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Im Rausch

(K)Ein Tag wie jeder andere

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet“, heißt es in der „Glocke“ von Friedrich Schiller. Und wer diesen Entschluss trifft, möchte, dass es ein perfektes Fest wird – bis hin zum perfekten, in Erinnerung bleibenden Datum.

Von Christoher ERBEN | miteinander 1-2/2020

 

 

 

Heiraten hoch über den Dächern Wiens im Hochzeitswaggon des Wiener Riesenrades ist auch an „Schnapstagen“ besonders gefragt.

 

Ein warmer Septembervormittag liegt über der Wachau in Niederösterreich. Johanna und ihr Mann stehen im Garten eines Hotels in Maria Taferl. Feierliche Musik erklingt. Langsam schreiten die beiden zum Traualtar, wo schon eine Standesbeamtin auf sie wartet. „Ja, der 9. September 2017 war für uns ein herrlicher Tag“, erinnert sich Johanna. „Und durch das leicht zu merkende Datum wissen wir heute noch, wann wir geheiratet haben“, lacht die junge Frau.

 

Immer mehr Paare suchen sich für ihre kirchliche oder standesamtliche Trauung ein Datum aus, das durch seine Zahlenkombination auffällt. Diese wird auch als Schnapszahl bezeichnet. Eine Schnapszahl ist eine mehrstellige, aus identen Ziffern bestehende Zahl. Die Verbindung mit Schnaps rührt daher, weil nach zu viel Alkoholkonsum Ziffern oft doppelt gesehen werden.

 

Doppelte Trauungen bei Schnapszahl

 

An Schnapszahl-Tagen trauen sich mehr Paare als anderen Tagen, erzählt Esther Scholz-Österreicher, Standesbeamtin am Standesamt Wien-Ottakring. Statt drei bis vier Trauungen seien es an solchen Tagen weit über 20. „Schnapszahl heißt, dass die standesamtliche Trauung auf einen besonderen Tag fällt“, erklärt sie. Zur Routine darf eine Trauung oder Verpartnerung nie werden; auch nicht an diesem Tag. „Ich traue die Paare nicht anders als an normalen Tagen.“ Jede und jeder solle bei ihr das Gefühl haben, das seine oder ihre Trauung am Standesamt etwas ganz „Besonderes und Einzigartiges“ ist, so die Standesbeamtin.

 

Doch nicht nur Johanna und Roland heirateten an einem besonderen Datum. Bei Conny und Daniel ergab sich die Trauung an einem Schnapsdatum rein zufällig. Conny: „Ich habe beim Standesamt angerufen und mich wegen eines Termins im September erkundigt.“ Weil sie aus der Gemeinde kommt, bot ihr die Standesbeamtin den 09.09.2019 an. Die 31-Jährige sagte sofort zu, weil es ein „cooles Datum“ für sie sei, das sie sich außerdem gut merken würde. Das Ja-Wort in der Kirche werden sie sich erst im Sommer 2020 geben, erzählt Conny. „Wir wollen zweimal feiern.“ „Am 19.9.2019 fanden in ganz Wien über 49 Trauungen und Verpartnerungen statt“, heißt es von der MA 63 – Gewerberecht, Datenschutz und Personenstand. „Das waren mehr als doppelt so viele wie an einem normalen Donnerstag im September.“


Zwei Herzen, ein Traum


Besonders sensible Zeiten seien jene kurz nach Weihnachten und dem Valentinstag, berichtet Esther Scholz-Österreicher. Dann würden besonders viele Heiratsanfragen gestellt. Manchmal müsse sie diese auch auf andere Standesämter vertrösten, da der Terminkalender an diesem gewünschten Tag bereits voll sei. Egal ob eine Trauung an einem „Schnapstag“ oder an einem normalen – auf jede muss sich die Standesbeamtin eigens vorbereiten.

 

Steigend sei im Übrigen die Anzahl der sogenannten „Traumhochzeiten“, also jener Trauungen, die an einem besonderen Ort wie auf dem Donauturm oder auf dem Riesenrad stattfinden, berichtet die Standesbeamtin. 700 Paare waren es allein im vergangenen Jahr. „Traumhochzeiten sind das Sahnehäubchen unseres Jobs“, so Scholz-Österreicher.

 

Es ist Abend. In Johannas Augen spiegelt sich die hohe Flamme ihrer Hochzeitskerze. Öfter zündet sie diese an und schwelgt dabei in Erinnerungen. „Schnapszahl hin oder her – diesen Tag werden mein Mann und ich nie vergessen.“

„Ich traue die Paare an Schnapstagen nicht anders als an normalen Tagen", so Esther Scholz-Österreicher, Standesbeamtin in Wien-Ottakring.

 

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