Mag. Lukas Cioni
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miteinander-Magazin
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Ich war nie einer von den „Coolen“. War nie jemand, der in der Schule im Mittelpunkt einer Gruppe stand, der Mitschüler um sich scharte. Leider. Stattdessen begnügte ich mich schon bald damit, dazuzugehören. Das war oft schwer genug: Für die eine Gruppe war ich nicht „alternativ“ genug, hörte weder Heavy Metal noch Reggae; für die anderen war ich zu unpolitisch; und für wieder andere wohl einfach zu langweilig. Doch ich fand einen Freundeskreis, dem ich mich bis heute nicht nur zugehörig, sondern in dem ich mich geborgen fühle.
Später, als ich vor inzwischen 23 Jahren nach Österreich übersiedelte, fühlte ich plötzlich wieder die bedrängende Frage in mir: Wohin gehöre ich? Darf ich mich als Deutscher, als „Piefke“, zugehörig fühlen? Man hat es mir leicht gemacht: Ich durfte. Mehr als liebevolle Sticheleien gab es nicht, vielmehr wurde ich rasch eingemeindet. Dennoch blieb und bleibe ich „Deutscher“ – sprachlich und auf dem Papier. Denn eine gewisse Fremdheit bleibt. Bis heute. Aber es stört nicht – im Gegenteil: Es fordert mich immer wieder heraus, die eigene Identität im Spiel von Zugehörigkeit und Fremdheit auszuloten.
„Wäre es nicht schön,
wenn uns kirchlich gelänge, Räume zu öffnen,
in denen man nicht alles mittragen muss,
aber wo man sich getragen fühlen darf?“
Dieses Spiel ist im Übrigen ein urbiblisches Motiv: Der Exodus, die Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste, ist eine Erfahrung purer Entfremdung. Es floh aus Ägypten, suchte nach neuer Heimat und neuer Zugehörigkeit – und blieb doch auf Dauer heimatlos, fremd. Selbst Gott entzog und entzieht sich immer wieder aufs Neue. Vielen Menschen gleicht heute wohl die Kirche selber einer solchen „Wüstenwanderung“: Sie würden gern zugehörig sein, Heimat finden, ankommen – und werden doch von der Institution oder einzelnen Handelnden immer wieder vor den Kopf gestoßen, entfremdet.
Vor wenigen Wochen waren meine alten Freunde aus Schulzeiten bei mir in Wien zu Gast. Wir haben gefeiert, geredet, geschwiegen, gespielt, gelacht. Und uns so einander versichert: Wir gehören zueinander. Bei aller Unterschiedlichkeit der Biografien, bei aller räumlichen Distanz, auch bei mancher Entfremdung über die Jahre. Wäre es nicht schön, wenn das auch kirchlich gelänge: Räume zu öffnen, in denen man sich zugehörig fühlen darf, ohne vereinnahmt zu werden; in denen man auch fremdeln darf, ohne ausgestoßen zu werden? In denen man nicht alles mittragen muss, aber wo man sich getragen fühlen darf? Damit locken wir vielleicht nicht die „Coolen“, aber vielleicht ja die Normalen. Und wenn es dazu Heavy Metal oder Reggae braucht, soll’s mir auch recht sein …

miteinander-Chefredakteur Dr. Henning Klingen