Mag. Lukas Cioni
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miteinander-Magazin
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miteinander 3-4/2026

Ich kam 1999 im Zuge des Jugoslawienkrieges nach Österreich. Der Neuanfang in einem fremden Land war für mich mit einem kleinen Kind eine große Herausforderung, besonders wenn man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich hatte anfangs keine Arbeitsgenehmigung und keine Perspektive. Doch ein Priester, den ich in einer Pfarre kennengelernt hatte, gab mir einen Rat: „Bete über sieben Tage für deine Zukunft, das werde ich auch tun.“ Ob Zufall oder Fügung – nach genau diesen sieben Tagen änderte sich mein Leben.
Mit Einsatz und Mut
Durch eine Bekannte kam ich in die Pfarre Wien-Meidling. Sie war eine Nachbarin aus Bosnien, unsere Mütter waren befreundet. Wie es die Fügung wollte, erhielt ich in dieser Zeit die ersehnte Arbeitsbewilligung und konnte in der Pfarre zu arbeiten beginnen. Geplant war eine Tätigkeit als Aushilfe für einen Monat, doch wieder kam es anders. Offenbar habe ich mich gut angestellt, denn der Pfarrer bot mir die Nachfolge der Wirtschafterin an und fragte mich, ob ich die Mesnertätigkeit übernehmen wolle. Natürlich wollte ich mich auf diese Aufgabe gut vorbereiten, denn unter beidem konnte ich mir anfangs nicht viel vorstellen. Der damalige Pfarrer ermutigte mich und ermöglichte mir Weiterbildungen wie etwa den Besuch eines Glaubens-Kurses, eines Mesner-Kurses sowie eines Kommunionspender- Kurses. Seitdem bin ich mit großer mFreude sowohl für die wirtschaftlichen mBelange als auch für die Mesner-Tätigkeiten min der Pfarre zuständig.
"Für mich ist dieser Beruf mehr als Arbeit
– es ist eine Berufung."
Mehr als Arbeit
Wenn ich zurückblicke, spüre ich, dass ich hierhergeführt wurde. Ich denke, so viele mZufälle kann es nicht geben. Für mich ist dieser Beruf mehr als Arbeit – es ist eine Berufung. Die Begegnungen mit Menschen, das gemeinsame Arbeiten, das Teilen von Freude und Leid machen meinen Alltag bunt und vielfältig. Es macht mir Freude, für einen reibungslosen Ablauf in der Kirche zu sorgen, sei es in der Liturgie oder in der Gemeinschaft.
Meine Aufgaben sind vielfältig: Ich kümmere mich um die Wohnung des Pfarrers, koche für die Hausgemeinschaft und sorge dafür, dass in der Kirche alles gut vorbereitet ist. Kein Tag ist wie der andere, das Kirchenjahr bringt immer neue Herausforderungen. Mir ist es wichtig, Ruhe und Harmonie zu bewahren – und genau das versuche ich in meine Arbeit
einzubringen. Mein größter Wunsch für die Zukunft ist, dass Menschen durch die Kirche und den Glauben Kraft schöpfen, sich willkommen fühlen und in der Gemeinschaft neue Hoffnung
finden. Denn genau darum geht es: gemeinsam unterwegs sein, gestärkt aus dem Glauben heraus das Leben zusammen gestalten.

Ljiljana Karamatic
ist Mesnerin und Wirtschafterin der Pfarre Meidling zum Heiligen Johannes Nepomuk.