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Mutig-Sein bedeutet: Wir bringen uns selbst ins Spiel. Wir machen uns emotional berührbar und lassen uns auf etwas ein, dessen Ausgang ungewiss ist.

Von Sr. Melanie WOLFERS |  miteinander 11-12/2019

 

Oft wird unter Mut verstanden, sich in außergewöhnlichen Situationen heldenhaft zu verhalten. Doch das eigentliche Revier von Mut ist der konkrete Alltag. Egal, ob Sie eine Entscheidung treffen, ob Sie jemandem Ihre Liebe eingestehen oder einen schwerkranken Menschen besuchen – in all diesen Situationen sind Sie mutig. Denn ob Ihre Entscheidung sich als richtig erweist oder eine ganz andere Wendung nimmt; ob Ihre Liebe erwidert wird oder im Leeren verhallt; ob der Besuch bei dem Kranken Sie überfordert oder bereichert – all das entzieht sich Ihrer Kontrolle. Und daher braucht es in diesen Augenblicken Mut.

 

Mutig-Sein bedeutet: Wir bringen uns selbst ins Spiel. Wir machen uns emotional berührbar und lassen uns auf etwas ein, dessen Ausgang ungewiss ist. Und damit gehen wir zugleich das Risiko ein, enttäuscht oder verletzt zu werden. Denn in dem Maß, in dem wir uns ins Leben hineinwerfen, riskieren wir, dass wir uns Schrammen und blaue Flecken holen. Das beginnt bereits beim Laufen-Lernen.

 

Mut ist Angst, die gebetet hat

 

„Sobald es um meine Kinder geht, tritt meine Angst in den Hintergrund. Ja, dann entwickle ich einen Bären-Mut!“ In diesem Zitat einer Mutter wird deutlich, dass Mut und Angst einander nicht ausschließen. Mut bedeutet keine Angstfreiheit, sondern dass wir uns trotz unserer Angst für jemanden oder etwas in die Waagschale werfen. Mut meint, wenn anderes wichtiger wird als unsere Angst.

 

An diesem Punkt begegnet mir unter Glaubenden bisweilen ein Missverständnis: Manche Glaubende sehen Angst als ein Hindernis auf ihrem Weg zu Gott. Sie meinen, ihre Angst sei ein Zeichen dafür, dass sie zu wenig glauben und vertrauen. Es enttäuscht und verunsichert sie, dass selbst das Gebet ihre Furcht nicht auflöst. Das Gründungsdokument des christlichen Glaubens, die Bibel, spricht da eine ganz andere Sprache: So sind etwa die Psalmen, das wichtigste biblische Gebetbuch, gewoben aus Klagerufen und angstvollem Schreien zu Gott – wie auch aus Jubelliedern und dankbarem Vertrauen. Glaube und Angst schließen einander nicht aus!

 

Im Leben Jesu lässt sich die Spannung von Glauben und Mut deutlich ablesen: Als Jesus ahnt, dass ihm ein gewaltsames Ende droht, packt ihn die Angst. Er schreit zu Gott. Er nimmt seine Angst ins Gebet, lässt sie zu, spricht sie aus. Durch all das wird Jesus nicht von seiner Angst befreit. Wohl aber wird er fähig, mit und trotz seiner Angst seinen Weg weiterzugehen. Er bleibt sich und seinem Gott treu. Mut ist Angst, die gebetet hat, formuliert Corrie ten Boom, eine niederländische Widerstandskämpferin im Dritten Reich.

 

Viele Menschen erfahren den Glauben als einen Resonanzraum, in dem ihre Angst zur Sprache kommen kann. Sei es die Angst vor einer Operation, vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder vor dem Preis, den man für Zivilcourage zahlen muss. Manchmal stellt sich im Beten das leise Ahnen ein, dass ich mit meiner Angst nicht allein bin. Als ob in der Tiefe des eigenen Herzens ein Licht schimmern würde. Als ob ich von innen her liebend angeschaut würde. Das weckt Vertrauen. Und stärkt den Mut, mein Leben mit beiden Händen zu ergreifen. Aus vollem und ganzem Herzen zu leben.

 

Tapferkeit, eine adventliche Haltung

 

Advent ist eine Zeit des Wartens. Wir leben in einer Gesellschaft, die nicht gern auf etwas wartet und die Geduld schnell als Schwäche abtut. Doch Geduld hat etwas mit Tapferkeit zu tun. Mit der Kraft „dranzubleiben“, auch wenn es einen etwas kostet. Etwa wenn ein Mensch, der an einer schweren Krankheit leidet, Tag für Tag versucht, nicht zu verbittern, sondern mit ihr Frieden zu schließen. Wenn eine Lehrerin in einem „Problemviertel“ ihre Schüler nicht aufgibt, sondern auf deren Entwicklungsmöglichkeiten baut. Der Advent kann einen darauf aufmerksam machen, wo es im grauen Alltag Tapferkeit braucht. Er hält dazu an, nicht verfrüht das Kommen Christi zu feiern und die Geschenke nicht zu früh auszupacken. Und er lädt in dunklen Zeiten dazu ein, sich vertrauensvoll und tapfer dem Licht entgegenzustrecken, das kommen wird. Ähnlich wie die Sonnenblume, die noch in der Nacht ihren Kopf in jene Richtung wendet, wo die Sonne aufgehen wird.

 

Melanie Wolfers ist Philosophin und Theologin und eine der bekanntesten christlichen Autorinnen im deutschsprachigen Bereich. 2004 trat sie in den Orden der Salvatorianerinnen ein. Von Mai 2008 bis November 2016 war sie Mitglied der „miteinander“-Redaktion.

 

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