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Unsere Themen im Jahr 2015

Wer hat das Sagen?

Zukünftig sollen Pfarren in der Erzdiözese Wien aber vermehrt von Teams auch geleitet werden.

 

Der derzeit laufende Reformprozess in der Erzdiözese Wien will die missionarische Kraft des christlichen Glaubens neu zur Entfaltung bringen. Ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, liegt neben anderen in einer pfarrlichen Strukturreform. Pfarrgebiete werden größer. Einer einzigen Pfarre sind deshalb mehr haupt- und ehrenamtlich Tätige zugeordnet. Die Struktur einer solchen Pfarre wird dadurch komplexer, als es derzeit meist der Fall ist.

 

Das hat Auswirkungen auf die Pfarrleitung. War es früher der Pfarrer, der allein das Sagen hatte, und waren es später die Laien, die dem Pfarrer bei seiner Arbeit helfen wollten, so sollen jetzt alle Mitglieder der Pfarre die Mission tragen und damit auch Aufgaben in der Pfarr- und Gemeindeleitung wahrnehmen. Die Diözesanleitung stellt deshalb die Bildung von pfarrlichen Leitungsteams in Aussicht.

 

Und meine Rolle?

Diese Perspektive verunsichert mitunter sowohl die Pfarrer als auch jene, die mit ihnen ein solches Team bilden sollen. Sie stehen vor Fragen wie: „Was ist dann meine Rolle?“, „Welche Verantwortung habe ich wahrzunehmen, welche nicht?“, „Trägt der Pfarrer eine andere Verantwortung als alle anderen Teammitglieder?“, „Wer hat das Sagen?“ Ein Team kann dann gut arbeiten, wenn jedes Teammitglied seine eigene Verantwortung kennt und diese im Rahmen des notwendigen Ermessensspielraums wahrnimmt. Wo sich ein Teammitglied der Sakramentenvorbereitung annimmt, kann ein anderes für Ministrantenpastoral oder die Jungschar zuständig sein. Ebenso können beispielsweise die Finanzverwaltung, die Trauerpastoral und die Sorge um die Alten auf verschiedene Personen aufgeteilt werden. Entscheidend ist, dass die jeweiligen Verantwortungsbereiche gut geklärt sind und jedes Teammitglied der je eigenen Verantwortung, die es nicht zuletzt als missionarischer Christ Gott gegenüber hat, gerecht wird. In der Soziologie wird dies „Aufgabenverantwortung“

genannt.

 

Gottes Reich mitbauen

Auch dem Pfarrer kommt im Gefüge der pfarrlichen Leitung eine eigene Verantwortung zu, nämlich die sogenannte „Führungsverantwortung“. Dieser wird er dann gerecht, wenn er sicherstellt, dass das Leitungsteam als Gesamtes dem missionarischen Anliegen der Pfarre dient. Seine Verantwortung stellt also die der übrigen Teammitglieder nicht infrage. Es gehört vielmehr ganz im Gegenteil zu seiner Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Teammitglieder ihre je eigene Verantwortung kennen, wahrnehmen können und so gemeinsam am Reich Gottes mitbauen. Das kann auch bedeuten, dass der Pfarrer, wenn

es nicht anders möglich ist, Entscheidungen trifft, die von allen anderen auch dann akzeptiert werden müssen, wenn sie anderer Auffassung sind. Diese Entscheidungskompetenz ist vermutlich der Hintergrund, warum in einigen diözesanen Veröffentlichungen davon gesprochen worden ist, dass ein pfarrliches Leitungsteam immer (bloß) unter Wahrung der „Letztverantwortung“ des Pfarrers tätig werden kann. Das sollte deutlich machen, dass die Funktion des Pfarrers auch in einer Teamleitung nicht abgeschafft ist.

 

Teamleitung erfüllen

Allerdings macht dieser Begriff die einzelnen Verantwortlichkeiten unklar. Es wird der Eindruck erweckt, als seien die übrigen Teammitglieder bloß „vorletzt“ verantwortlich, also bloß so lange, wie sie der Pfarrer lässt. Auch der Pfarrer wäre dann nicht grundsätzlich für die Pfarre verantwortlich, sondern erst als Letzter. Damit würde aber genau jenes Anliegen geschwächt, das die Diözesanreform verfolgt, nämlich die Trägerschaft der Mission in die Hände aller Gläubigen zu legen. Pfarrliche Leitungsteams brauchen aber nicht nur die Teammitglieder, die ihrer je eigenen Verantwortung gerecht werden, sondern auch den Pfarrer, der seine eigene Verantwortung kennt und wahrnimmt.

 

Die Rolle des Pfarrers wird damit nicht abgeschwächt und schon gar nicht abgeschafft, wie manche befürchten. Sie wird vielmehr in das gesamte Anliegen der Mission und eine gemeinschaftliche Leitung der Pfarre eingebettet. Dort hat der Pfarrer seine unverzichtbare eigene Verantwortung. Die Rolle des Pfarrers entwickelt sich dann von demjenigen, der allein das Sagen hat, hin zu demjenigen, der andere beim Verkünden der Frohen Botschaft fördert und unterstützt. Wo Pfarrer dieses Anliegen jetzt schon wahrnehmen, werden sie auch in einer Teamleitung ihre Aufgaben gut,

vielleicht sogar noch besser erfüllen können.

 

Peter Schipka

CANISIUSWERK
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