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Paare in der Pandemie

Beziehungen und Familien im Stresstest

Corona war und ist auch für Beziehungen und Familien eine Belastungsprobe. Die einen stärkte die Krise in ihrem Zugehörigkeitsgefühl, bei anderen blieb die Liebe auf der Strecke. Von Christopher ERBEN.

miteinander 1-2/2022

 

„Es hat schon seit Längerem in unserer Beziehung gekriselt“, gibt Peter zu, „aber die Lockdowns gaben ihr den Rest.“ Nur ungern denkt er an die vergangenen zwei Jahre zurück; den ständigen Wechsel zwischen Familienstress mit fünf Kindern, Homeoffice und der Arbeit im Büro. All das forderte nicht nur ihn heraus, sondern auch die Beziehung zu seiner Partnerin, mit der er seit über 20 Jahren zusammenlebt.

 

Den Sozialrechtler und Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF), Wolfgang Mazal, überrascht eine solche Schilderung nicht. „Dass manche Beziehungen durch die Lockdowns gefährdet waren und auseinanderbrachen, war zu befürchten.“ Zugleich seien andere Paare und Familien gestärkt aus dieser Anspannung hervorgegangen – „weil sie wieder mehr Zeit hatten und daheim Begegnungen nicht ausweichen konnten“. Haushalts- und Erziehungsaufgaben konnten neu miteinander verhandelt werden, eingespielte, gleichwohl vielleicht auch überkommene Rollenbilder wurden abgeklopft und neu justiert.

 

Mehr als nur zu zweit

 

„Mich hat die Mehrfachbelastung in den Lockdowns gestresst“, erinnert sich Peter. Von seiner Frau fühlte er sich in seinem Stress weder ernst genommen, noch bemühte man sich offenbar untereinander, den Partner nach Kräften zu entlasten oder Aufgaben gerecht zu verteilen. „Wir stritten viel – und das zuletzt auch immer mehr vor den Kindern.“

 

Tatsächlich hat Corona auch in Beziehungsdingen wie ein Katalysator gewirkt, der sichtbar machte, was in Beziehungen fehlte oder wo es nicht rund lief, bestätigt Bettina Moser, Paar-Coach und Mediatorin in Wien. Durch die Verlangsamung des Hamsterrades wurden sich viele Paare ihrer Sprachlosigkeit und Probleme bewusst, die zuvor im Alltag weggeschoben wurden. „Beziehung kann aber nur gelingen, wenn die Partner viel miteinander reden und versuchen, den Problemen auf den Grund zu gehen“, ist Moser überzeugt.

 

Mit viel Eigenleben

 

Ganz anders als Peter erlebte Prisca die Zeit der Einschränkungen und der verordneten Häuslichkeit: Obwohl sie drei Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren daheim betreuen musste, stresste sie das Homeoffice nicht – im Gegenteil: „Die Zeit war wie Ferien für uns“, sagt sie im Rückblick. Eine noch nie dagewesene Auszeit, von der alle Familienmitglieder profitiert haben. Die Betreuung der drei Kinder teilte sie sich mit ihrem Partner gleichberechtigt auf. „So blieb jedem von uns seine eigene Freiheit und zugleich wurde das Familienerleben deutlich intensiver. Wir sind noch mehr zusammengewachsen.“

 

„Tendenziell war Familie ein Rettungsanker gegen Einsamkeit“, sagt der Leiter des ÖIF, Wolfgang Mazal. Bewundernswert war aus seiner Sicht etwa, wie Familien den enormen Druck, der auf ihnen durch die Gleichzeitigkeit von Homeschooling und Homeoffice lastete, bewältigten. Dies sei leider in der öffentlichen Wahrnehmung zu selten thematisiert worden.

 

Kein Happy-End

 

Peters Ehe hat die Belastungen nicht ausgehalten. Es ging nicht mehr. Er will sich scheiden lassen. Eine gemeinsame Zukunft ist für den 42-Jährigen nicht mehr vorstellbar. Was ihm bleibt, ist die Sorge um die gemeinsamen Kinder. Ihnen fühlt er sich nach der emotionalen Berg- und Talfahrt näher denn je. „Ihnen gehört von nun an meine ganze Aufmerksamkeit.“

 

Vier Tipps für eine gelungene Beziehung

– von Bettina Moser, Paar Coach und Mediatorin

  1. Das Glück in sich selbst finden: Sich „ganz“ zu fühlen und das Glück in sich selbst zu finden, ersetzt Abhängigkeit durch ein liebevolles und gleichwertiges Miteinander.
  2. Mit dem Fokus auf das Gemeinsame neue Wege gehen: Denn es gibt immer Wege abseits der stark ausgetretenen Autobahnen der Traditionen.
  3. Das wahre Ich leben ohne Rucksack aus der Kindheit. Diesen abzunehmen bedeutet, das wahre Ich zu leben in Leichtigkeit, Freiheit und Vielfalt.
  4. Leichter durch den Alltag: Ein gleichwertiges Miteinander braucht klare Vereinbarungen mit definierten Qualitätskriterien, wo Geld und Zeit wie auch Job und Haushalt auf einer Ebene stehen.
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