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Amazonien und der Traum vom guten Leben

Plädoyer für einen neuen „Bund fürs Leben“ von P. Franz HELM

Was hat die Amazonien-Synode mit der Corona-Krise zu tun? Beides macht sichtbar, wie stark selbst in einer modernen Welt alles miteinander zusammenhängt. 

 

Plädoyer für einen neuen „Bund fürs Leben“ von P. Franz HELM | miteinander 7-8/2020

 

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Papst Franziskus weist in seiner Enzyklika „Laudato sí“ darauf hin, dass alle füreinander Verantwortung tragen und nach Kräften teilnehmen sollen an der Sorge für das gemeinsame Haus, den Planeten Erde.

 

 

Auf der Amazonien-Synode vergangenen Oktober in Rom gab es einen Liedvers, der immer wieder in der Synodenaula erklang: „Tudo está interligado“ – auf Deutsch: „Alles ist miteinander verbunden.“ Das ist ein Zitat aus der Enzyklika „Laudato sí“ von Papst Franziskus. Dort weist der „Papst vom Ende der Welt“ darauf hin, dass in Gottes Schöpfung alle Lebewesen in Beziehung stehen mit Gott, miteinander und mit der Welt, ja dem ganzen Kosmos. Für Franziskus folgt daraus, dass alle füreinander Verantwortung tragen und nach Kräften teilnehmen sollen an der Sorge für das gemeinsame Haus, den Planeten Erde.

 

Dass alles miteinander verbunden ist, wird uns auch durch die Corona-Krise schmerzhaft bewusst. Das COVID-19-Virus soll nach Meinung von Experten von Fledermäusen über einen Zwischenwirt auf Menschen übertagen worden sein und danach breitete es sich aufgrund der regen menschlichen Reisetätigkeit rasant rund um den Globus aus. Es nahm seinen Ursprung in der chinesischen Provinz Hubei und war innerhalb von ein paar Monaten in Island im Norden Europas genauso angekommen wie im brasilianischen Amazonasgebiet, im Herzen Südamerikas.

 

Indigenes Lebengeschenk

 

Dort, wo Saharastaub nach einer Reise auf transatlantischen Winden über Tausende Kilometer die Baumkronen befruchtet und Leben ermöglicht, befällt nun das Tod bringende Virus die Angehörigen von Indianerstämmen, die isoliert von westlicher Zivilisation gelebt hatten. Über Jahrhunderte hatten diese Völker im Einklang mit der Natur gelebt. Um sich gegen eingeschleppte Krankheiten und eine Entfremdung von ihrer Kultur zu schützen, hatten sie sich immer tiefer in den Urwald zurückgezogen. Nun, da der Run auf die letzten Goldreserven und Rohstoffquellen auch diese abgelegensten Gebiete der Erde erreicht, kommt mit dem zerstörerischen Raubbau an der Natur auch noch das tödliche Virus. Dabei sind es die indigenen Völker Südamerikas, die der Welt das Konzept vom „Guten Leben für alle“ zum Geschenk gemacht haben: Durch ihre Lebensweise haben sie über Jahrtausende aufgezeigt, dass ein Leben in segensreicher Symbiose mit der Mitwelt möglich ist. Ein Leben, das die Kreisläufe der Natur erkennt und von ihnen lernt. Ein Leben, das mit Werden und Vergehen rechnet und nicht mit unbegrenztem Wachstum. Ein menschliches Leben, das anderen Lebewesen auch das Recht auf Leben zugesteht und sich darum sorgt, dass sie das Lebensnotwendige haben, weil es um die gegenseitige Abhängigkeit voneinander weiß. Es ist eine Lebensphilosophie, die ganz anders aussieht als der westliche Kapitalismus, der die Welt in die Klimakatastrophe und in ein bedrohliches Artensterben hineintreibt.

 

Bund fürs Leben

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10) Diese Worte Jesu verbinden sich direkt mit dem indigenen Konzept eines „guten Lebens für alle“. Sie verdeutlichen die Notwendigkeit einer Allianz aller Menschen guten Willens für das Leben und gegen den Tod. Diesen „Bund fürs Leben“ gilt es einzugehen angesichts der globalen Bedrohungen, vor denen die Welt steht. Wer christliche Berufung in der Nachfolge Jesu leben will, kann nicht anders, als sich kreativ und hoffnungsfroh in diesen Bund einzubringen und mitzumachen.

 

Zur Person

P. Franz Helm SVD ist Steyler Missionar und Rektor des Missionshauses St. Gabriel. Von 2015 bis 2018 war er u. a. Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs. Im Auftrag der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) hat er 2019 als Beobachter an der Amazonien-Synode in Rom teilgenommen.

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