Mag. Lukas Cioni
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miteinander-Magazin
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Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie hieß Renate und 1995 erlebten wir eine intensive, wenngleich kurze Beziehung. Denn sie war bereits 20 Jahre alt, rostig und musste häufig in die Werkstatt... Renate war mein erstes Auto – ein Mercedes 200 D in „Saharagelb“. Ein echtes Schlachtschiff. Spitze 110 km/h. Ich war damals mächtig stolz. Sie bot Platz, Komfort und ein Gefühl von Freiheit. Und ich fuhr mit ihr unter einem guten Stern – denn oberhalb des Schaltknüppels und des Aschenbechers wachte am Armaturenbrett eine vom Vorbesitzer angebrachte kleine runde Plakette über mich: der hl. Christophorus mit dem Jesuskind auf seinen Schultern – der Schutzpatron der Reisenden und Autofahrer. Ich muss zugeben, damals hat mich das nicht sonderlich interessiert. Sorgen bereiteten mir eher die Sprit- und horrende Werkstattkosten. Aber tatsächlich blieb ich mit meiner „Renate“ und bis heute unfallfrei.
„Nimm dich nicht allzu ernst
und schon gar nicht zu wichtig.“
Ein anderer treuer Begleiter baumelt in meinem Büro an der Schreibtischlampe unmittelbar vor meinen Augen. Auch dies eine kleine silberne Plakette. Allerdings nicht mit einem Heiligen versehen, sondern mit zwei gekreuzten Pilgerstäben und dem Schriftzug „Unser Leben“. Es ist eine Pilgerplakette des Klosters Sankt Matthias in Trier, zu dem ich als Jugendlicher Jahr für Jahr zu Fuß gepilgert bin. 250 Kilometer quer durch die Eifel. Heute erinnert mich das kleine Metallstück an einem abgewetzten Lederbändchen tagtäglich an diese für mich so prägende Zeit, die mir bis heute andauernde Freundschaften und einen belast- wie streitbaren Glauben gebracht hat. Ein dritter Begleiter steht ebenfalls auf meinem Schreibtisch: Es ist eine kitschige kleine Plastikfigur mit einem wackelnden Elvis-Kopf und dem Körper einer Heiligendarstellung samt brennendem Herzen. Wie gesagt: Kitsch, vielleicht gar geschmacklos. Zugleich „wacht“ er seit Jahr und Tag über mein berufliches Schreiben. Und er gibt mir in seiner Lächerlichkeit und mit seinem spöttischen Blick zu verstehen: Nimm dich nicht allzu ernst und schon gar nicht zu wichtig.
Es sind diese kleinen Begleiter des Alltags, die in manch dunklen und tristen Momenten ihren Zauber versprühen – indem sie Erinnerungen wecken an Zeiten der Leichtigkeit und Freiheit. Und wenn ich mich in diesen Erinnerungen zu verlieren drohe, klopfen meine Kinder an die Tür, reißen mich heraus aus den Tagträumen und erinnern mich daran, wie gesegnet ich mich fühlen darf, unter ihrem guten Stern zu leben. Ganz ohne Rost in Saharagelb.

miteinander-Chefredakteur Dr. Henning Klingen