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miteinander 3-4/2026

Geboren um 980, stammte Hemma von Gurk aus dem Hochadel – genauer aus dem Geschlecht des Zwentibold wie des Adelsgeschlechts der Karolinger. Mit Kaiser Heinrich II. verwandt, wurde Hemma von Gurk an dessen Hof erzogen und heiratete in ihrer Jugend Graf Wilhelm II. von Friesach-Sanntal. Nach dem frühen Verlust ihrer beiden Söhne und ihres Mannes, welche mutmaßlich im Jahr 1036 getötet wurden, erbte Hemma von Gurk ein umfangreiches Vermögen – inklusive Ländereien in Kärnten und der Steiermark.
Ihr Vermögen machte sie zu einer der reichsten Frauen ihrer Zeit. Als unabhängige Witwe wurde sie schnell zu einer dominierenden Figur der damaligen Gesellschaft: Einer Urkunde aus dem Jahr 1043 zufolge gründete die Wohltäterin in Gurk das Benedikterinnen-Frauenkloster. Zudem wird angenommen, dass Hemma von Gurk selbst als Laienschwester in das Kloster eintrat.
Glaubensweg und Legenden
Mit ihrem Reichtum förderte Hemma von Gurk zwei bedeutende Klöster Österreichs – Gurk und Admont – sowie zahlreiche Kirchen in Kärnten. Nach dem Tod ihres Mannes Willhelm stiftete Hemma den Dom und das Kloster zu Gurk. Der Legende nach wurde der Ort für die Kirche durch ein Zeichen Gottes festgelegt. Im August 1043 weihte Erzbischof Balduin die Kirche in Gurk ein. Eine weitere Legende steht symbolisch für Hemmas Gerechtigkeitssinn. Beschrieben wird darin eine Szene, in welcher ein Bauarbeiter seinen Lohn selbst aus dem Portemonnaie der Adeligen nehmen sollte, sich aber heimlich zu viel herausnahm. Als der Bauarbeiter das Geld dann nachzählte, war es dennoch exakt der Lohn, welchen ihm Hemma von Gurk von Beginn an versprochen hatte.
Bereits kurz nach ihrem Tod um 1045 wurde Hemma in der Krypta des Gurker Doms verehrt – 1174 erfolgte ihre „Translatio“ und damit eine Art Volksseligsprechung. Formell wurde Hemma von Gurk am 21. November 1287 seliggesprochen und schließlich am 5. Jänner 1938 von Papst Pius XI., als erste Frau in Österreich, heiliggesprochen. Die hl. Hemma gilt als Landes- und Schutzpatronin Kärntens.
Heutige Spuren
Auch fast 1000 Jahre nach ihrem Tod sind Hemma von Gurks Spuren deutlich zu erkennen: Der rund 800 km lange Hemma-Pilgerweg durch Kärnten, Slowenien und die Steiermark verbindet historische Stationen ihres Lebens und Wirkens, darunter die Städte Friesach, Gurk sowie Admont.
In der Krypta im Dom zu Gurk ruhen bis heute Reliquien der Heiligen und sind Ziel zahlreicher Pilgerfahrten. Der dort befindliche „Hemma-Stein“ gilt als Quelle geistlicher Kraft – wer sich auf ihn setzt, bittet um Fürsprache und um die Erfüllung von Wünschen. Der sogenannte „Hemmahut“ gilt zudem als einer der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Hüte Europas und ist von großer kulturhistorischer Bedeutung. Seit 1906 ist die Kopfbedeckung der Heiliggesprochenen Teil des Domschatzes zu Gurk.
Hemma von Gurks soziale Vision lebt bis heute in kirchlichen und sozialen Projekten weiter. In Kärnten engagiert sich etwa die St. Hemma-Stiftung im Sinne ihrer Namenspatronin als zentrale Servicestelle für alle außerschulischen katholisch-kirchlichen Kinderbildungseinrichtungen.

Hemma von Gurk
wurde um 980 geboren, war Kloster- und Kirchengründerin und wurde am 5. Jänner 1938 von Papst Pius XI. offiziell heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 27. Juni.

Internationaler Frauentag
1911 in Dänemark, Deutschland und Österreich-Ungarn zum ersten Mal zelebriert, erinnert der internationale Gedenktag am 8. März an die Forderungen der Geschlechtergerechtigkeit und den weltweiten Schutz der Frauenrechte.