Montag 20. Februar 2017
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Mag. Elisabeth Grabner

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Schuld & Sünde
Leitartikel Oktober/November 2016
Leitartikel Oktober/November 2016
Von Chefredakteur Henning Klingen
Schuld & Sünde
Leitartikel Oktober/November 2016
Leitartikel Oktober/November 2016

Von Chefredakteur Henning Klingen

Erinnern Sie sich an Ihre erste Beichte? Es war im Zuge der Vorbereitung auf die Erstkommunion. Wir hockten auf den harten Kirchenbänken, nervös wie vor einer Schularbeit. Ein Schüler nach dem anderen trat zum Beichtstuhl, kniete nieder, erhob sich und zwinkerte schließlich den Wartenden zu. Ich erinnere mich gut an das Gefühl der Erleichterung, als ich den Beichtstuhl verließ. Vergebung als unmittelbar spürbare, körperliche Wohltat.

Heute hat es das Sakrament der Versöhnung nicht leicht. Verwaist stehen die Beichtstühle wie dunkle Mahnmale in den Seitenschiffen der Kirchen. Solltest du nicht längst mal wieder zur Beichte gehen? scheinen sie jedem Kirchenbesucher zuzuraunen. Ja, stimmt. Aber glaube ich noch, was mir da sakramental zugesagt wird? Die Lossprechung von meinen Sünden? Sünden – ist das nicht ein allzu schweres Wort für kleine Verfehlungen, um die ich meinen Nächsten direkt um Verzeihung bitten kann?

Gewiss, eine Beichte, die sich nicht in verändertem Verhalten niederschlägt, ist sinnlos; aber grenzt ein Leben, das sich nurmehr auf sich allein zurückverwiesen sieht, das nicht mehr mit "Gnade" rechnet, nicht an Überforderung? Oder um es mit dem Sozialphilosophen Jürgen Habermas zu sagen: "Es ist etwas verloren gegangen, als sich Sünde in Schuld, das Vergehen gegen Göttliche Gebote in den Verstoß gegen menschliche Gesetze verwandelte."

Tatsächlich sind Schuld und Verzeihen zu einem säkularen Geschäft geworden. Es wird auf- und abgerechnet. Alles hat seinen Preis, auch Schuld. Die Idee, dass man mehr Schuld auf sich lädt, als sich in weltlicher Währung abgelten lässt, klingt da wie ein fernes Donnergrollen. Was ist da "verloren gegangen", wie Habermas es formuliert? Es ist das Bewusstsein eines umfassenden Zusammenhangs der Dinge, gegen den man verstößt, wenn man "sündigt". Es ist die Vorstellung, dass man an der Idee des Menschseins selbst schuldig werden kann. In einer hochgradig ausdifferenzierten, fragmentierten Welt hat so etwas keinen Platz mehr.

Niemandem ist gedient mit der Androhung von Fegefeuer und Höllenstrafen. Dafür ist die Sache zu ernst – denn es geht um nichts weniger als um die menschliche Freiheit, um das Bewusstsein, dass der Mensch auch an seiner eigenen Idee unwiederbringlich schuldig werden kann. Dazu bedarf es keiner Kapitalverbrechen. Auch eine Lüge, für die ich mich formal rasch und leicht entschuldigen kann, ist und bleibt ein Schlag ins Gesicht. Denn sie sagt: Ich stelle mein Recht über deines, ich schätze dich gering. Eine Gesellschaft, die das vergisst, droht die Grundlagen ihrer Humanität einzubüßen.

Um die Brücke zum Anfang zu schlagen: Ja, ich sollte wohl mal wieder zur Beichte gehen…

Schaukästen sind Visitenkarten
Georg Planks Kolumne 'Aus dem Seitenschiff'
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Schaukästen sind Visitenkarten
Georg Planks Kolumne 'Aus dem Seitenschiff'
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

Stolz zeigte mir meine Berliner Gesprächspartnerin die historisch bedeutsame evangelische Gethsemanekirche im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Während der 1980er Jahre war die Gethsemanegemeinde ein Sammelpunkt für Oppositionelle und die DDR-Friedensbewegung. 1989 spielte sie eine aktive Rolle bei der friedlichen Revolution und beim Fall der Berliner Mauer.

Während des ersten Ökumenischen Kirchentags 2003 fanden hier zwei ökumenische Gottesdienste mit gemeinsamer Abendmahlsfeier evangelischer und katholischer Christen statt – trotz des Verbotes durch Papst Johannes Paul II. war die Beteiligung an den Feiern riesig. Der aus Graz stammende Priester und Theologe Gotthold Hasenhüttl lud bei einem katholischen Gottesdienst alle zur Teilnahme an der Kommunion ein und wurde daraufhin suspendiert. Spannend, kontroversiell, aktuell: Auch heute wirkt in dieser Kirche eine lebendige und innovative Gemeinde mitten in einem extrem säkularen Umfeld.

Umso bedauerlicher fand ich, dass die rund um die Kirche aufgestellten Schaukästen den gegenteiligen Eindruck vermittelten. Abgelaufene Termine, dilettantische Plakate, Insidersprache und generell lieblose Gestaltung wirken auf Interessierte wohl kaum attraktiv. Leider ist das ein allgemeiner Trend in vielen Pfarren. Man unterschätzt, dass Schaukästen eine Visitenkarte sind. Genauso wie Pfarrblätter, Homepages und diverse Folder, die Menschen ja positiv ansprechen sollen. Innen hui, außen pfui!

Aus dem neuen »miteinander«
Er ist das Gesicht des Religionsmagazins 'Orientierung' und zugleich seit 16 Jahren ehrenamtlicher Notfallsanitäter: Christoph Riedl-Daser. Im 'miteinander' erklärt er, was ihn motiviert und bewegt.

Aus Liebe zum Menschen

ORF-Moderator Christoph Riedl-Daser

Er ist das Gesicht des Religionsmagazins "Orientierung" und zugleich seit 16 Jahren ehrenamtlicher Notfallsanitäter: Christoph Riedl-Daser. Im "miteinander" erklärt er, was ihn motiviert und bewegt.

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Gute Vorsätze

Leitartikel von Chefredakteur Henning Klingen

Rund 3,3 Millionen Österreicherinnen und Österreicher engagieren sich ehrenamtlich - und sie leisten damit letztlich einen wertvollen Dienst an der Demokratie selbst.

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