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Hoffnung zwischen Mauern und Militär

Das Pflegeheim Beit Emmaus in Palästina ist ein Ort des Friedens und der Hoffnung in einem bewegten Land, in dem Angst ein täglicher Begleiter ist. Geleitet wird es von einer österreichischen Ordensfrau.

Seit 2002 leitet die österreichische Salvatorianerin Sr. Hildegard Enzenhofer das Pflegeheim Beit Emmaus. Die gebürtige Mühlviertlerin wurde 2019 für ihr Engagement mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.

 

Ein Porträt von Robert SONNLEITNER  | miteinander 5-6/2020

 

Früher war es ein Flitterwochen-Hotel für wohlhabendere palästinensische Paare, doch diese Zeiten sind schon längst vorbei. Seit den 1970ern ist Beit Emmaus („Haus Emmaus“) bereits ein Pflegeheim für palästinensische Frauen sowohl christlichen als auch muslimischen Glaubens, die aufgrund ihres Alters und/oder einer Behinderung auf Hilfe angewiesen sind. Das Haus befindet sich in Qubeibeh, einem kleinen arabischen Dorf, das zwölf Kilometer von Jerusalem entfernt liegt und wie die übrige Westbank zunehmend unter den Folgen des israelischen Mauerbaus leidet.

 

Beit Emmaus wird von deutschsprachigen Salvatorianerinnen geführt; derzeit sind es fünf Ordensfrauen, die von einheimischem Personal und Freiwilligen aus Deutschland unterstützt werden. Leiterin ist seit 2002 die Österreicherin Sr. Hildegard Enzenhofer. Die gebürtige Mühlviertlerin wurde 2019 für ihr Engagement mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.

 

„Wir haben offiziell 28 Betten, aber wir sind immer mit 34 oder 35 Frauen belegt“, erzählt Sr.Hildegard. „Davon sind ein Drittel behindert. Leider sind alte und behinderte Menschen hier tatsächlich ausgegrenzt wie zur Zeit Jesu. Viele von ihnen müssen in Höhlen mit Tieren hausen. Wir versuchen ihnen einen Ort zu geben, wo sie in Gemeinschaft und in Würde leben können.“

 

Christsein in muslimischer Welt

 

Die Situation in Qubeibeh ist den letzten Jahren immer schwieriger geworden. In der Westbank kann man sich eigentlich frei bewegen; zurzeit sind es zehn Dörfer, die von diesem Sicherheitszaun umgeben sind. Hier leben ungefähr 45.000 Menschen, die mehr oder weniger eingekesselt sind. „Wir leben sehr gut mit ihnen, sie sind nicht radikal“, betont die Ordensfrau. „Wir leben in einem Land mit drei Weltreligionen. Ich lebe in einer muslimischen Welt. Und ich sage immer wieder: Ich helfe den Leuten, bessere Muslime zu sein.“

 

Die Spannungen sind dort im alltäglichen Leben weitaus weniger spürbar, als es die Medien in Europa vermitteln. Das Leben in Palästina, einem besetzten Gebiet, stellt eher größere Herausforderungen an die eigene Geduld, wenn man zum Beispiel der Willkür der Soldaten am Checkpoint ausgeliefert ist. Aber „wir müssen Räume der Hoffnung gestalten“, sagt Sr. Hildegard. „Das ist meine persönliche Weise, wenn wir hier in Qubeibeh in Palästina leben – zwischen Mauern, Zäunen, Checkpoints, mit Militärpräsenz und ständigen Auseinandersetzungen.“

 

„Sie würden alles für uns tun“

 

Doch natürlich gibt es ab und zu Situationen, in denen die Angst greifbar wird – zum Beispiel vor dem Phänomen der sogenannten „Feuerantifada“. In den letzten Monaten ließen extremistische Palästinenser viele Drachen von Gaza über die Grenze nach Israel fliegen. An den Schwänzen der Drachen hingen brennende, in Öl getauchte Lumpen. Sie verursachten zahlreiche Großbrände – mit verheerenden Konsequenzen. Unzählige Menschen starben oder verloren ihr Hab und Gut. Die israelischen Medien sprachen von Ökoterror. „Ich habe zu den Männern im Dorf gesagt: Was machen wir, wenn das Feuer kommt?“, erinnert sich Sr. Hildegard. „Sie haben sofort 40 Männer als eine Art Feuerwache organisiert. Die Menschen würden alles für uns tun, weil sie wissen, wir haben alles für sie getan. Also insofern lautet unser Motto: Keine Angst.“

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