Sonntag 11. Dezember 2016
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Grabner

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Zauber des Anfangs
Leitartikel Dezember 2016
Leitartikel Dezember 2016
Von Chefredakteur Henning Klingen
Zauber des Anfangs
Leitartikel Dezember 2016
Leitartikel Dezember 2016

Von Chefredakteur Henning Klingen

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne / der uns beschützt und der uns hilft, zu leben" – Diese Zeilen aus dem Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse zählen zu den am häufigsten zitierten Lyrik-Passagen. Sie strahlen Zuversicht aus, sprechen Mut zu, wo ein Neuanfang noch die Bedrohlichkeit des Ungewissen in sich trägt. Damit der Neuanfang diesen Zauber entfalten kann, muss zuvor Abschied genommen werden. Das wusste Hesse, als er im selben Gedicht formulierte: "Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe / Bereit zum Abschied sein und Neubeginne."

Doch möchte man Hesse zurufen: Das Loslassen fällt so schwer! Es gibt keine beharrendere Kraft als das Bestehende. "Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön!" lässt Goethe seinen Faust sagen – hoffend auf Beständigkeit und wohl wissend, dass der Augenblick verrinnt wie der Sand im Stundglas. Zum Jahresende feiern wir dieses Verrinnen der Zeit mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Es wird bilanziert: Was wurde erreicht, was ist schief gelaufen, was soll im neuen Jahr anders werden? Silvester. Ganz unprosaisch ohne Hesse und Goethe, dafür mit Sekt und Raketen.

Ist das Kommende tatsächlich besser als das Alte? Lange galt es als ausgemacht, dass es nachfolgende Generationen besser haben sollten als ihre Eltern. Dieses Versprechen ist hohl geworden. Besser wird’s nicht mehr, sagen die Zukunftsforscher. Im Gegenteil. Wir werden wieder länger arbeiten, weniger verdienen, mehr teilen, unseren Lebensstandard senken müssen… Ist der Zauber verflogen? Lohnt es sich noch, loszulassen und sich auf das Unbekannte, das Neue zu freuen?

Weihnachten sagt: Ja, es lohnt sich. Dabei ist Weihnachten eine Gratwanderung. Ein Fest, bei dem Altbewährtes gefeiert und Neues gewagt wird. Für beides steht das Kind in der Krippe. Für die Verwurzelung in der Prophetie, die den Messias herbeisehnte, und den Neuanfang, den jedes Neugeborene symbolisiert. Es muss noch etwas hinzukommen, um diesem Zauber des Weihnachtsfestes auf die Spur zu kommen: Vertrauen. Auch dafür steht das Bild des Neugeborenen. Radikale Verwiesenheit auf Liebe, Zuneigung – Vertrauen darauf, dass gut wird, was wird.

So wünscht Ihnen das gesamte "miteinander"-Team ein frohes, von Hoffnung bewegtes Weihnachten. Lassen Sie los – zumindest das alte Jahr – und vertrauen Sie darauf, dass das Neue gut wird. Oder um es mit Hesse zu sagen: "Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde / Uns neuen Räumen jung entgegen senden / Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden... / Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"

Schaukästen sind Visitenkarten
Georg Planks Kolumne 'Aus dem Seitenschiff'
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Schaukästen sind Visitenkarten
Georg Planks Kolumne 'Aus dem Seitenschiff'
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

Stolz zeigte mir meine Berliner Gesprächspartnerin die historisch bedeutsame evangelische Gethsemanekirche im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Während der 1980er Jahre war die Gethsemanegemeinde ein Sammelpunkt für Oppositionelle und die DDR-Friedensbewegung. 1989 spielte sie eine aktive Rolle bei der friedlichen Revolution und beim Fall der Berliner Mauer.

Während des ersten Ökumenischen Kirchentags 2003 fanden hier zwei ökumenische Gottesdienste mit gemeinsamer Abendmahlsfeier evangelischer und katholischer Christen statt – trotz des Verbotes durch Papst Johannes Paul II. war die Beteiligung an den Feiern riesig. Der aus Graz stammende Priester und Theologe Gotthold Hasenhüttl lud bei einem katholischen Gottesdienst alle zur Teilnahme an der Kommunion ein und wurde daraufhin suspendiert. Spannend, kontroversiell, aktuell: Auch heute wirkt in dieser Kirche eine lebendige und innovative Gemeinde mitten in einem extrem säkularen Umfeld.

Umso bedauerlicher fand ich, dass die rund um die Kirche aufgestellten Schaukästen den gegenteiligen Eindruck vermittelten. Abgelaufene Termine, dilettantische Plakate, Insidersprache und generell lieblose Gestaltung wirken auf Interessierte wohl kaum attraktiv. Leider ist das ein allgemeiner Trend in vielen Pfarren. Man unterschätzt, dass Schaukästen eine Visitenkarte sind. Genauso wie Pfarrblätter, Homepages und diverse Folder, die Menschen ja positiv ansprechen sollen. Innen hui, außen pfui!

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Leitartikel Dezember 2016

Zauber des Anfangs

Leitartikel von Chefredakteur Henning Klingen

Ist das Kommende besser als das Alte? Weihnachten sagt "Ja", es lohnt sich, sich auf das Neue, das Unbekannte einzulassen.

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