Mag. Lukas Cioni
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miteinander-Magazin
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miteinander 3-4/2026

Die Diözesen eröffnen künftig einen neuen Weg der Priesterausbildung mit speziellem Fokus auf Männer zwischen 45 und 60 Jahren, also die Gruppe der sogenannten „Spätberufenen“. Was ist das Neue daran?
In der Tat ist das Phänomen selbst nicht neu: Immer wieder haben sich Interessenten mittleren oder fortgeschrittenen Alters für den Dienst als Priester gemeldet. Früher gab es dazu auch das eigene „Spätberufenenseminar“ in Horn im Canisiusheim des Canisiuswerkes in Niederösterreich. Neu am nun eröffneten „zweiten Weg“ sind klare Leitlinien, die uns ermöglichen, den Berufsausstieg und Einstieg in den priesterlichen Dienst innerhalb der Priesterausbildung dynamisch und individualisierter zu gestalten und die vereinzelten Ausnahmen, dass jemand auch als Priester in angemessener Weise seine berufliche Tätigkeit ausübt, auch offiziell anzuerkennen und zu berücksichtigen.
Auf welche kirchliche Realität möchte man mit diesem Angebot reagieren?
Bislang wurde in den Diözesen mit der Gruppe der „Spätberufenen“ sehr unterschiedlich und teils unkoordiniert umgegangen. Diese Praxis führte bisweilen sogar an der offiziellen Ausbildung in den Priesterseminaren vorbei in vereinzelte „Sonderwege“. Das stiftete nicht nur Verwirrung, sondern auch ungerechte Divergenzen. So gesehen sind diese Leitlinien ein Arbeitsinstrument, das der kirchlichen Einheit dient, indem es die gemeinsame Praxis verbindlich ordnet.
Welche Kompetenzen sind von Priestern heute besonders bzw. anders gefragt als noch vor 10–20 Jahren?
Die Berufswelt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert und geweitet. Manche Bereiche gab es kürzlich so noch nicht, wenn man beispielsweise an die Fortschritte der digitalen Kommunikationsmittel denkt. Es ist zu erwarten, dass künftig auch aus solchen Bereichen Priesteramtskandidaten kommen und die spezifischen Kompetenzen auch im kirchlichen Dienst einbringen werden.
Leistet das Konzept eines „persönlich abgestimmten Programms“ in der Ausbildung nicht einer Individualisierung Vorschub, die die Priesterseminare weiter schwächt?
Die unauflösliche Spannung zwischen individuell gestaltetem Ausbildungsweg, der aufgrund der wachsenden Verschiedenheit der Voraussetzungen nötig ist, und der Standardisierung ist in den letzten Jahren größer geworden. Beides gut miteinander zu verbinden, ist Ziel dieser Leitlinien für die berufsbegleitende Priesterausbildung: Die Unterschiedlichkeit der Wege wird an eine Gemeinsamkeit, die durch die Zugehörigkeit zum Priesterseminar und die darin verbürgten konkreten Lernprozesse sichergestellt wird, zurückgebunden.
Ist der neue Weg ein besonderer österreichischer Weg oder bewegen sich viele Priesterseminare bereits in diese Richtung?
Die Reaktionen zeigen ein gewisses Aufhorchen und eine hohe Aufmerksamkeit für diese Innovation, die sich nun erst bewähren muss. Die Zielgruppe jener, die aus ihrer Berufstätigkeit in geeigneter Weise abgeholt, für die künftige Ausübung des priesterlichen Dienstes vorbereitet und dazu menschlich, geistlich, theologisch und pastoral hingeführt werden sollen, gibt es nicht nur bei uns.
„Zweiter Weg“ der Priesterausbildung
Leitlinien der österreichischen Priesterausbildungsstätten für die Ausbildung der „Spätberufenen“: speziell für Männer von 45 bis 60 Jahren. Der „zweite Weg“, soll Lebensrealität berücksichtigen und einen Ausbildungsweg neben der beruflichen Tätigkeit ermöglichen. Grundlage: Theologie-Studium sowie praktische und spirituelle Priesterseminar-Ausbildung. Eine begrenzte Tätigkeit im Zivilberuf bleibt in Ausnahmefällen über die Priesterweihe hinaus möglich.
www.canisius.at/priester/zweiter-weg