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Teilen und verzichten lernen

Moraltheologe Michael Rosenberger über einen nachhaltigen Lebensstil in Zeiten des Klimawandels.

Der Klimawandel fordert einen neuen, nachhaltigen Lebensstil von jedem Einzelnen ein. Wie so etwas konkret aussehen kann, weiß der Moraltheologe Michael Rosenberger. Das Interview führte Christopher ERBEN.

miteinander 9-10/2022

Michael Rosenberger im Interview

Zu den größten Herausforderungen der Gegenwart gehört der Klimawandel. Was kommt da noch auf uns zu?

Beim Klimawandel wissen wir seit 30 Jahren, wohin er uns führen wird, wenn wir ihn nicht aufhalten. Die Politik reagiert darauf aber nur sehr zögerlich, obwohl die Auswirkungen bekannt und massiv sein werden. Dass sich der Klimawandel auf den Lebensstil jedes Einzelnen auswirken wird, ist vielen in der Gesellschaft bewusst. Jedoch will sich keiner einschränken. Bereits 2005 prognostizierte der britische Chefökonom Nicholas Stern, dass jedes Jahr des Zögerns die Durchsetzung des Klimaschutzes verteuern wird.

 

Wie kann eine nachhaltige Kehrtwende gelingen?

Mit positiver Energie können wir viele Probleme lösen und die Folgen des Klimawandels mindern. Längerfristig müssen wir uns damit abfinden, dass wir etwa bestimmte Güter wie Autos, Rasenmäher oder Waschmaschinen nicht mehr besitzen, sondern mit anderen teilen werden. Diese Form des Teilens wird auch als Sharing Economy bezeichnet, ist unkompliziert, spart Kosten und Energie. Wenn man statt in einem Ballungsraum am Land lebt, ist es derzeit noch schwieriger, auf ein Auto zu verzichten.

"Wir müssen uns damit abfinden, dass wir bestimmte Güter nicht mehr besitzen, sondern mit anderen teilen werden"

Was hat dazu geführt, dass Sie Ihre Überbelastung ernst genommen haben?

Wenn man einmal länger als vier Stunde schlafen könnte und dies aber einfach nicht mehr kann. Ich denke, viele Menschen kennen Lebensmomente, in denen sie ausgepowert und kraftlos sind. Ich hätte eine andere Arbeit mit etwas Energieeinsparung durchführen können, aber das ist in Zeiten der größten Gesundheitskrise seit hundert Jahren einfach nicht möglich. Dazu kamen Alarmsignale der Gesundheit: ein Tinnitus, hoher Blutdruck und hohe Zuckerwerte.

 

Worin liegt die besondere Aufgabe für uns Christen angesichts des Klimawandels?

Jesus sowie alttestamentarische Propheten dachten apokalyptisch. Sie waren überzeugt: Es kommen gravierende Katastrophen auf uns zu. Wer aber fest im Glauben steht und sich mit allen Kräften für das Gute engagiert, wird sie durchstehen und von Gott gerettet werden. Insofern plädiere ich – in Anlehnung an die letzte miteinander-Ausgabe – für eine engagierte Gelassenheit, ein von der Angst angetriebenes, aber nicht dominiertes Engagement, das von einer letzten Gelassenheit getragen ist, dass Gott jene segnet, die sich aus allen Kräften bemühen.

 

In Ihrem letzten Buch fordern Sie eine radikale Umkehr in den Industrieländern. Wie schmerzhaft wird das für uns??

Papst Franziskus greift die Idee auf, dass wir mitten in der dritten großen Revolution der Menschheit stehen. Die erste war die neolithische Revolution, die Sesshaftwerdung der Menschen und der Wechsel von der Jagd zum Ackerbau. Die zweite war die Industrielle Revolution, der Wandel von einer agrarischen zu einer industriellen Kultur. Die uns bevorstehende ökologische Revolution wird, so die These, ähnlich
schmerzhaft wie die beiden vorangegangenen. Wir können aber Rahmenbedingungen schaffen, um deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu mildern.

 

Wir tragen Kleidung aus Asien und essen Obst aus Südamerika. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Grundsätzlich kann ich der Globalisierung viel Positives abgewinnen, weil sie die Wirtschaft stabilisiert und es Sinn macht, bestimmte Güter aus dem Ausland zu beziehen. Doch das Augenmaß haben wir längst verloren. Wir kaufen Produkte auf Kosten anderer Menschen, die sie unter schlechten Arbeitsbedingungen herstellen. Genau hier setzt das neue deutsche Lieferkettengesetz an, das international tätige Konzerne verpflichtet, in diesen Ländern für bessere Arbeitsbedingungen, gute Löhne und umweltschonende Verfahren zu sorgen.

 

Nachhaltig zu leben beginnt bei jedem Einzelnen. Welche Schritte setzen Sie persönlich?

Ich lebe im eigenen Haushalt vegetarisch und schaue bei Milchprodukten und Gemüse auf deren regionale Herkunft, ökologische Herstellung und hohe Qualität. Bei der Fortbewegung setze ich auf das Rad oder gehe zu Fuß. Mein E-Auto nutze ich nur, wenn ich zu Vorträgen fahre, die ich öffentlich nicht erreichen kann.

 


Dr. Michael Rosenberger

Dr. Michael Rosenbergerist Priester und Professor für Moraltheologie an der Katholischen Privatuniversität in Linz.

 

 

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