Monday 29. August 2016
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Grabner

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Atemlos!
Leitartikel Juli/August 2016
Leitartikel Juli/August 2016
Von Chefredakteur Henning Klingen
Atemlos!
Leitartikel Juli/August 2016
Leitartikel Juli/August 2016

Von Chefredakteur Henning Klingen

Die Zeit scheint aus den Fugen zu sein. Je mehr Zeit wir gewinnen, desto schneller zerrinnt sie uns zwischen den Fingern. Wir hasten und kommen immer zu spät. Selbst auf weltpolitischer Bühne rast die Zeit: politische, soziale, wirtschaftliche, militärische Krisen wechseln sich ab. Kaum ist die eine überstanden, droht schon wieder neues Ungemach. Alles wird schneller, und früher war es besser…

Solche Zeitkritik gehört zum Lieferumfang des zeitgenössischen Weltbildes und kommt heute rasch über die Lippen. Entsprechend gibt es Zeittheorien und Bremshilfen wie Sand am Meer – Entschleunigung ist angesagt. Man möchte dem täglichen Hamsterrad entkommen, durchschnaufen, langsamer machen. Gerade die Sommerzeit scheint dazu geeignet. Aber sei es der Familienurlaub am Mittelmeer, die Pilgerwanderung durch die Steiermark oder die Backpacking-Tour durch Asien: Stets bleibt Erholung an Bewegung, an Rastlosigkeit gekoppelt. Fast scheint es, als sei die Beschleunigung – wie es der Soziologe Hartmut Rosa konstatiert – die eigentliche, zentrale menschliche Triebfeder der Gegenwart.

Zum Problem wird diese Beschleunigung, wo sie den Menschen vom Boden hebt, wo das Rauschen des geschwinden Alltags jedes Gespür für die Welt, den Mitmenschen, das Wesentliche abhandenkommen lässt. Burnout! Aber machen wir uns nichts vor: Wo auch immer und wie auch immer wir "langsamer machen" – wir entkommen dem Rasen der Zeit nicht. Lebenszeit ist begrenzt – und je mehr man vom Leben, gerade auch vom Leben der Anderen weiß, umso mehr bleibt in der verrinnenden Lebenszeit zu tun. Vielleicht führt der Rettungsweg nicht weg aus dieser Welt, sondern genau in sie hinein. Das jedenfalls ist Hartmut Rosas These: Wenn ich schon nicht das Rad anhalten kann, so kann es mir doch gelingen, das Gefühl für die Welt zu bewahren. "Resonanz" nennt der Soziologe diese Kunst.

Resonanz erfährt auch der, der ein intensives Glaubensleben führt. Denn wo wird die Welt, das Leben "resonanter", also "sprechender", als im Gebet? Wo ich Gott als Antwortenden erfahre, der die Zusage gibt, dass diese irrsinnige Welt dennoch seine Welt ist, dort verzweifle ich nicht an den rasenden Zeitläuften. Im Gegenteil. Ich fühle mich vielleicht sogar bestärkt, Welt-Verantwortung in meiner zerrinnenden Zeit wahrzunehmen. Und diese wird mir derzeit wohl von keiner anderen Gruppe so vor Augen geführt wie von den Flüchtlingen. Denn auch sie sind Welt in Bewegung: rastlos, atemlos. Und sie gieren nach Resonanz – danach, dass die Welt nicht stumm bleibt, sondern ihnen antwortet.

Gottes Synergien
Kolumne von Georg Plank
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Gottes Synergien
Kolumne von Georg Plank
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

Immer wenn unser Organist als Begleitmusik zur Kommunionspendung ein Lied aus dem Musical "Jesus Christ Superstar" intoniert, ist es vorbei mit meiner andächtigen Stimmung. "Jesus war kein Superstar!", protestiere ich innerlich gegen diese Profanisierung des Mannes aus Nazareth. Denn seine großartigen Taten wie Heilungen, Dämonenaustreibungen und Wunder waren Folge seiner Synergie, seines Zusammenwirkens mit Gott. Auch seinen Jüngern verhieß er: "Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen" (Joh 14,12). Christen sind Schüler und Schülerinnen des Meisters und Werkzeuge des Heiligen Geistes. So werden sie zu Mitwirkenden an Gottes Taten.

Innovatoren sind auch nicht perfekt, sie sind selten "High Performer", ja sie sind sogar überraschend oft durchschnittlich und mittelmäßig. Aber sie setzen darauf, dass Gott durch ihre begrenzten Talente Großes wirkt – wie bei den Jüngern. Der letzte Vers des Markusevangeliums bekräftigt dieses göttlich-menschliche Synergieprinzip: "Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, der er geschehen ließ"- wörtlich: "Er wirkte mit" (Mk 16,20). Gott nimmt sich sogar die Freiheit, durch Menschen zu wirken, die nicht hochoffiziell Jesus nachfolgen und in der Kirche mitarbeiten. "Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch", kommentiert Jesus diese Unerhörtheit zum Erstaunen der Jünger (Lk 9,50).

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Leitartikel Juli/August 2016

Atemlos!

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Die Zeit scheint aus den Fugen zu sein. Je mehr Zeit wir gewinnen, desto schneller zerrinnt sie uns zwischen den Fingern. Gibt es ein Entkommen?

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