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Angstfrei ins Alter

Jede Generation hat ihre eigenen Wünsche, Hoffnungen, aber auch Sorgen und Probleme. Ein Gespräch mit zwei Damen, die über Ängste im Alter sprechen und wie sie damit umgehen.

Shot of two happy elderly women spending time with each other at home

 

Ein Gespräch aufgezeichnet von Daniel SEPER  | miteinander 5-6/2020

 

Wir haben jetzt einen Termin“, sagt Lech Siebert zur Dame im Rollstuhl, die ihm im Eingangsbereich des Seniorenheims der Caritas Socialis im dritten Wiener Bezirk entgegenkommt. „Ja, ich muss jetzt zum Frisör“, entgegnet sie dem Pflegeheimseelsorger. Den Termin für das Interview, den er eigentlich meinte, kann sie daher nicht einhalten – „wir treffen uns ein anderes Mal“, entschuldigt sie sich. Eigentlich denkt man ja, später, im Alter, hat man einmal mehr Zeit und es kommt zu keinen Terminkollisionen. „Mir gefällt es hier, mehr Zeit zu haben“, erzählt wenig später eine andere Bewohnerin, Erika Ullrich, einen Stock höher: „Zeit, um an so was zu denken“. Mit „so was“ meint die 80-Jährige Gott und den Glauben an ihn.

 

Angst vor Abhängigkeit

 

„Man kann versuchen, dem Ganzen näherzukommen, aber ganz heran kommt man nie“, relativiert sie gleich wieder ihre Aussage. „Und an was glauben Sie?“, fragt sie ihre Gesprächspartnerin Else Kerber. Den „Sinn für das Numinose“, ist die 95-Jährige überzeugt, habe eigentlich jeder Mensch. Bei den beiden Bewohnerinnen hat er sich bereits in der Kindheit gezeigt, erfahren sie voneinander. Und heute, im fortgeschrittenen Alter, ist ihnen der Glaube eine wichtige Stütze. „Der Glaube hilft mir sehr“, erzählt Frau Ullrich. Den Glauben gemeinsam zu leben und Gemeinschaft zu erfahren, hilft gegen Einsamkeit. Das haben die beiden in der Katholischen Jugend erfahren und das schätzen sie auch heute noch.

 

Ihren Glauben zu leben und wöchentlich die heilige Messe mitfeiern zu können, ist etwas, das Frau Ullrich, die wegen ihrer Erkrankung im Rollstuhl sitzt, hier gefällt. „Ich kann selbst in die Kapelle fahren“, erzählt sie, die seit knapp einem halben Jahr hier wohnt. Und da klingt schon etwas an, vor dem sich viele ältere Menschen fürchten: der Verlust von Selbstständigkeit.
Einmal von anderen abhängig zu sein, sei es bei der täglichen Körperpflege oder eben beim wöchentlichen Kirchgang, belastet viele. Auf Mitmenschen angewiesen zu sein und sie um Hilfe zu bitten, muss man erst lernen. „Hier vergeht mir die Angst davor, weil ich Leute um mich
habe, die mir helfen wollen“, sagt Erika Ullrich, „hier bin ich gut aufgehoben bis zum Ende.“

 

Lebenslang lernen

 

Das führt zum wohl heikelsten Thema im Gespräch. Vor dem Alt-Werden habe Else Kerber keine Angst, „ich bin ja schon alt“, sagt die 95-Jährige mit einem Lachen. Sie ist froh, dass sie auch im Alter noch viel Schönes erleben kann, und schwärmt von ihrer letzten Reise: Mit 83 Jahren erfüllte sich die studierte Historikerin und Altphilologin einen Wunsch und erlebte noch
einmal das antike Griechenland. Lange zu leben, alt zu werden, erkennt sie als Geschenk.

 

„Und wovor hast du heute Angst?“, bohrt Erika Ullrich bei ihr nach. Vor dem Sterben hätten sie keine Angst, „es muss halt a jeder sterben“, sind sie sich einig, aber vor dem möglichen Leiden, vor einer Krankheit und großen Schmerzen davor. Aber statt sich vor dem zukünftigen Tod zu
fürchten, schaut Frau Kerber lieber zurück. „Ich bin dankbar, dass ich so lange leben durfte – und dass ich Sie jetzt kennenlernen durfte“, sagt sie zu ihrer Mitbewohnerin, die sie bisher nur flüchtig kannte. Und Frau Ullrich freut sich, dass sie in den paar Monaten, seit sie hier wohnt,
schon viel Neues lernen durfte. „Ich bin ja auch schon alt“, gesteht sie, aber an den noch älteren Menschen hier im Haus nehme sie sich gern ein Beispiel, wie sie ihr Leben bewältigen. „Ja, wir sind Lernende“, sagt die 95-jährige Frau Kerber, „auch noch im Alter.“

 

 

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