Mag. Lukas Cioni
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miteinander 5-6/2026

Gegründet wurde Bom Pastor im Jahr 2018 aus einem einfachen, aber tiefen Wunsch heraus: anderen Menschen in Liebe zu begegnen und Würde zu schenken. Das Zentrum in Curitiba bietet eine pädagogisch begleitete Betreuung für Kinder zwischen sieben und 17 Jahren. Viele von ihnen wachsen unter schwierigen familiären Umständen auf. Hier erfahren sie Geborgenheit, Struktur und Wertschätzung. Bei meinem Aufenthalt bin ich Teil des Teams. Als Master- Studentin arbeite ich bei Bom Pastor zum Thema „Geschlechtergleichberechtigung“. Im Zuge meiner Tätigkeit gestalte ich Aktivitäten, spiele mit den Kindern und leite Workshops für Eltern und Mitarbeitende. Bom Pastor selbst organisiert zahlreiche Aktivitäten, die spielerisches Lernen, Bewegung und Kreativität fördern. Hierzu zählen Fußballturniere, Seminare zum brasilianischen Kampftanz „Capoeira“ oder Theater-, Yoga-, Percussion- und Journalismus- Kurse. Dabei geht es nicht nur um Beschäftigung, sondern um Stärkung: Es geht darum, Talente zu entdecken, das Selbstvertrauen zu stärken und Gemeinschaft zu erleben.
Trost und Hoffnung
Das Team von Bom Pastor verteilt regelmäßig Mahlzeiten an Menschen, die auf der Straße oder in informellen Siedlungen mleben. Ein mobiler Dusch-Truck unterstützt bei der Körperhygiene. Die Mitarbeitenden mbesuchen zudem regelmäßig Gefängnisse, um mit Gesprächen, Musik und Gebeten Trost und Hoffnung zu schenken. So begleitet die Hilfsorganisation Menschen in besonders verletzlichen Lebenslagen – mit offenen Herzen und offenen Händen. Neben Kooperationen mit Kirchen und der Regierung arbeitet Bom Pastor auf Spendenbasis. mDavon werden die tägliche Arbeit und der Lohn des rund zehnköpfigen Teams finanziert. Die Leitenden der Hilfsorganisation, Eduardo und Paula, haben Bom Pastor zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht. Beide arbeiten unentgeltlich und erhalten als Lohn jene Dinge, die sie zum Leben benötigen.

Herzliche Gemeinschaft
Momentan bieten Eduardo und Paula nicht nur mir, sondern drei weiteren Teilnehmenden des AIESEC-Austauschprogramms „Global Volunteer“ aus Peru, Bolivien und Argentinien Einblicke in ihren Alltag. Während die Arbeit mit den Kindern und die Erfahrungen, in einer neuen Kultur zu leben, mir und den anderen Ehrenamtlichen die Möglichkeit geben, uns persönlich weiterzuentwickeln, ist dieses internationale Umfeld zudem eine Bereicherung für alle Kinder und Mitarbeitenden. So sind in der Einrichtung zusätzlich zu dem in Brasilien gesprochenen Portugiesisch auch Spanisch und Englisch zu hören, wobei wir alle täglich weit mehr voneinander lernen als nur die Sprache. Es ist eine unglaublich herzliche Gemeinschaft, in der ich mich sehr wohl fühle. Die Erfahrung ist – so wie auch meine vorherigen Freiwilligenprojekte in Nepal und Tansania – sehr bereichernd, besonders das wertschätzende Miteinander. Das ist es auch, was ich mir zu Hause mehr wünschen würde: dass wir mehr wertschätzen, was wir haben, und mehr an andere denken als nur an uns selbst.

Sarah Schaller
ist Studentin im Master- Studium „Health Sciences“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seit 2014 ist die 27-Jährige bei der Hilfsorganisation AIESEC tätig. Hier engagierte sie sich in Freiwilligenprojekten in Nepal, Tansania und Brasilien. 2025 war sie Teil des AIESEC-Austauschprogramms „Global Volunteer“und absolvierte zudem ein Praktikum bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (DIZ) in Sierra Leone.