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Gott|Vertrauen

"Erfolg ist keiner der Namen Gottes"

 

Anton Tauschmann ist als Theologe im Grazer Pastoralamt tätig. Zugleich ist er ausgewiesener Sportethik-Experte. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft hat Robert Mitscha-Eibl mit ihm über Fairness im Sport gesprochen.

 

186 Tore schoss Stürmer Christian Mayrleb in der österreichischen Fußball-Bundesliga. Eines davon, das er im Dress der Wiener Austria im Jahr 2000 gegen das Team von Schwarz-Weiß Bregenz erzielte, wurde zum Skandal und Anlass für ein Wiederholungsspiel: Als ein Voralberger Spieler verletzt auf dem Boden lag, wurde der Ball absichtlich ins Out gespielt. So verlangen es das Fair-Play. Nach der Spielunterbrechung sollte der Ball wieder zurück zu den Bregenzern kommen, doch Mayrleb fing den Rückpass ab und kickte den Ball ins Tor. Das Spiel endete 4:1 für die Wiener. Der damalige Austria-Chef Frank Stronach - erbost über den mit unfairen Mitteln errungenen Sieg - erwirkte ein Wiederholungsmatch, das die Austria dann 1:2 verlor.

 

Der Fußball als Machtspiel

 

Für Anton Tauschmann ist diese Intervention des austrokanadischen Millionärs ein seltener Fall von Fairness im Spitzensport. Der im Grazer Pastoralamt tätige Theologe, der seine Diplomarbeit über "Sport als Religion unserer Zeit" verfasste, erinnert an ein zweites Positivbeispiel aus dem Fußball: Die belgische Fußball-Nationalmannschaft verlegte eine Woche nach den Terror-Anschlägen von Brüssel ihr EM-Vorbereitungsspiel gegen Portugal aus Sicherheitsgründen auf die iberische Halbinsel. Vor dem Ankick wärmten sich die Belgier mit Trikots auf, auf denen zu lesen war: "In Gedenken an alle Opfer, Brüssel 22. März 2016." Während des Freundschaftsspiels hielten viele portugiesischen Zuschauer Transparente mit Solidaritätsbekundungen in die Höhe. Das Ergebnis von 2:1 für Portugal geriet zur Nebensache.

 

Stärker im Bewusstsein bleiben freilich die Fairness-Verstöße: Die Palette reicht hier von harmlosen Vergehen wie Spielverzögerungen über "Schwalben" im Strafraum bis hin zu fragwürdigen Turniervergaben durch den ins Zwielicht geratenen Weltverband FIFA. Gerade bei WM-Turnieren zeige sich, dass "der Fußball zum Machtspiel geworden" sei, in dem das Geld regiert. Dass 2022 der Weltmeister in der Wüste Katars ermittelt werden soll, ist nicht nur ökologisch, sondern auch "menschenrechtlich höchst problematisch", verweist Tauschmann auf an Sklavenarbeit erinnernde Umstände beim Stadionbau.

 

Qualität vor Quantität

 

Dass die FIFA nach den vorliegenden Beweisen für dubiose Geldflüsse nachhaltig gesäubert werden kann, bezweifelt der Sportethik-Experte. Die mit dem großen Geld verbundene Versuchung zur Korruption bleibe wohl erhalten; auch vermeintlich honorige Verbände wie der DFB hätten sich vor der WM-Vergabe 2006 an Deutschland unlauterer Methoden bedient.

 

Als problematisch sieht Tauschmann auch die im Fußball häufige "Wir-gegen-die-anderen-Mentalität". Teamsport könne zwar zusammenschweißen, aber auch zu Auswüchsen wie Schmähungen der Gegner führen, zu Sündenbock-Benennungen von Schiedsrichtern oder "abtrünnigen" Spielern (Andreas Ivanschitz wurde nach seinem Wechsel von Rapid zu Salzburg lange als "Judas" beschimpft). Dass Fußball xenophobe Haltungen entlarvt, zeigte sich etwa, als Ivica Vastic - damals seit zwei Jahren Staatsbürger - erst 1998 nach seinem WM-Tor gegen Chile zum "echten Österreicher" geadelt wurde.

 

Wie der langjährige "Olympiakaplan" P. Bernhard Maier ist Anton Tauschmann der Ansicht, dass die Spannung zwischen Konkurrenz und Fairness im Spitzensport grundsätzlich ethisch sauber lösbar ist: "Erfolg ist keiner der Namen Gottes", zitiert der Hobby-Halbmarathonläufer Tauschmann ein Wort des jüdischen Philosophen Martin Buber. Im Glauben komme es nicht darauf an, wie schnell jemand läuft, sondern wie. Soll heißen: Qualität vor Quantität.

 

Robert Mitscha-Eibl

Der Autor ist Redakteur der Katholischen Presseagentur Kathpress in Wien

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2016 | Ausgabe Mai/Juni

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