früchte bringen. Für mich bedeutet das mehr Möglichkeiten für heutige Menschen, zu erleben, was Menschen aller Kulturen (nicht nur Glaubens- oder Volksgenossen) vor 2.000 Jahren mit Jesus erlebten: Aufrichtung, Orientierung, Befreiung, Ermächtigung, Heilung, Gottesbeziehung und Sendung. Dieses „die fruchtbaren Reben reinigen“ korrespondiert mit dem Konzept inkrementeller Innovationen: Konzentriere dich auf das schon vorhandene Gute und investiere darin, es noch besser zu machen. Denn der Feind des Besseren ist oft nicht das Schlechte, sondern das Gute – eine bittere Erfahrung, die gerade große traditionelle Organisationen in Zeiten des Umbruchs machen.

 

Wir kennen aber auch den ersten Teil dieses Vorgangs: Der Weinstock muss von Reben befreit werden, die keine Frucht (mehr) bringen. Auch davor scheuen kluge Weinbauern nicht zurück.

 

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

www.pastoralinnovation.at

Themen & Schwerpunkte

Keine Angst vor der Angst!

Angst ist eine Signatur der Zeit, die auch Religion und Theologie betrifft und herausfordert. Sie ist zugleich Thema der heurigen „Salzburger Hochschulwoche“.

 

 

 

"Haben wir keine Angst, keine Angst vor der Welt, in der wir leben; keine Angst vor unseren Grundsätzen, nicht vor dem, was wir sind, und verraten wir das nicht. … wir müssen bereit sein, über unseren Schatten zu springen, und dürfen keine Angst davor haben, zu sagen: Ja!"

 

Mitten in Salzburg: Bis 5. August versammelt diese älteste deutschsprachige Sommeruniversität in Salzburg wieder rund 700 Teilnehmer - darunter hochrangige Wissenschaftler, Philosophen und Theologen. Dieses Jahr dreht sich alles um das Thema Angst.

 

 

Was ein wenig wie eine Passage aus einer Predigt klingt, stammt in Wahrheit aus der Dankesrede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron anlässlich der Verleihung des Karlspreises 2018. Darin formuliert er vier Imperative für die Zukunft Europas und fordert in seinem dritten Gebot: Keine Angst! Gerade in dieser Aufforderung zeigt sich ein zeitdiagnostischer Befund: Angst ist ein Grundproblem unserer Gegenwart, es ist ihr Grundgefühl. Frühere Utopien, die unterschiedlich, aber doch einheitlich versprachen, dass es der nächsten Generation besser als der jetzigen gehen solle, haben ihre Zugkraft verloren – angesichts von Klimawandel, Migrationsfrage oder Digitalisierung werden oftmals Rhetoriken der Defensive bemüht. Es scheint schlicht darum zu gehen, das Schlimmste zu verhindern.

 

Pointiert spricht deshalb etwa der deutsche Soziologe Heinz Bude von einer „Gesellschaft der Angst“, wenn es darum geht, unsere Gesellschaften von einer zentralen Erfahrung aus zu beschreiben: Angst vereint alle gesellschaftlichen Milieus und erscheint wie „das einzige Prinzip, das absolut gilt, wenn alle Prinzipien relativ geworden sind. Über Angst kann die Muslima mit der Säkularistin, der liberale Zyniker mit dem verzweifelten Menschenrechtler reden.“

 

Der Glaube als Ressource

Das verbindende Moment, das Bude hier anspricht, erinnert ein wenig an den berühmten Auftakt von „Gaudium et Spes“, der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils – auch dort wird Angst als eine Erfahrung benannt, die JüngerInnen Christi und Menschen von heute verbindet. Nicht zuletzt deshalb können Glaube und Theologie nicht an diesem Zeichen der Zeit vorbeigehen: In ihm finden sich Herausforderungen für den eigenen Glauben. Liefert der Glaube aber Antworten auf die Ängste, die unsere Zeit umtreiben – oder muss man fürchten, dass er selbst davon erfasst wird?

 

Tatsächlich bietet Glaube Ressourcen, sich nicht von jeder Aufregung oder Ängstlichkeit anstecken zu lassen. Zugleich muss man aber der Versuchung widerstehen, ihn zum Viaticum gegen die Angst zu verkürzen – es würde dem Glauben selbst nicht gerecht. Hans Urs von Balthasar schreibt in seinem 1951 erschienenen Bändchen „Der Christ und die Angst“ gleich am Beginn in aller Nüchternheit, dass Gott offenkundig nicht in die Welt gekommen sei, um dem Menschen „die Angst einfachhin wegzunehmen oder zu ersparen“ – auch der Glaubende ist nicht immun dagegen, nicht einmal Jesus war davon befreit: Die Evangelien verschweigen die Angstnacht am Ölberg nicht. Der Glaube erspart die Angst nicht, aber er relativiert ihre scheinbare Absolutheit.

 

 

Angst – auf ihren Platz verwiesen

Vielleicht kann man sie am besten verstehen, wenn man sie nicht vorschnell als Gegensatz und Widerlager des Glaubens denkt, sondern z.B. in den Sonnengesang des Heiligen Franziskus einreiht: als „Schwester Angst“, die uns immer wieder mit Macht heimsucht, aber selbst in dieser Macht doch nichts anderes ist als eine geschöpfliche Wirklichkeit, die nicht das letzte Wort über uns hat. Das vertreibt nicht alle Angst – aber es weist ihr den Platz zu, der ihr gebührt.


 Bei der Eröffnung der Salzburger Hochschulwochen 2018.

 

Martin Dürnberger

 

Dr. Martin Dürnberger ist Assistenzprofessor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie an der Universität Salzburg. Seit 2015 ist er außerdem Obmann der renommierten „Salzburger Hochschulwochen“, die heuer vom 30. Juli bis 5. August ganz im Zeichen des Themas „Angst?“ stehen. Informationen und Anmeldung unter www.salzburger-hochschulwochen.at

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Juli/August 2018

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