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Kletterwände rauf, das Schwere runter

Paraclimbing: Klettertraining ohne Ballast

Bei Paraclimbing-Kursen im Wiener Sportzentrum „Marswiese“ lernen Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, wie sie beim Klettertraining über sich hinauswachsen können. Von Wolfgang MACHREICH

miteinander 7-8/2023

Sportzentrum 'Marswiese'

Schwer lässt sich Fritz, seinen Hintern voraus, auf die Trainingsmatte plumpsen. Das Aufwärmtraining für den Kletterkurs ist für den bald Sechzigjährigen notwendige Pflicht. Richtig wohl, um vieles leichter fühlt er sich erst in der anschließenden Kür, wenn er vom Boden abheben, die Kletterwände im Wiener Sportzentrum „Marswiese“ raufsteigen darf. Fritz klettert seit Jahrzehnten. Vor zwei Jahren stürzte er jedoch beim Bouldern aus geringer Höhe ab. Dabei verletzte er sich so unglücklich, dass sein linkes Bein unterhalb des Knies amputiert werden musste. Im vorigen Herbst startete in einem Paraklettern-Kurs des Alpenvereins sein Comeback in der Senkrechten.

 

Zu diesem Kurstermin kommt er mit neuer Prothese. In der Tour mit dem passenden Namen „Willkommen zurück!“ justiert er sein Steiggefühl neu. „Schau erst, wo der Fuß hin soll, und dann steig den Tritt hoch an“, gibt ihm Trainerin Betty vom Boden aus Tipps, während Fritz sich die Wand hinaufschraubt. „Jippie!“, jubelt die Gruppe, als er die Hallendecke erreicht.

 

Aha-Moment: Ich kann’s!

Paraklettern, auch Paraclimbing genannt, ist Klettern für Menschen mit Behinderungen. Diese können so vielfältig sein wie die Menschen, heißt es in der Kursbeschreibung des Alpenvereins. Paraclimbing richtet sich in erster Linie an Personen mit körperlichen Behinderungen – aber auch Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und Sinnesbeeinträchtigungen sind eingeladen. „Im ersten Moment klingt es absurd, mit Beeinträchtigungen klettern zu können“, sagt Trainerin Betty, „aber schnell ist der Aha-Moment da: Ich kann ja doch klettern!“


In den Kurs von Betty und ihrer Kollegin Marie kommen Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Was sie verbindet, ist eine Gruppendynamik, wo jeder jeden pusht. Die Teilnehmer entwickeln schnell sportlichen Eifer, erzählt Betty, und sind stolz, „dass sie beim Klettern etwas schaffen, was sie nie dachten, dass sie hinkriegen“. Betty lebt selber mit einer Beeinträchtigung, ist mit einer Fehlbildung des Rückens zur Welt gekommen. „Das ist mein Vorteil als Trainerin“, sagt sie, „dass ich mich ein ganzes Leben lang damit beschäftigt habe.“ Um hilfreiche Tipps geben zu können, muss sich die Trainerin in ihre Schülerinnen und Schüler hineinversetzen: „Ich muss mich einfühlen, wie ist das Steigen mit einem steifen Fußgelenk, mit einer Prothese, oder wenn wer halbseitig gelähmt oder blind ist“, erklärt sie ihren Job.

 

Immer wieder probieren

Nach erfolgreicher Einstiegstour startet Fritz mit seiner Kletterfuß-Prothese in eine schwierigere Marswiesen-Tour. „Fast and furious“ heißt sie, aber weder schnell noch langsam kommt Fritz die Steilwand rauf. Wütend ist er deswegen nicht: „Die Tour hängt noch länger, ich probiere es nächste Woche wieder.“

Sportzentrum 'Marswiese'
Sich an einer Route in der Kletterhalle so lange ausprobieren zu können, bis man den Schwierigkeiten gewachsen ist und die Tour schafft, ist für Trainerin Betty ein wichtiger Grund, der den therapeutischen Erfolg des Parakletterns ausmacht: „Gerade nach einem Unfall, aber auch wenn man mit Beeinträchtigung geboren wird, ist Physiotherapie ein Muss. Das wird dann oft zach, mühsam … Das Geniale am Klettern ist dagegen: Man trainiert den ganzen Körper, es ist medizinisch wertvoll und es macht auch noch riesigen Spaß.“

 



Infos zu Paraclimbing-Kursen und dem Projekt „Alpenverein inklusiv“ unter:

▶ Paraclimbing.at

▶ Alpenverein.at/Inklusion

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