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»Überfluss ist eine Last, die man nicht leicht aushält«

Heinrich Staudinger stellt im Waldviertel Schuhe, Möbel, Matratzen und Taschen her. Bekannt ist er auch dafür, dass er sich gern einmal mit den Mächtigen anlegt. Persönlicher Besitz ist dem Unternehmer nicht wichtig. Das Interview führte Daniel SEPER.

Der GEA-Unternehmer Heini Staudinger im Interview mit Daniel SEPER | miteinander 7-8/2020

 

by Manuel Gruber

»Ich glaube nicht, dass das gute Leben immer einfach sein muss. Ich glaube aber, dass ein einfaches Leben eine Plattform für ein gutes Leben ist«, so Unternehmer Heinrich Staudinger.

 

 

Ihre Unternehmensgeschichte beginnen Sie mit dem Satz: „Es bleibt dabei, das Wichtigste im Leben ist das Leben.“ Was bedeutet für Sie das Leben?

 

Ich hatte das Glück, dass ich 19-jährig mit dem Moped von Oberösterreich nach Tansania gefahren bin und in Afrika ebendies lernen durfte: dass das Wichtigste im Leben das Leben ist – und dass eben nicht, wie man bei uns oft das Gefühl hat, das Geld das Wichtigste ist. Und zum Leben gehört alles dazu: die Natur, die Freunde, das Leiden, die Freude, alles.

 

Es klingt aus dem Mund eines Unternehmers überraschend, dass Geld nicht das Wichtigste ist …

 

Für Unternehmer ist häufig das Geld zentral. An den Folgen sieht man dann, was für ein Blödsinn das ist. Was man da an Zerstörung alles in Kauf nimmt, das folgt der Logik des Geldes. Ich habe das Geld als Werkzeug schätzen und achten gelernt, aber nie als Liebe, nie als Ziel.Ich bin der Corona-Krise in mehreren Weisen dankbar: Erstens einmal für die Ruhe, die sie mir beschert hat. Ich habe gemerkt, dass ich so eine Ruhe seit Jahren nicht mehr gehabt habe. Und zweitens bin ich dafür dankbar, dass sichtbar wurde, dass Dinge möglich sind, von denen uns immer gesagt wurde, dass sie nicht möglich wären. Mutter Natur zeigt seit Jahrzehnten, dass wir vom Gas runter müssen. Stets hieß es: „Das geht nicht.“ Und jetzt sieht man: Es geht alles, wenn wir nur wollen. So hoffe ich, dass manches von diesem Ereignis als Lernerfolg übrig bleiben wird.

 

Wirtschaft braucht Wachstum und Konsum. Ihre Produkte stehen für Nachhaltigkeit, Langlebigkeit. Wie passt das zusammen?

 

Also zuerst einmal würde ich mich schämen, wenn ich Freunde und Bekannte treffe, die mir Schuhe abgekauft haben, die schnell kaputt gingen. Und zweitens ist es natürlich so, dass die Gruppe derer wächst, die sagen, es ist ein Wahnsinn, dass man nur fürs Wegschmeißen einkauft. Sie möchten lieber etwas kaufen, das hält. Wir sprechen eine sehr liebenswürdige Zielgruppe an. Und das bringt eine freundliche, liebenswürdige und respektvolle Stimmung im Geschäft. Kurz gesagt: Nur Nachhaltigkeit darf wachsen, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Information.

 

Sie sind für Ihren genügsamen Lebensstil bekannt. Ist für Sie ein einfaches Leben zugleich ein gutes Leben?

 

Ich glaube nicht, dass das gute Leben immer einfach sein muss. Ich glaube aber, dass ein einfaches Leben, eine einfache Umgebung sehr wertvoll und eine Plattform für ein gutes Leben ist. Ein einfaches Leben ist nicht immer leicht. Früher haben viele geschwärmt, wie schön das Studentenleben war. Da hab’ ich mir gedacht: Wenn das Studentenleben so schön war, dann werde ich nie so blöd sein, dass ich mir eine Umgebung schaffe, die wesentlich anders ist als das Studentenleben. Ich habe mein Leben lang mit einfachen Möbeln, in einfachen Räumen, einer einfachen Umgebung gewohnt. Dafür bin ich dankbar und das finde ich auch vernünftig.

 

Was braucht es Ihrer Meinung nach für ein einfaches, gutes Leben? – Und was braucht es gerade nicht?

 

Ich denke, ein Dach über dem Kopf, im Winter soll es warm sein, etwas zum Anziehen, interessante Kontakte mit Menschen, that’s it. Niko Paech, ein Post-Wachstumsökonom, spricht von der „Befreiung vom Überfluss“. Denn Überfluss ist eine Last, die man psychisch gar nicht so leicht aushält. Ich glaube, dass der Überfluss in den letzten Jahrzehnten zu einer Erschöpfung und Ermattung geführt hat.

 

Sie haben unter anderem eine Zeitlang Theologie studiert. Wie kam es denn dazu?

 

Ich habe 1971 im Petrinum (Bischöfliches Gymnasium in Linz, Anm.) maturiert. Papst Johannes XXIII. hat damals gesagt, seine Aufgabe in der Kirche ist es, die Fenster zu öffnen. Und dann ist der 68er-Geist durch das Fenster hereingekommen – auch im Petrinum. Es folgten lebendigste, leidenschaftliche Diskussionen. Und wir haben mit Leidenschaft um die Freiheit gekämpft und mit Disziplin die Freiheit geschützt. Von uns 24 Buben haben 14 mit dem Theologiestudium begonnen, fünf sind Geistliche geworden. Auch ich habe angefangen, Theologie zu studieren, aber schnell wieder aufgehört, weil ich auf der Uni die Begeisterung völlig vermisst habe, die wir im Petrinum gespürt und praktiziert haben.

 

Die Corona-Pandemie hat bei vielen zu einem Umdenken geführt. Birgt die Krise am Ende auch Chancen?

 

Ich bin der Corona-Krise in mehreren Weisen dankbar: Erstens einmal für die Ruhe, die sie mir beschert hat. Ich habe gemerkt, dass ich so eine Ruhe seit Jahren nicht mehr gehabt habe. Und zweitens bin ich dafür dankbar, dass sichtbar wurde, dass Dinge möglich sind, von denen uns immer gesagt wurde, dass sie nicht möglich wären. Mutter Natur zeigt seit Jahrzehnten, dass wir vom Gas runter müssen. Stets hieß es: „Das geht nicht.“ Und jetzt sieht man: Es geht alles, wenn wir nur wollen. So hoffe ich, dass manches von diesem Ereignis als Lernerfolg übrig bleiben wird.

 

Zur Person

Heinrich „Heini“ Staudinger| Der gebürtiger Oberösterreicher hat das Unternehmen GEA gegründet, später kamen auch die „Waldviertler“ Schuhe dazu. Neben den Werkstätten entstand in Schrems in Niederösterreich auch ein Seminarzentrum.
▶ www.gea-waldviertler.at

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